Bötschi fragt Thomas Anders«Ach, ich liebe Beatrice Egli über alles, aber...»
Bruno Bötschi
18.11.2025
«Wirklich realisiert, dass ich mit meiner Stimme beim Publikum etwas auslösen kann, habe ich im Teenageralter»: Thomas Anders.
Bild:IMAGO/Nordphoto
Viele Musikfans denken beim Namen Thomas Anders auch heute noch an Modern Talking. Ein Gespräch mit dem 62-Jährigen über Geld, Glück und die Schweiz – und natürlich ist Dieter Bohlen ebenfalls Thema.
Thomas Anders gilt als einer der erfolgreichsten Sänger in Deutschland.
Der 62-Jährige erlangte in den 1980er Jahren mit Dieter Bohlen unter dem Namen Modern Talking weltweit Berühmtheit und verkaufte über 125 Millionen Tonträger.
Doch auch als Solo-Künstler konnte Anders in den letzten Jahrzehnten Erfolge feiern. Jetzt kommt er für ein Konzert in die Schweiz.
«Es wäre mir viel zu anstrengend ein wildes Rockmusikerleben zu führen – oder vielleicht bin ich einfach zu spiessig dafür», offenbart Andres im Gespräch mit blue News.
Thomas Anders, ich stelle Ihnen in den nächsten 30 Minuten möglichst viele Fragen. Und Sie antworten bitte möglichst kurz und schnell. Wenn Ihnen eine Frage nicht passt, können Sie auch einmal «Weiter» sagen.
Das ist alles wunderbar für mich, solange sie mich nicht nach dem aktuellen Stand meines Bankkontos fragen (lacht schallend).
Schwarz oder weiss?
Schwarz.
Beatrice Egli oder Helene Fischer?
Ach, ich liebe Beatrice Egli über alles … aber natürlich mag ich Helene Fischer auch total gern. Müsste ich mich wirklich zwischen beiden entscheiden, würde ich Beatrice Egli und ihr riesengrosses Herz wählen.
Kaffee oder Tee?
Ich bin leidenschaftlicher Teetrinker. Seit kurzem trinke ich hin und wieder aber Kaffee. Wer weiss, vielleicht hat das mit dem Älterwerden zu tun.
Irgendwelche anderen Tipps, um ganz schnell wach zu werden?
Während dem Aufstehen mit dem kleinen Zeh des linken Fusses an der Bettkante hängen bleiben (lacht schallend).
Zum Autor: Bruno Bötschi
Bild: blue News
blue News-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland. Er stellt ihnen ganz viele Fragen – immer direkt, oft lustig und manchmal auch tiefsinnig. Dabei bleibt bis zur allerletzten Frage immer offen, wo das rasante Pingpong hinführt.
Ihre Erklärung, warum Menschen unter der Dusche singen?
Ich verstehe das nicht – aber möglicherweise hilft die Akustik im Badezimmer, dass auch eine schlechtere Stimme plötzlich akzeptabel klingt.
Welche Lieder singen Sie, wenn Sie mit dem Auto im Stau stecken?
Ich singe auch im Auto nicht.
Wann realisierten Sie, dass Sie mit Ihrer Stimme die Menschen berühren können?
Ich war sechs Jahre alt bei meinem ersten Auftritt als Sänger. Wirklich realisiert, dass ich mit meiner Stimme beim Publikum etwas auslösen kann, habe ich im Teenageralter.
Wie hoch ist Ihre Stimme versichert?
Gar nicht.
Am kommenden Donnerstag, 20. November, treten Sie im Kongresshaus in Biel auf: Wie gut kennen Sie die Stadt?
Ich glaube, ich war noch nie in Biel. Aber ich werde mich, wie vor jedem Konzert, noch per Wikipedia schlau machen – allerdings erst einen Tag vor dem Konzert, weil mir sonst mein Gedächtnis einen Strich durch die Rechnung macht.
Die Stadt ist zweisprachig: 45 Prozent der Einwohner*innen sind französischsprachig, die restlichen 55 Prozent deutschsprachig.
Dann kann ich das Publikum also auf Französisch begrüssen. Oder wird mein Publikum hauptsächlich aus Deutschweizern bestehen?
Das weiss ich nicht. Aber am besten sagen Sie «Bonsoir Biel … guten Abend Biel».
Ich denke, dass kriege ich hin.
«Harte Drogen waren mir aber Zeit meines Lebens suspekt. Ich wollte nie abhängig sein von irgendeiner Substanz – und mich deswegen nicht mehr im Griff haben»: Thomas Anders.
Bild:Ben Wolf
Zum 40-Jahr-Jubliäum von Modern Talking haben Sie die ersten sechs Modern-Talking-Alben nochmals neu aufgenommen: Wird das Publikum in Biel einen Teil dieser Neuinpretationen zu hören bekommen – oder werden Sie diese erst auf Ihrer gross angekündigten Deutschland-Tour im nächsten Jahr live präsentieren?
Natürlich werde ich in Biel auch die grossen Hits von Modern Talking singen – ohne geht es ja nicht. Für die Deutschland-Tournee im nächsten Jahr werden die Songs aber neu arrangiert und geprobt. Es wird ein ganz spezielles Erlebnis.
Was war Ihnen bei der Neuinterpretationen besonders wichtig?
Die Songs von Modern Talking wurden analog aufgenommen. Unsere Idee war deshalb, den ikonischen Sound der 1980er Jahre von Hits wie «You’re My Heart, You’re My Soul» mit der heutigen Technik komplett neu zu verpacken und ins Hier und Jetzt zu transportieren.
Ich glaube, das ist uns sehr gut gelungen. Wer die Neuinterpretationen hört, hat das Gefühl, die 1980er Jahre seien zurück – gleichzeitig wirken die Songs modern, da neue Rhythmen und der aktuelle musikalische Zeitgeist deutlich zu hören sind.
Am neuen Modern-Talking-Projekt ist Dieter Bohlen nicht beteiligt: Wieso nicht?
Dieter Bohlen wurde frühzeitig gefragt, ob er mitmachen möchte – aber er wollte nicht. Ich wollte das Projekt trotzdem durchziehen, weil ich es einfach grossartig finden, was wir zusammen mit Modern Talking geschafft haben. Dazu müssen Sie wissen: Die Neuinpretationen war keine Nacht- und Nebelaktion. Wir haben anderthalb Jahre intensiv geplant und umgesetzt.
Wie wird eigentlich seit der Trennung von Modern Talking der Gewinn aus der Musik unter Ihnen und Dieter Bohlen aufgeteilt?
Die Einnahmen wurden schon immer fifty-fifty aufgeteilt – und da gab es übrigens auch noch nie Probleme, weil das alles über die Plattenfirma abgewickelt wird.
Verdient Dieter Bohlen an Ihren Neuinterpretationen der Modern-Talking-Sings jetzt auch mit?
Ja – und zwar als Komponist und Texter, aber nicht mehr als Sänger und Produzent.
Was heisst das in konkreten Prozentzahlen?
Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil ich nicht weiss, was Dieter Bohlen ausgehandelt hat. Was er ganz sicher überwiesen bekommt, sind die Lizenzgebühren von der Gema, also der deutschen Verwertungsgesellschaft für Musikschaffende.
Nervt es Sie, dass Sie mit dem Menschen, mit dem Sie die bisher grössten beruflichen Erfolge feiern konnten, seit Jahren keinen Kontakt mehr haben?
Hmm … nerven tut mich das nicht …
… macht es Sie vielleicht hin und wieder traurig?
Ehrlich gesagt, ich habe mit diesem Kapitel meines Lebens vor einigen Jahren abgeschlossen. Dieter Bohlen und ich sind zwei zu unterschiedliche Menschen. Wir haben nicht die gleiche Wellenlänge – was jedoch nicht heisst, dass ich seine Leistung als Musiker nicht akzeptieren würde.
Irgendwann wurde mir klar: Wir passen nicht zusammen, auch wenn das Schicksal wollte, dass wir gemeinsam internationale Musikgeschichte geschrieben haben. Und unter uns gesagt: Vielleicht fand das Publikum es bis zu einem gewissen Grad sogar spannend, dass wir zwei derart unterschiedlichen Typen sind.
Im März 1985 stand die erste Modern-Talking-Single «You’re My Heart, You’re My Soul» auf Platz eins in Deutschland und wurde ein riesiger Erfolg in ganz Europa. Fühlte sich damals das berühmt sein so lustig und schön an, wie Sie es sich jungen Jahren vorgestellt hatten?
Nein, gar nicht. Es fühlte sich so an, als würde ich mit einem Schnellzug durch einen Tunnel rasen. Kurz nach dem «You’re My Heart, You’re My Soul» in Deutschland in die Charts kam, stieg die Single in Österreich und der Schweiz in der Hitparade ein, gefolgt von Frankreich und das ging immer so weiter.
Wir haben damals ein Jahr lang nur gearbeitet, sind von einer TV-Show zur nächsten getingelt. Und es ging auch nicht lang, da stand die Plattenfirma bereits wieder auf der Matte und meinte, wir müssten möglichst rasch eine zweite Single produzieren.
Hat es Sie schrecklich geärgert, dass Modern Talking – trotz der vielen Hits – vom Feuilleton nicht wirklich ernst genommen wurde?
Geärgert hat es mich nicht, aber ich verstand die Ablehnung nicht.
Die Lieder von Modern Talking sind längst zum Phänomen geworden …
… und deshalb kann ich heute noch gelassener mit der Ablehnung oder sogar dem Hass von gewissen Menschen umgehen.
«Wir passen nicht zusammen, auch wenn das Schicksal wollte, dass wir gemeinsam internationale Musikgeschichte geschrieben haben»: Thomas Anders (links) über seinen ehemaligen Band-Kollegen Dieter Bohlen.
Bild:Keystone
Welches Geheimnis steckt hinter den Modern-Talking-Hits?
Ich muss Sie leider enttäuschen, ich kann Ihnen kein Geheimrezept verraten. Meine Begründung ist die folgende: Vor 20 Jahren holte ich meinen Sohn aus dem Kindergarten ab, als mir auf dem Gehsteig zwei Vierjährige entgegenkamen und den Song «Cheri Cheri Lady» gesungen haben. Das war für mich ein Erweckungsmoment.
Wieso das?
Wenn Kleinkinder die Lieder von Modern Talking mitsingen können, obwohl sie kein Englisch sprechen, können das andere Menschen auf der Welt auch – ganz egal, aus welchem Land oder welcher Kultur sie kommen oder welche Sprache sie sprechen und wie alt sie sind. «Cheri Cheri Lady» ist ein einfacher, aber äusserst prägnanter Song, der weltweit funktioniert.
Oder anders gesagt: Die Modern-Talking-Hits sind Kinderlieder, die als hervorragende Popsongs produziert wurden. Was übrigens auch damit zu tun hat, dass Dieter Bohlen immer viel Zeit und Energie in die Wortwahl investiert hat, fast mehr noch als in die Musik.
Vor einigen Wochen erzählte mir ein Kollege, dass die Südkoreaner*innen riesengrosse Fans von «Modern Talking seien. Es soll in Seoul Karaoke Bars geben, in denen es neben südkoreanischen Liedern nur noch Songs von «Modern Talking» im Angebot gibt …
… davon habe ich auch gehört. Mir kam auch schon zu Ohren, dass es Ähnliches in Japan geben soll. Es ist wirklich so, dass die Lieder von Modern Talking auch nach 40 Jahren noch auf der halben Welt funktionieren. Kürzlich erzählten mir Bekannte, das sie während einer Abenteuerreise durch Nepal in einem kleinen Gemischtwarenladen einkaufen gegangen sind. Und was lag dort auf dem Tresen? Eine Kassette von Modern Talking. Solche Geschichten werden mir immer wieder zugetragen.
Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre bisherigen Schweiz-Besuche?
Es klingt klischeehaft, aber ich liebe die Schweiz. In der Schweiz scheint die Welt noch in Ordnung zu sein, weil alles scheinbar so wohlbehütet und gepflegt ist – Deutsche empfinden das zumindest so. Fahre ich in die Schweiz, bin ich immer im gut gelaunt.
Entertainer Harald Schmidt sagte in einem Interview mit dem «Blick»: «Die Schweiz ist für die Deutschen das unerreichte Ideal.»
Das Gras ist auch in der Schweiz nicht grüner als anderswo. In Bezug auf die Deutschen hat Harald Schmidt mit seiner Aussage aber wahrscheinlich recht.
Nie mit dem Gedanken gespielt, aus steuerlichen Gründen in die Schweiz zu ziehen?
Immer mal wieder – gleichzeitig bin ich ein äusserst heimatverbundener Mensch und lebe gerne dort, wo meine Freunde wohnen. Für mich kommt deshalb ein Umzug in die Schweiz nicht in Frage – auch wenn ich vielleicht weniger Steuern zahlen müsste. Meine Freunde sind mir wichtiger als Geld.
Haben Sie ein besonderes Talent, von dem bis heute noch niemand weiss?
Da muss ich sie leider enttäuschen. Ich kann Ihnen nichts verraten, was nicht schon irgendwann einmal Thema in den Medien gewesen wäre. Ich bin ein Mensch, der total gerne kocht. Aber das ist kein Talent, sondern meine Leidenschaft.
«Dass ist ja das Wunderbare an unserem Beruf: Wir wissen nie, was mit unserem nächsten Song passiert, also wie er beim Publikum ankommen wird»: Thomas Anders
Bild:Ben Wolf
Die bisher riskanteste und mutigste Entscheidung in Ihrem Leben?
Vater zu werden. Du kannst im Vorfeld der Geburt noch so viele Bücher lesen und dich noch so genau informieren, sobald das Kind auf der Welt ist, ist alles komplett anders. Natürlich wollten meine Frau und ich, dass unser Sohn ein guter Mensch wird – wir haben alles dafür gegeben. Eine Familie zu gründen, ist aber in jedem Fall immer auch mit einem Risiko behaftet.
Es geht noch fünf Minuten, bis Sie auf die Bühne müssen: Was tun Sie?
Ich bin ein Mensch, der gerne Quatsch macht und so passiert es hin und wieder, dass ich kurz bevor ich auf die Bühne gehe, meinen Musikern noch einen Witz erzähle.
Welches war bisher der verrückteste Ort, an dem Sie als Sänger bisher aufgetreten sind?
Ich würde sagen, das war ein Open-air-Auftritt in der bolivianische Stadt La Paz. Das Spezielle daran: Die Stadt liegt in den Anden auf 3500 Meter Höhe. Ich musste also während des ganzen Konzerts ständig achtgeben, dass mir die Puste nicht ausgeht.
Was ist das Verrückteste, was Sie je auf einer Bühne getan haben?
Vor vielen Jahren haben ich einmal ein TV-Show moderiert, in der Grace Jones zu Gast war. Kaum stand die Sängerin neben mir auf der Bühne, hat sie mich vor laufender Kamera abgeknutscht. Und als ich noch in Russland aufgetreten bin, ging einmal das gesamte Gepäck mit unseren Kleidern verloren. Ich musste dann in Fellstiefeln auf die Bühne – aber in denen war es derart warm, dass ich irgendwann barfuss performte.
Sie sind seit Jahrzehnten ein erfolgreicher Musiker. Trotzdem sind Sie nie so richtig rockstarmässig durchgedreht oder drogensüchtig geworden.
Drogen haben mich noch nie interessiert. Okay, ich trink gerne ab und an ein Glas Wein. Harte Drogen waren mir aber Zeit meines Lebens suspekt. Ich wollte nie abhängig sein von irgendeiner Substanz – und mich deswegen nicht mehr im Griff haben.
Es wäre mir viel zu anstrengend, ein wildes Rockmusikerleben zu führen – oder vielleicht bin ich einfach zu spiessig dafür. Ungeachtet meiner vielen Reisen durch die halbe Welt, ist die Stadt Koblenz immer mein Lebensmittelpunkt geblieben.
Aber ich weiss aus Erfahrung, dass jeder Mensch anders mit Erfolg umgeht. Ich habe das Glück, dass ich nach einem Konzert nicht in ein Loch falle. Ich trinke vielleicht an der Hotelbar noch ein Glas Wein, aber dann ist es auch gut (lacht).
Was geht in Ihnen vor, wenn Sie heute – im Alter von 62 Jahren – auf Ihr Leben zurückblicken: Sind Sie stolz oder wehmütig?
Wehmütig? Nein, das bin ich nicht. Ich bin vielmehr stolz darauf, wie gut ich diesen ganzen Wahnsinn der letzten 40 Jahre gut überlebt habe – und heute nach wie vor Musik machen kann. Und das durchaus erfolgreich.
Ihr Rezept für ein glückliches Leben?
Man muss sich treu bleiben und immer wieder fragen: Was will ich im Leben noch erreichen? Wenn man dann spürt, dass manches nicht okay ist, sollte man versuchen, dies zu ändern. Wir alle haben nur ein Leben.
Wie heisst es so schön: Ein gesunder Mensch hat 1000 Wünsche, ein Kranker hat nur einen. Ich finde es wichtig, dass man sein Tun immer wieder reflektiert. Das heisst aber nicht, dass man mit Angst durch das Leben gehen soll. Und ganz wichtig ist auch der Respekt gegenüber den Mitmenschen.
Gibt es einen Ort, den Sie noch unbedingt sehen möchten?
Ach, ich reise doch ungern – aber längere Zeit in Japan zu verbringen, das wäre wirklich schön.
Träumen Sie davon, nochmals einen Welthit zu realisieren?
Es wäre schön, wenn es funktionieren würde. Träumen tue ich davon, aber es ist nicht mein Bestreben, dass dies unbedingt nochmals geschehen muss.
Ein Welthit passiert oder er eben auch nicht. Dass ist ja das Wunderbare an unserem Beruf: Wir wissen nie, was mit unserem nächsten Song passiert, also wie er beim Publikum ankommen wird.
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