Auftritt an der Scala Mailand

Anna Netrebko ist zurück auf der ganz grossen Bühne

Von Bruno Bötschi

24.5.2022

ARCHIV – Die russische Sopranistin Anna Netrebko verbeugt sich vor dem Publikum am Ende der Gala zur Saisoneröffnung von Giacomo Puccinis Oper «Tosca» an der Mailänder Scala. Foto: Luca Bruno/AP/dpa
Anna Netrebko ist zurück auf der grossen Bühne: Am Freitag tritt sie an der Scala in Mailand auf.
Bild: Luca Bruno/AP/dpa

Weil sie zu Beginn des Krieges in der Ukraine nicht öffentlich gegen Wladimir Putin Stellung beziehen wollte, wurden mehrere Auftritte von Anna Netrebko abgesagt. Nun kehrt die Operndiva am Freitag in Mailand auf die ganz grosse Bühne zurück.

Von Bruno Bötschi

24.5.2022

Anna Netrebko tritt am kommenden Freitag in der Scala in Mailand auf. Den Liederabend bestreitet die Sopranistin zusammen Elena Maximova.

Damit kehrt die 50-jährige Sängerin schneller als von vielen erwartet auf die ganz grosse Bühne zurück, nachdem sie Ende April bereits an der Oper Monte Carlo in Puccinis «Manon Lescaut» zu sehen war. Dort sprang sie kurzfristig für die erkrankte italienische Sängerin Maria Agresta ein.

In den letzten Wochen und Monaten war die russisch-österreichische Sängerin in die Kritik geraten. Ihr wurde vorgeworfen, sie sei zwar gegen den Krieg in der Ukraine, aber nicht gegen Wladimir Putin. Und sie hätte sich nie eindeutig von ihm distanziert.

Grosse Opernhäuser kehrten den Rücken

In der Folge sagten mehrere grosse Häuser geplante Konzerte von Anna Netrebko ab – unter anderem wurde auch ein Auftritt in Mailand gecancelt, sowie am Opernhaus Zürich und am KKL Luzern. 

Es wird interessant sein, wie die Mailänder Opernfans am Freitagabend auf das Comeback der Operndiva reagieren werden. Bei ihrem bisher letzten Auftritt in der Scala gab es Buhrufe – das war am 7. Dezember 2021 bei Macbeth.

«Damals prostete Anna Netrebko den Buh-Rufer*innen noch zu. Als die Macbeth-Serie aber im Januar zu Ende war, meldete sie sich international für eine Auszeit ab», sagte Musikkritiker Christian Berzins in einem Interview Mitte April mit blue News.

Die prächtige Stimme von Nebtrebko sei schwerer geworden, so Berzins weiter. Und unbeweglicher. «Ihre Technik ist nicht mehr auf der Höhe der ‹besten Sopranistin der Welt›. Das hört man auch auf ihrer letzten CD.»

Netrebko legt ihre Sicht der Dinge dar

Dieser Tage hat sich auch die Star-Sopranistin selbst wieder einmal zu Wort gemeldet. In einem Interview mit der französischen Zeitung «Le Monde» legte sie ihre Sicht der Dinge klar.

«Die Met in New York bestand als erstes Opernhaus darauf, dass ich meine Position klarstelle. Ich wurde gebeten, gegen Wladimir Putin Stellung zu beziehen,» schildert die Sängerin den Konflikt. «Ich antwortete, dass ich einen russischen Pass hätte und Putin immer noch mein Präsident sei, und dass ich das nicht öffentlich aussagen könne. Also weigerte ich mich», so Netrebko weiter.

In der Folge hätte sie sich mit Met-Intendant Peter Gelb darauf geeinigt, dass sie von der Produktion «Turandot» zurücktrete. Danach habe sie Gelb jedoch eigenmächtig auch von den «Don Carlo»-Vorstellungen ausgeladen.

Sie sei schockiert gewesen, so Netrebko, als Peter Gelb in der «New York Times» verlauten lies, sie werde vorerst nicht an die Met zurückkehren. «Wir hatten uns darauf verständigt, einige Zeit vergehen zu lassen und später weiterzusehen.»

Und die Operndiva weiter: «Wir können doch nicht alle meine zukünftigen Verträge kündigen, nur weil die Met urteilt, ich sei zu Putin-nah.» Laut der Zeitung «Le Monde» geht es um die Verträge zwischen Anna Netrebko und der Met bis Mai 2026.


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