Umstrittener ESC-Beitrag «Allemagne Zero Points» – Stefan Raab kann es einfach nicht mehr

Bruno Bötschi

2.3.2025

«Wenn man nicht gewinnen will, braucht man nicht zum ESC hinfahren»: Stefan Raab.
«Wenn man nicht gewinnen will, braucht man nicht zum ESC hinfahren»: Stefan Raab.
Bild: RTL / Raab Entertainment / Willi Weber

15 Jahre nach Lena Meyer-Landrut will Stefan Raab Deutschland wieder einen ESC-Sieg bescheren. Seit gestern ist klar, wer die Mission übernimmt: das Geschwister-Duo Abor & Tynna. Bereits hagelt es landesweit Kritik.

Bruno Bötschi

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • 15 Jahre nach Lena Meyer-Landrut will Stefan Raab Deutschland wieder einmal einen ESC-Sieg bescheren.
  • Ein Duo aus Wien übernimmt mit dem 58-jährigen Entertainer die Mission. Abor & Tynna aus Wien singen deutsch – und verleiten Raab zu einer gewagten Aussage.
  • «Wenn man in Deutschland noch wetten könnte auf ESC-Songs, ich würde all mein Geld darauf setzen, dass dieser Song gewinnt», so Raab.

«Chefsache ESC 2025!» Mit diesen selbstbewussten Worten verkündete Stefan Raab im Oktober 2024, dass er die Geschicke um die deutschen Teilnehmer*innen beim Eurovision Song Contest, kurz ESC, wieder in seine Hände nehmen wolle.

Nichts Geringeres als der dritte deutsche ESC-Sieg nach Nicole 1982 («Ein bisschen Frieden») und Lena Meyer-Landrut 2010 («Satellite») soll es werden – zumindest, wenn es nach den hochtrabenden Träumen des aus dem Vorruhestand zurückgekehrten 58-jährigen Entertainer gehen soll.

Seit gestern Samstagabend steht fest: Das Geschwister-Duo Abor & Tynna aus Wien tritt mit dem Song «Baller» beim diesjährigen ESC in Basel für Deutschland an.

Raab wollte, dass Tynna auf der Bühne ein Cello zerdeppert

Die beiden Geschwister stammen aus einer musikalischen Familie aus Wien. Ihr Vater, Cellist bei den Wiener Philharmonikern, prägte ihre Laufbahn – früh spielten sie klassische Instrumente.

Das Geschwister-Duo Abor & Tynna aus Wien tritt mit dem Song «Baller» beim diesjährigen ESC in Basel für Deutschland an.
Das Geschwister-Duo Abor & Tynna aus Wien tritt mit dem Song «Baller» beim diesjährigen ESC in Basel für Deutschland an.
Bild: RTL

«Baller» allerdings klingt ganz und gar nicht nach Mozart oder Beethoven, sondern ist eine Mischung aus Pop, Hip-Hop und Elektronik.

Schwester Tynna singt, Bruder Abor sitzt am Cello. Bei ihrem Auftritt beim Vorentscheid zerdepperte Tynna als Gimmick auf der Bühne das ehrwürdige Instrument.

Die Idee dazu sei vom Chef höchstpersönlich gekommen, verriet sie. Und bereits da wird klar: Momoll, Stefan Raab ist so was von gestern.

Ansonsten ballert der Song nett und eingänglich, kommt aber leider nie wirklich in die Gänge – und deshalb auch nicht wirklich gut an: «Raab kann es einfach nicht mehr!», motzt die «Bild», derweil «TV-Spielfilm» sicher ist, dass sich Europa wegen des deutschen ESC-Beitrages einmal mehr totlachen wird.

Nicht viel besser ist das Feedback in den sozialen Medien: «Selten so eine schlechte Performance gehört. Kein Ton getroffen, die Ohren tun weh», schreibt ein User.

Eine Frau kritisiert: «Das Lied ist mega schlecht und die Sängerin klingt, wie ich um drei Uhr morgens in einer Karaoke-Bar.» Derweil sich ein User auf Tiktok als Hellseher betätigt: «Das wird der letzte Platz ... mal wieder».

Raab: «Ich wette all mein Geld, dass der Song gewinnt»

Natürlich sieht Grossmaul Stefan Raab alles viel, viel rosiger: «Wenn man in Deutschland noch wetten könnte auf ESC-Songs, ich würde all mein Geld darauf setzen, dass dieser Song gewinnt.»

Kurz vor Ende der gestrigen deutschen ESC-Vorentscheidung platzierte sich der Entertainer dann noch in Anzug und Krawatte zwischen Abor & Tynna.

«Wenn man nicht gewinnen will, braucht man nicht hinfahren», macht er dem Geschwister-Duo klar, worum es ihm persönlich bei seinem ESC-Engagement geht, um danach aber sogleich nachzuschieben: «Oder überrolle ich euch gerade mit meiner Meinung?»

Bleibt die Frage, wer da wenn überrollt hat?

Wie schon bei Raabs televisionären Comeback beim verlorenen Boxkampf gegen Regina Halmich im September 2024 und seinen unsäglichen Crash-Besuchen in einigen RTL-Live-Sendungen vor wenigen Wochen, beweist das ehemalige Tausendsassa nun auch bei der deutschen ESC-Vorentscheidung:

Stefan Raab ist in seiner multimedialen Entwicklung vor mindestens zehn Jahren stecken geblieben.

Oder wie die «Bild» schreibt: «Jetzt steht fest: Wir werden mal wieder keinen Blumentopf gewinnen!»

Oder um im Sprachduktus des ESC zu bleiben: «Allemagne Zero Points», «Deutschland null Punkte.»

Mit Material von DPA.


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