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In Frankreich fallen auf den Autobahnen die Schranken, was nicht nur Gutes mit sich bringt.
ADAC
Frankreich schafft die Mautschranken ab und macht das Reisen bequemer. Doch genau diese Umstellung verwandeln Kriminelle gerade in eine Goldgrube
Du kommst aus den Sommerferien zurück, das Handy summt: «Ulys – Maut: Ein Restbetrag von 6.80 Euro ist noch offen. Bitte innert 48 Stunden begleichen, sonst fallen Gebühren an.» Das Logo stimmt, die Farben stimmen, und tatsächlich bist du vor zwei Tagen über die A13 Richtung Normandie gerollt. Also schnell zahlen, bevor es teuer wird. Auf genau diesen Reflex zielen derzeit Betrüger und treffen ihn erschreckend gut.
Das Auswärtige Amt in Berlin warnt inzwischen offiziell vor einer Welle gefälschter Mautforderungen auf französischen Autobahnen. Besonders im Visier: die A13 zwischen Paris und Caen sowie die A14. Ausgerechnet Strecken, über die auch viele Schweizerinnen und Schweizer in die Normandie, an die Atlantikküste oder Richtung Paris fahren. Die Warnung gilt damit genauso für dich.
Frankreich stellt sein Mautsystem seit ein paar Jahren auf die sogenannte Free-Flow-Maut um. Statt an einer Schranke anzuhalten und ein Ticket zu ziehen, fährst du einfach durch ein Portal, das dein Kennzeichen per Kamera erfasst. Die Rechnung kommt erst danach. Du musst die Gebühr innert 72 Stunden selbst begleichen, online über die Betreiber-Website, an einem Automaten oder im Tabakladen. Weniger Stau, mehr Komfort. Aber eben auch eine völlig neue Logik, die viele Reisende noch nicht verinnerlicht haben.
Und genau diese Unsicherheit ist das Geschäftsmodell der Täter. Wer eine schrankenlose Strecke befahren hat, rechnet mit einer Nachzahlung. Trudelt dann eine SMS mit einem kleinen offenen Betrag ein, wirkt sie nicht verdächtig, sondern logisch. Die Masche funktioniert nicht trotz, sondern wegen des neuen Systems.
Die gefälschten Nachrichten sind handwerklich sauber gemacht. Sie tragen die Logos bekannter Betreiber wie Ulys oder Vinci Autoroutes. Der Ton ist nüchtern-amtlich, der geforderte Betrag liegt fast immer im harmlosen Bereich von fünf bis zehn Euro. Dazu kommt der eingebaute Zeitdruck. Wer nicht sofort zahle, dem drohten Mahngebühren oder eine Kontosperrung. Der Link in der Nachricht führt dann auf eine Seite, die der echten zum Verwechseln ähnlich sieht. Und jede Kreditkartennummer, die du dort eintippst, landet direkt bei den Tätern.
Das Perfide dabei ist, dass an der ganzen Logik ja tatsächlich was dran ist. Wer seine Maut wirklich verschlampt, riskiert in Frankreich eine Busse, die bei längerem Zögern bis auf 375 Euro klettern kann. Diese reale Drohkulisse macht die gefälschte Mahnung erst richtig wirksam. Vinci Autoroutes und Ulys betonen zwar, es habe kein Datenleck gegeben, und haben Anzeige erstattet. Doch die Betrüger brauchen gar keine geklauten Daten. Sie verschicken ihre Nachrichten einfach breit gestreut und warten, bis jemand panisch auf den Link tippt.
Es gibt klare Merkmale, an denen du eine seriöse Mitteilung von einer Fälschung unterscheidest. Echte E-Mails der Betreiber enden ausschliesslich auf offizielle Domains wie @ulys.com, @vinci-autoroutes.com oder @services.ulys.com. Wirf im Zweifel einen genauen Blick auf die Absenderadresse, nicht nur auf den angezeigten Namen. Echte SMS kommen nur von der Kurzwahl 36035 oder mit dem Absender «VINCI». Eine Nachricht von einer normalen französischen Handynummer ist praktisch immer ein Betrugsversuch.
Das wichtigste Erkennungszeichen aber ist ein anderes. Kein offizieller Betreiber schickt dir einen direkten Bezahllink per SMS oder E-Mail. Bezahlt wird immer über das jeweilige Kundenportal. Etwa über sanef.com für die A13, A14 und A4 oder über aliae.com für die A79. Wenn du eine offene Gebühr vermutest, tipp die Adresse selbst in den Browser, gib dort dein Kennzeichen ein und prüfe, ob wirklich etwas aussteht. Klick niemals den Link in der Nachricht an.