Regeneration statt ErsatzWachsen dritte Zähne in Zukunft einfach nach?
Martin Abgottspon
26.1.2026
Ein paar Jahre müssen sich Seniorinnen und Senioren wohl noch gedulden bis die Möglichkeit auf natürliche dritte Zähne real wird.
Imago
Während Forscher weltweit daran arbeiten, Zähne biologisch nachwachsen zu lassen, vollzieht sich in Zahnarztpraxen bereits heute eine stille Revolution. Hochleistungskeramiken und 3D-Druck verändern den Zahnersatz grundlegend.
Forschende der Tufts University haben funktionelle Zähne aus menschlichen Zellen im Labor gezüchtet und erfolgreich in Tiermodelle implantiert.
In Japan läuft eine klinische Studie mit einem Medikament, das genetisch bedingten Zahnverlust durch Nachwachsen natürlicher Zähne behandeln soll.
Während die biologische Regeneration noch Zukunftsmusik ist, revolutionieren 3D-Druck und Hochleistungskeramik bereits heute die Herstellung von Zahnersatz.
Zähne gelten als endgültig verloren. Anders als Knochen oder Haut regenerieren sie sich nicht. Eine biologische Grenze, die die Zahnmedizin schon immer beschäftigt hat. Vor etwas mehr als einem Jahr ist es Forschenden allerdings gelungen, im Labor Zähne aus menschlichen Zellen zu züchten, in Tiermodelle zu implantieren und funktionell heranwachsen zu lassen.
Ein Team der Tufts University war für den Forschungserfolg verantwortlich, indem es aus Schweinezahnkeimen in Kombination mit menschlichen Zellen neue, menschenähnliche Zähne entwickeln konnte. Noch handelt es sich um experimentelle Forschung, doch sie eröffnet dem Grundprinzip der Zahnmedizin völlig neue Möglichkeiten, in welchem in Zukunft der Ersatz von Zähnen vielleicht sogar überflüssig wird.
Am weitesten fortgeschritten ist derzeit ein Ansatz aus Japan. An der Universitätsklinik Kyoto läuft seit 2024 eine klinische Studie mit einem Medikament, das das Nachwachsen von Zähnen ermöglichen soll. Es blockiert Proteine, die die Zahnentwicklung nach der Kindheit hemmen. Zunächst richtet sich der Wirkstoff an Menschen mit genetisch bedingtem Zahnverlust. Eine Markteinführung wird für 2030 angestrebt.
Die Gegenwart bleibt künstlich
So visionär die Forschung klingt, für Millionen Patientinnen und Patienten bleibt Zahnersatz auf absehbare Zeit Realität. Und genau hier hat sich die Zahnmedizin in den vergangenen 20 Jahren radikal verändert. Wachsmodele, Goldguss, manuelle Anpassung – all das ist inzwischen weitgehend digital ersetzt worden.
Heute werden Kronen und Brücken am Bildschirm konstruiert und mithilfe computergesteuerter Fräsen aus Keramikrohlingen gefertigt. Diese Hochleistungskeramiken sind biokompatibel, langlebig und erlauben minimalinvasivere Eingriffe als frühere Metalllösungen. Allerdings scheint auch dieses Fräs-Verfahren bereits wieder ans Ende seiner Zeit gekommen zu sein.
Denn heute fertigt der 3D-Drucker vielerorts schon Zahnersatzprodukte. Dies passiert Schicht für Schicht, nahezu verlustfrei und mit grosser geometrischer Freiheit. Theoretisch könnten so sogar unterschiedliche Zahnstrukturen präzise nachgebildet werden. Praktisch dominiert bislang Kunststoff, vor allem für Provisorien und Planungsmodelle. Für dauerhaften Zahnersatz gilt er als mechanisch unterlegen.
3D-Modelle von Zahnersatzprodukten sind heute schon Standart.
3dnatives.com
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Hier setzt nun das Wiener Unternehmen Lithoz an. Das 2011 als Spin-off der TU Wien gegründete Unternehmen hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Hochleistungskeramiken gedruckt werden können. Materialien, die in Festigkeit, Biokompatibilität und Ästhetik als Goldstandard der Zahnmedizin gelten.
Gedruckte Keramikkronen sind bislang vor allem in Laboren zu finden. Klinische Langzeitdaten fehlen, regulatorische Hürden sind hoch. Gleichzeitig ist der 3D-Druck aus der Praxis aber nicht mehr wegzudenken. Individuell angepasste Zahnspangen-Brackets werden millionenfach gefertigt, Kunststoffmodelle dienen der präzisen OP-Planung.
Zwischen biologischer Vision und technischer Realität entsteht so eine Übergangsphase. Hochleistungskeramik und 3D-Druck optimieren den künstlichen Zahn – während die Forschung daran arbeitet, ihn überflüssig zu machen.