Fremdschämen, Feuershow, schiefe TöneSo verrückt war das erste ESC-Halbfinale
Carlotta Henggeler
13.5.2026
Victoria Swarovski und Michael Ostrowski sind die Hosts des Eurovision Song Contests in Wien.
Keystone
Zwischen feuriger Geige, Dracula-Look und schiefen Tönen: Das erste ESC-Halbfinale in Wien bot spektakuläre Auftritte, peinliche Momente und eine Moderation mit viel Luft nach oben. blue News liefert die fünf wichtigsten Fakten zum Mitreden.
15 Länder kämpften im ersten ESC-Halbfinale um zehn Finaltickets. Weiter sind unter anderem Belgien, Schweden, Finnland und Israel, ausgeschieden sind etwa Portugal und Estland.
Die Hosts Victoria Swarovski und Michael Ostrowski wirkten charmant, aber noch unsicher und holprig.
Für die grössten Highlights sorgten Finnlands brennendes Geigen-Duo und Schwedens aufwendig inszenierter Techno-Auftritt. Weniger gut kamen unter anderem Litauens skurrile Dracula-Performance und Portugals schwacher Gesang an.
Zwei Länder sind ausser Konkurrenz als sogenannte «Big Five» aufgetreten: Für Italien performte Sal Da Vinci den Song «Per sempre si», während Sarah Engels für Deutschland mit «Fire» auf der Bühne stand. Die «Big Five» gelten als grösste Geldgeber des ESC und sind deshalb automatisch für das Finale qualifiziert.
Diese 10 Länder haben es ins Grand Final geschafft
Zugegebenermassen: Wer nach der Show in Basel mit Sandra Studer, Hazel Brugger und Michelle Hunziker übernimmt, hat es schwer. Die Gigashow des Schweizer Trios zu toppen, grenzt beinahe an «Mission Impossible». Die Messlatte liegt extrem hoch.
Dieser Aufgabe haben sich Moderatorin Victoria Swarovski und Schauspieler Michael Ostrowski gestellt.
Zuerst das Positive: Am Charme hat es den beiden nicht gefehlt. Aber: den Witz, den Schalk, das Zusammenspiel der Schweizer Hosts – das ist noch weit weg von ihrer gestrigen Leistung.
Gezeigt hat sich das etwa beim «Noten-Explainer» an der Universität: Swarovski erklärte das ESC-Notensystem – eine ziemlich hölzerne Angelegenheit. Da half auch das Zahnpasta-Lächeln und das enganliegende Glitzer-Outfit wenig, irgendwo zwischen Weihnachtskugel und Disco-Look. Gerade bei solchen humoristischen Einspielern fehlte die Leichtigkeit und Präzision von Hazel Brugger.
Auch Schauspieler Michael Ostrowski merkte man an: Die Theaterbühne und die Filmwelt sind sein Zuhause, die grosse TV-Showbühne ist nicht sein Territorium. Daran ändert auch der abgespacete Look wenig – sollte das ein Disco-Outfit sein? Oder war bereits wieder Fasnacht? Man weiss es nicht …
Das erste Warm-up des österreichischen Duos überzeugt noch nicht. Zu holprig das Zusammenspiel, zu hölzern die Moderationen.
Da gibt es noch viel zu optimieren. Und die Zeit läuft. Am Donnerstag findet das zweite Halbfinale statt – am Samstag das Grand Finale.
Dafür gibts von blue News die Note 4,5 – solide, aber mit noch viel Luft nach oben.
Die Show der Österreicher
Das erste Halbfinale startet mit einem Intro eines schwulen Paares, das sich zusammen die ESC-Jahrzehnte im TV anschaut – bis zum Tod eines der Partner. Zum Schluss sitzt der überlebende Mann alleine am Piano und performt den ESC-Hit «L'amour est bleu» von Vicky Leandros. Und dann stand sie auch da: Sänger-Legende Leandros eröffnete den Abend. Um sie herum steht die ESC-Tänzerbrigade und singt den Evergreen mit. Die Tänzer und Tänzerinnen stehen einfach da und trällern mit – nicht gerade ein Kracher.
Immer wieder versuchen Swarovski und Ostrowski die Menge in der Wiener Stadthalle zu befeuern – um für Stimmung zu sorgen. Das gelingt – so einigermassen.
Immerhin: Das Moderationsduo Swarovski und Ostrowski gab sich sichtbar Mühe, Stimmung zu erzeugen – etwa mit Verkleidungseinlagen im Green Room im grünen Janker oder einer gemeinsamen Nummer mit Australiens Vorjahresteilnehmer Go-Jo zur angelsächsischen Verwechslung von Austria und Australia. Übergrosse Mozartkugel, tanzendes Känguru und der Fantasiestaat «Austrialia» inklusive. Nice.
Das Schweizer Nachrichtenportal «Watson.ch» beschreibt es passend: Österreich hat eine mittelmiserable, altmödelige Show geliefert.
Damit gibt's keine 12 Points – eher so 4. Doch es gibt Hoffnung: Es kann nur noch besser werden.
Diese Acts fielen auf – Spoiler: nicht alle positiv
An musikalischen Feuerwerken mangelt es nicht – auch wenn zwischendurch immer wieder mal ein schiefer Ton zu hören ist. Die Republik Moldau legte mit dem Rap-Song «Viva Moldova!» jedenfalls einen fulminanten Start hin.
Und auch Sarah Engels – ausser Konkurrenz – hat mit ihrem Song «Fire» eine coole Performance hingelegt.
Es gab auch einige Lowlights. Ganz zuoberst: Der skurrile Auftritt von Litauen mit «Sólo quiero más» von Lion Ceccah. Steht da ein verkleideter Dracula auf der Bühne – oder ist es doch Fantomas. Und was bitte soll die Message sein? Keine Ahnung, aber auch egal. Zu arty und bemüht das Ganze.
Ebenfalls zu den Verlierern des Abends zählt die singende Combo aus Portugal. Die Bandidos do Cante lieferten einen stimmlich ziemlich wackligen Auftritt ab – dazu ein Song, der eher zum Einschlafen als zum Mitfiebern einlädt. Sorry, aber das wirkt stark nach «Zero Points» – auch mit noch so viel Hundewelpen-Blick.
Das waren die Highlights
Das brennende Geigen-Duo Linda Lampenius & Pete Parkkonen mit «Liekinheitin» sorgten für ein ESC-Spektakel der Extraklasse. Was für eine hotte Show.
Und Schwedens perfekter Techno-Auftritt von Felicia mit «My System». Sie beweist einmal mehr: In Sachen Performance und Show haben die Schweden einfach die Nase vorn.
Und dann steht plötzlich Sal da Vinci ganz in Weiss auf der Bühne und schmettert «Per sempre si» – ein echter Gänsehautmoment.
Veronica Fusaro tritt am Donnerstagabend, im zweiten Halbfinale an. Die TV-Show startet um 21 Uhr. blue News tickert für dich.
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