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Ob Mark Zuckerberg beim drohenden Ende noch so ruhig aufs Meer hinaus schaut?
ChatGPT @ blueNews
Peter Thiel kauft sich in Argentinien eine Villa, Mark Zuckerberg gräbt sich auf Hawaii ein. Die Menschen, die unsere Zukunft bauen, bereiten sich heimlich auf deren Untergang vor. Eine Spurensuche.
In der vornehmsten Wohngegend von Buenos Aires steht eine weisse Villa, die niemandem auffallen soll. Ein schwarzer Metallzaun hält neugierige Blicke ab, Sicherheitsleute begleiten die Kinder der Bewohner sogar bei Ausfahrten. Das Familienauto soll eine Satellitenantenne auf dem Dach tragen. Zwölf Millionen Dollar hat der amerikanische Techmilliardär Peter Thiel für das Anwesen mit 1'600 Quadratmetern Wohnfläche und sechs Schlafzimmern vor kurzem bezahlt.
Das ist kein Zweitwohnsitz für sonnige Wochenenden. Für den Mitgründer des Datenkonzerns Palantir ist Argentinien ein «Plan B», wie es die «New York Times» formulierte. Ein Rückzugsort, falls die Welt aus den Fugen gerät. Damit ist Thiel in bester Gesellschaft. Wer im Silicon Valley zur obersten Liga gehört, hat seinen Fluchtweg längst vorbereitet.

Peter Thiel hat sich gerade in Argentinien eine weitere Villa gekauft.
Getty Images
Wie tief diese Endzeitstimmung sitzt, weiss kaum jemand besser als der amerikanische Medientheoretiker Douglas Rushkoff. 2017 wurde er für ein fürstliches Honorar in ein abgelegenes Wüstenresort eingeflogen, angeblich für einen Vortrag über die Zukunft der Technologie. Stattdessen sass er fünf superreichen Männern gegenüber, die nur eine Frage umtrieb: Wie überlebt man den Zusammenbruch der Zivilisation? Neuseeland oder Alaska für den Bunker? Und wie hält man die bewaffneten Wachleute bei der Stange, wenn das Geld nichts mehr wert ist?
Die Männer überlegten ernsthaft, den Wachen Disziplinierungshalsbänder anzulegen oder die Nahrung hinter Zahlenschlössern zu verstecken, die nur sie selber kennen. «The Event» nannten sie das Unheil, auf das sie sich vorbereiten. Umweltkollaps, soziale Unruhen, ein Atomschlag, eine unkontrollierbare Seuche oder ein Hack, der alles lahmlegt. Aus dieser Begegnung wurde später Rushkoffs vielbeachtetes Buch «Survival of the Richest». Seine bittere Erkenntnis: Ausgerechnet jene, die der Welt am meisten zusetzen, glauben fest an deren baldigen Untergang.
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Peter Thiel betreibt diese Absicherung seit Jahren. Bereits 2011 erhielt er die neuseeländische Staatsbürgerschaft, nachdem er gerade einmal zwölf Tage im Land verbracht hatte. Normalerweise sind dafür rund 1'350 Aufenthaltstage nötig. Den Pass bekam er über eine selten genutzte Ausnahmeklausel. Im Gegenzug für Investitionen und eine Millionenspende nach dem Erdbeben von Christchurch. Die Öffentlichkeit erfuhr davon erst Jahre später.
Sein geplanter Luxusbunker am Lake Wanaka – eine Anlage mit Unterkünften für 24 Gäste – wurde vom örtlichen Gemeinderat abgelehnt, weil er die unberührte Landschaft zerstört hätte. Inzwischen hat Thiel den Süden Südamerikas entdeckt. Neben der Villa in Buenos Aires hat er sich Berichten zufolge auch im teuren Seebad Punta del Este in Uruguay eingekauft. Dünn besiedelt, weit weg von den Krisenherden der Welt, im Überfluss versorgt mit Energie und Nahrung. Für einen Apokalyptiker ein idealer Zufluchtsort.
Thiel ist aber nur ein prominentes Gesicht eines ganzen Milieus. Mark Zuckerberg lässt auf der Hawaii-Insel Kauai seit 2014 ein Anwesen von rund 570 Hektaren errichten, das ist eine Fläche von etwa 800 Fussballfeldern. Dazu gehört laut einer Recherche des Magazins «Wired» ein unterirdischer Schutzraum von gut 465 Quadratmetern mit eigener Strom- und Nahrungsversorgung. Geschätzte Kosten: 270 Millionen Dollar, abgesichert durch Verschwiegenheitsklauseln für die Bauarbeiter.
Der Meta-Chef bestreitet, dass es sich um einen Weltuntergangsbunker handle. Es sei «nur eine kleine Unterkunft, wie ein Keller». OpenAI-Chef Sam Altman gibt sich da offener. «Ich habe Waffen, Gold, Kaliumiodid, Antibiotika, Batterien, Wasser, Gasmasken der israelischen Armee und ein grosses Stück Land in Big Sur, zu dem ich fliegen kann», erzählte er bereits 2016. LinkedIn-Mitgründer Reid Hoffman nennt solche Vorkehrungen schlicht «Apokalypse-Versicherung» und schätzt, dass bis zur Hälfte der superreichen Tech-Unternehmer eine solche besitzt.

Mark Zuckerberg blickt nicht immer positiv in die Zukunft.
Imago
Das eigentlich Verstörende ist, wovor diese Männer sich am meisten fürchten. Nämlich vor ihrer eigenen Erfindung. Mehrere von ihnen entwickeln gerade jene künstliche Intelligenz, die sie für eine existenzielle Bedrohung halten. OpenAI-Mitgründer Ilya Sutskever soll intern gesagt haben, man werde «definitiv einen Bunker bauen, bevor wir AGI veröffentlichen». Also eine KI, die dem Menschen überlegen ist.
Altman wiederum gestand freimütig ein, dass all seine Vorräte im Ernstfall nichts nützen würden. «Nichts davon wird dir helfen, wenn AGI schief läuft, aber es ist ein nettes Hobby.» Seine Angstszenarien sind ein im Labor verändertes Killervirus, eine KI, die uns angreift, und Atommächte, die um knappe Rohstoffe kämpfen. Es ist eine seltsame Logik. Man baut die Gefahr und gräbt sich gleichzeitig vor ihr ein.
Während die Tech-Elite Hunderte Millionen in private Verstecke steckt, hat die Schweiz das Thema auf ihre eigene, unaufgeregte Art gelöst. Hierzulande gibt es über 360'000 Schutzräume wie die «NZZ» schreibt. Rechnerisch genug für die gesamte Bevölkerung. 2006 lag der Deckungsgrad sogar bei 114 Prozent. Seit 1963 gilt die Schutzraumpflicht, und ein durchschnittlicher Schutzplatz kostet einmalig rund 1'500 Franken. Der amerikanische Milliardärsbunker kostet das Zehntausendfache und schützt eine Handvoll Auserwählter.
Diese «Igel»-Mentalität ist ein Erbe des Kalten Kriegs. In Luzern stand mit dem Sonnenbergtunnel einst die grösste Zivilschutzanlage der Welt, ausgelegt für bis zu 20'000 Menschen, mit Spital und Radiostudio. Angesichts des Ukrainekriegs erlebt das System eine Renaissance und 2026 tritt eine neue Zivilschutzverordnung in Kraft. Der entscheidende Unterschied zum Silicon Valley liegt nicht in der Angst, sondern in der Haltung dahinter.
Denn genau hier verrät sich das eigentliche Motiv der Superreichen. Der private Bunker dient nicht dazu, die Katastrophe zu überleben, sondern sie ohne den Rest von uns zu überleben. Und selbst in dieser Fantasie scheitern die Milliardäre an einer simplen Frage, über die Rushkoffs Gesprächspartner damals eine ganze Stunde grübelten: Wie verhindert man, dass die eigenen Wachleute irgendwann selber das Kommando übernehmen?