Niederlagen und FlopsGrosse Namen scheitern am ESC grandios – auch dieser Schweizer Star ging unter
Carlotta Henggeler
14.5.2026
DJ BoBo vertrat die Schweiz beim ESC Contest 2007 in Helsinki mit dem Lied «Vampires Are Alive» – und schiffe ab. «Mein persönliches Ego ist schwerst angeschlagen», sagt der Sänger nach der Show in der SRF Tagesschau.
Screenshot SRF
Der Eurovision Song Contest kennt keine Gnade – auch nicht bei bereits berühmten Kandidat*innen, die eigentlich einen Promibonus haben müssten. In der Geschichte des Events haben sie vor allem eins: verloren.
Auch grosse Stars scheitern regelmässig am Eurovision Song Contest.
Internationale Grössen wie Cliff Richard, Julio Iglesias oder Bonnie Tyler landeten trotz Favoritenrolle nur im Mittelfeld oder knapp hinter dem Sieg. Manche Songs wurden dennoch Welthits, obwohl sie den ESC nicht gewannen.
Die Schweiz erlebte ebenfalls viele Rückschläge, etwa mit DJ BoBo 2007, der bereits im Halbfinal ausschied.
Selbstbewusst, fast schon kämpferisch: «Ich gehe nicht an den ESC, um einen Blumentopf zu gewinnen», sagt Veronica Fusaro im Gespräch mit blue News. Eine Ansage, die provoziert – gerade, weil die Geschichte des Eurovision Song Contests zeigt, wie gnadenlos das ESC-Publikum sein kann.
Selbst grosse Namen wie die Julio Iglesias oder Bonnie Tyler scheiterten grandios. Und andere international bekannte Stars, wie etwa DJ Bobo, hätten sich nach ihrer ESC-Schmach wohl über einen «Blumentopf» gefreut.
Ein Überblick der grössten Niederlagen der grössten Stars.
In diesem Jahr reicht H.P. Baxxter alias Scooter seine ESC-Kandidatur für Deutschland ein. Doch er kassiert eine Abfuhr. Das Publikum schickt Max Mutzke mit «Can't Wait Until Tonight» ins ESC-Abenteuer.
Das Lied wurde übrigens von Stefan Raab für ihn geschrieben. Max Mutzke erreichte beim ESC-Finale den 8. Platz. Die Ukrainerin Ruslana gewann den Wettbewerb 2004 mit ihrer Band und dem Song «Wild Dances» in der Türkei.
2006: Thomas Anders und Vicky Leandros scheitern
2006 ist ein besonderes Jahr für den Eurovision Song Contest: Er feiert sein 50. Jubiläum. Entsprechend gross ist das Interesse prominenter Künstler. In der deutschen Vorentscheidung kämpfen unter anderem Thomas Anders und Vicky Leandros um das Ticket auf die ESC-Bühne. Doch sie müssen sich geschlagen geben.
Die damals noch weniger bekannte Band Texas Lightning macht mit dem Song «No No Never» das Rennen. Die Band erreicht im ESC-Finale Platz 15. Der Sieg geht an die finnische Band Lordi mit ihrem Song «Hard Rock Hallelujah».
2002: Kelly Family müssen sich geschlagen geben
Auch die Kelly Family tritt in der deutschen ESC-Vorentscheidung an. Ihr von Maite Kelly komponierter Song «I Wanna Be Loved» belegt am Ende nur den vierten Platz.
Corinna May holt sich das Ticket für den ESC mit ihrem Song «I Can't Live Without Music». Sie belegt im ESC-Finale Platz 21. Der Sieg geht an Marie N aus Lettland mit ihrem Song «I Wanna».
Diese Stars gingen beim ESC unter – und zwar richtig
Während manche Acts bereits im Vorentscheid scheitern, kommt der Absturz für andere erst auf der grossen Bühne: Diese Stars legten im ESC-Finale eine Bruchlandung hin – eine Auflistung der krassesten ESC-Fails.
1958: Domenico Modugno singt «Nel blu dipinto di blu»
Ein besonders prominentes Beispiel für eine ESC-Schlappe ist «Nel blu dipinto di blu (Volare)» von Italo-Ikone Domenico Modugno: 1958 reichte es nur für Platz 3 – doch der Song wurde weltberühmt und schrieb Musikgeschichte.
Es folgten zahlreiche Coverversionen, darunter ein Mega-Hit der Gipsy Kings. Das Resultat: ein globaler Durchbruch. Als erster ESC-Song erreichte er Platz 1 in den USA und wurde mit zwei Grammys (Record of the Year und Song of the Year) ausgezeichnet.
Und so klingt der Song von Gipsy Kings:
1957: Kein Erfolg für Lys Assia
Lys Assia vertrat die Schweiz beim Eurovision Song Contest 1957 in Frankfurt mit dem französischen Chanson «L'enfant que j'étais». Sie erreichte den 8. Platz von 10 Teilnehmern mit 5 Punkten. Zuvor hatte sie 1956 als erste Gewinnerin den Wettbewerb gewonnen.
Der Sieg geht an die Niederlande, Corry Brokken singt «Net als toen».
1958: Lys Assia singt «Giorgio»
Lys Assia tritt 1958 erneut für die Schweiz beim ESC an und landet mit «Giorgio» auf Platz 2. Zwei Jahre zuvor hatte sie mit «Refrain» die erste Ausgabe des Wettbewerbs gewonnen.
1968: Cliff Richard mit «Congratulations»
Cliff Richard singt für Grossbritannien und erreicht mit «Congratulations» nur den 2. Platz. Der Sieg geht an die Spanierin Massiel mit dem Titel «La la la».
Cliff Richard lag eigentlich lange vorne – bis Spanien in letzter Sekunde vorbeizog. «La la la» gewann, geriet aber schnell in Vergessenheit. «Congratulations» wurde dagegen ein Evergreen.
Später sorgt eine Doku für Wirbel: Diktator Franco soll Stimmen gekauft haben, angeblich gebe es Beweise. Die ESC-Verantwortlichen weisen das zurück und halten am Ergebnis fest – «Congratulations» bleibt dennoch zwölf Wochen auf Platz 2 der Schweizer Single-Hitparade.
Und die Schweiz? Gianni Mascolo landet mit «Guardando il sole» auf Platz 13.
1970: Julio Iglesias trällert «Gwendolyne»
Julio Iglesias landet 1970 für Spanien zwar nur auf Platz 4, doch «Gwendolyne» macht ihn international bekannt.
Kurz darauf folgen Songs auf Japanisch und Deutsch – und bereits 1971 knackt er mit seinen Alben die Millionengrenze.
Der Sieg geht zum ersten Mal im Singwettbewerb an Irland. Dana gewinnt mit «All Kinds of Everything».
Die Schweiz hat in diesem Jahr einen guten Lauf: Henri Dès schafft mit «Retour» den vierten Platz.
1973: Cliff Richard mit «Power to All Our Friends»
Auch in diesem Jahr geht der Brite mit «Power To All Our Friends» als Favorit ins Rennen.
Und auch in dieser Runde schafft es Richard nicht an die Spitze und landet auf dem 3. Rang. Der Sieg geht an die Französin Anne-Marie David, die für Luxemburg singt.
Mit «Je vais me marier, Marie» erreicht Patrick Juvet für die Schweiz den 12. Platz.
1974: Olivia Newton-John mit «Long Live Love»
Die britisch-australische Sängerin und Schauspielerin Olivia Newton-John versucht 1974 ihr Glück. Für Grossbritannien singt sie «Long Live Love» – und landet nur auf Platz vier. Ein eher enttäuschendes Resultat: Zu diesem Zeitpunkt ist sie längst ein Star und stürmt mit Songs wie «Music Makes My Day» die Charts.
Der Sieg geht an Schweden – ABBA machen das Rennen mit «Waterloo». Ein legendärer Auftritt.
Die Schweiz landet mit Piera Martells Song «Mein Ruf nach dir» im Mittelfeld auf Platz 14.
1989: Anna Oxa und Fausto Leali singen «Avrei voluto»
Anna Oxa tritt 1989 gemeinsam mit Fausto Leali für Italien beim ESC an. Beide zählen in Italien zu den grossen Namen der Popmusik, bleiben mit «Avrei voluto» aber hinter den Erwartungen und landen nur auf Platz 9.
Auf Platz 1 landet die jugoslawische Gruppe Riva mit «Rock Me». Die 34. ESC-Ausgabe findet in Lausanne statt, nachdem Céline Dion ein Jahr zuvor für die Schweiz den Sieg geholt hatte.
Für die Schweiz treten 1989 die Furbaz an. Mit «Viver senza tei» – dem ersten und bis heute einzigen rätoromanischen ESC-Song – erreichen sie Platz 13.
1993: Sonia singt «Better the Devil You Know»
Sonia tritt 1993 für Grossbritannien beim ESC an und landet mit «Better the Devil You Know» auf Platz 2. Trotz grosser Erwartungen – sie hatte zuvor mehrere Top-10-Hits in den UK-Charts – muss sich der Popstar knapp geschlagen geben.
Die ESC-Trophäe nimmt in diesem Jahr die Irin Niamh Kavanagh mit ihrem Song «In Your Eyes» mit nach Hause.
Annie Cotton erreicht mit «Moi, tout simplement» 1993 für die Schweiz den dritten Platz (!) und holt 148 Punkte.
2006: Kate Ryan und Las Ketchup scheitern
Kate Ryan ist 2006 bereits ein etablierter Eurodance-Star aus Belgien mit internationalen Hits wie «Désenchantée» und «Libertine», scheitert beim ESC aber überraschend im Halbfinale.
Auch Las Ketchup aus Spanien sind dank ihres Welthits «Aserejé» international bekannt, landen mit «Un Bloody Mary» jedoch nur auf Platz 21.
Die finnischen Maskenrocker Lordi gewinnen mit ihrem Hit «Hardrock Halleluja» überraschend.
Die Schweiz hat mit der Band Six4one und dem Song «If We All Give a Little» weniger Erfolg. Sie landet nur auf Platz 16. Die multikulturelle Gruppe vereint mehrere Nationen – für die Schweiz steht Claudia D’Addio, bekannt aus MusicStar, auf der Bühne.
2007: DJ Bobo geht mit seinen Vampiren unter
DJ BoBo tritt 2007 für die Schweiz beim ESC an und gilt mit «Vampires Are Alive» als Mitfavorit. Am Ende folgt die Bruchlandung: Er scheitert im Halbfinale und kommt nur auf Platz 20.
Der Sieg geht an Serbien: Marija Šerifović gewinnt den ESC mit «Molitva».
2009: Patricia Kaas muss sich geschlagen geben
Patricia Kaas tritt 2009 für Frankreich beim ESC an und bringt mit «Et s’il fallait le faire» viel Starpower auf die Bühne. Die mehrfach ausgezeichnete Chanson-Sängerin mit Millionen verkaufter Alben landet am Ende auf Platz 8. Weit hinter den – hohen – Erwartungen.
An die Spitze schafft es in dieser Ausgabe – die in Moskau stattfindet – der Norweger Alexander Rybak: mit seinem Geigensong «Fairytale».
Die Schweiz schafft es 2009 nicht ins Finale, die Basler Band Lovebugs scheitern mit «The Highest Heights» schon im Halbfinale.
2011: Blue landet im Mittelfeld, Anna Rossinelli auf dem letzten Platz
Blue treten 2011 für Grossbritannien beim ESC an, können die Erwartungen aber nicht erfüllen. Die Boyband, bekannt für Hits wie «All Rise» und Millionen verkaufte Alben, landet mit «I Can» nur auf Platz 11 von 25.
Der Sieg geht an Aserbaidschan mit Ell & Nikki und ihrem Song «Running Scared».
Für die Schweiz endet der Abend enttäuschend: Anna Rossinelli landet mit «In Love for a While» bei nur 13 Punkten und damit auf dem letzten Platz.
2013: Bonnie Tyler weit abgeschlagen
Bonnie Tyler tritt 2013 für Grossbritannien beim ESC an, kann die Erwartungen aber nicht erfüllen. Die Rock-Ikone, bekannt für Welthits wie «Total Eclipse of the Heart», landet mit «Believe in Me» nur auf Platz 19 von 26.
2013 gewinnt Dänemark den Eurovision Song Contest: Emmelie de Forest überzeugt mit «Only Teardrops» und setzt sich klar gegen die Konkurrenz durch. Mit ihrem Mix aus Folk-Elementen und modernem Pop sichert sie ihrem Land einen souveränen ESC-Triumph.
Die Schweizer Heilsarmee-Band «Takasa» verpasst den Einzug in den Grand Final.
2021: Hooverphonic enttäuschen
Die etablierte Band Hooverphonic tritt mit dem Song «The Wrong Place» an – am Ende reichte es nur für Platz 19 im Finale.
Gewonnen hat das Jahr die italienische Rockband Måneskin mit «Zitti e buoni». Der Start einer Weltkarriere für die jungen Römer.
2022: The Rasmus geht für Finnland ins Rennen
Die weltbekannte Rockband, die mit «In The Shadows» bereits einen Welthit landet, tritt mit «Jezebel» an. Am Ende reicht es nur für Platz 21.
Gewonnen hat Kalush Orchestra aus der Ukraine mit «Stefania».
2025: Zoë Më singt «Voyage»
Beim ESC 2025 sorgt der Schweizer Beitrag für Aufsehen: Zoë Më landet mit «Voyage» auf Platz zehn – trotz null Punkten vom Publikum. Auch sie kann die Erwartungen damit nur teilweise erfüllen. Trotz Heimvorteil für Zoë Më – der ESC findet nach Nemos Sieg im Vorjahr in Basel statt – bleibt der grosse Erfolg aus.
Der Wiener Opernsänger JJ gewinnt mit «Wasted Love» – und holt sich mit 436 Punkten klar den Sieg.
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