Vom Banker zum FIFA-Profi: Die Geschichte von Chiang Wen Jun

Martin Abgottspon

19.11.2018

«Hibidi» hat den Schritt gewagt und seinen gut bezahlten Job für seinen Traum vom FIFA-Profi aufgegeben.
Bild: ZoomIn TV

Ein Leben als Profi-Zocker? Für viele bleibt es  ein Traum. Einer, der es geschafft hat, ist Chiang Wen Jun. Doch auch er ging dafür ein grosses Risiko ein.

Am Tag eilte er im chicken Anzug durch die grossen Hallen der Bank BNP Parisbas, am Abend setzte er sich jeweils mit seinem Hoodie vor die Konsole. «FIFA» ist Chiang Wen Juns bevorzugtes Spiel. 1998 kam er erstmals damit in Berührung, seit 2006 misst er sich mit den besten Spielern der Welt.

Damit er das kann, investiert «Hibidi» Woche für Woche mindestens genauso viel Zeit in sein Hobby, wie in seinen Beruf. Die Doppelbelastung macht ihm nichts aus, weil er es nicht als Belastung empfindet. Dennoch stellte er sich im Zuge der zunehmenden Professionalisierung im eSports immer öfter die Frage, ob er das Zocken nicht ganz zu seinem Beruf machen will. Im Oktober des letzten Jahres wagte er den Schritt.

Vom Jungaufsteiger zum Senior

«Ich las damals einen Bericht, dass eSports bis 2020 weltweit mehr als eine Milliarde Dollar umsetzen soll», sagt Chiang Wen Jun rückblickend. Eine finanzielle Prognose, die ihn für den Schritt zum Profi-Spiler ermutigte. Er sollte es nicht bereuen. Bereits wenige Wochen nachdem er seinen Banker-Job gekündigt hatte, räumt er beim «EA Champions Cup Winter Tournament» in Bangkok gleich rund 60'000 Franken ab.

Mittlerweile lebt Chiag Wen Jun ganz gut vom eSports und er hat mit «No Fuchs Given Esports» auch ein Team gefunden. Den Zeiten als Banker trauert er nicht nach, auch wenn er in der eSports-Szene mit 26 Jahren bereits zu den Oldies zählt. «Meine Gegner sind zum Teil vielleicht flinker, aber bei 'FIFA' gewinnt am Ende auch der klügere Spieler und da bin ich den meisten Gegnern noch weit voraus.»

«Schaut, dass eure Noten stimmen»

Bescheidenheit ist eine Tugend. Aber nicht die von «Hibidi». «Prahlerei ist es nur dann, wenn man keine Taten folgen lässt», schrieb er einst auf seinem Instagram-Account und postete ein Bild in Siegerpose, ganz so als wäre Zlatan Ibrahimovic sein persönlicher Lehrmeister.

Doch wenn die Scheinwerfer nicht auf ihn gerichtet sind, kann er auch anders. Dann arbeitet er akribisch an seinen «FIFA»-Skills mit dem Traum, sich in fünf Jahren als Profigamer zur Ruhe setzen zu können. 

Für alle, die ihm nacheifern und eine ähnliche Karriere hinlegen wollen, hat er einen vernünftigen Rat: «Schaut einfach, dass eure Noten stimmen. Das habe ich auch immer gemacht. Das hilft euch im späteren Leben so oder so und man hat eine gute Grundlage, um nicht immer wieder mit den Eltern diskutieren zu müssen, warum man so oft spielt.»

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