Grammy-Highlights Kendrick Lamar triumphiert, Bad Bunny schreibt Geschichte – und eine Schweizerin geht leer aus

Noemi Hüsser

2.2.2026

Kendrick Lamar konnte fünf Grammys mit nach Hause nehmen.
Kendrick Lamar konnte fünf Grammys mit nach Hause nehmen.
Keystone

Neben Siegen für Kendrick Lamar und Bad Bunny dominierte Kritik an Trump und ICE die diesjährigen Grammys. Die Schweizerin Manon verpasste mit ihrer K-Pop-Band Katseye den Titel als «Best New Artist».

Noemi Hüsser

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • In der Nacht auf Sonntag fand in Los Angeles die 68. Grammy Awards statt. blue News zeigte die Show live.
  • Kendrick Lamar und Bad Bunny sind die Gewinner des Abends.
  • Die Verleihung war stark politisch aufgeladen, mit deutlicher Kritik vieler Künstler*innen und von Moderator Trevor Noah an US-Präsident Donald Trump und der Einwanderungsbehörde ICE.

Die Gewinner*innen

Die Grammys sind Musikpreise, darum first things first: Kendrick Lamar und Bad Bunny sind die grossen Gewinner des Abends.

Kendrick Lamar gewann den Grammy für das «Best Rap Album» mit seinem Album «GNX» und zusammen mit SZA und dem Lied «Luther» die Auszeichung «Record of the Year». Insgesamt holte Kendrick Lamar fünf Grammys.

Bad Bunny holte mit seinem Album «Debí Tirar Más Fotos» sowohl das «Album of the Year» als auch das «Best Música Urbana Album». Der puertoricanische Sänger und Rapper ist der erste lateinamerikanische Künstler, der diese Auszeichnung in der Geschichte der Grammys gewonnen hat.

Neo-Pop-Sängerin Olivia Dean wurde «Best New Artist». Der «Song of the Year» ging an Billie Eilish mit «Wildflower». Eilish gewann die Auszeichnung als erste Person überhaupt zum dritten Mal.

Die Grammy-Gewinner*innen 2026

  • «Best Rap Album» – Kendrick Lamar mit «GNX»
  • «Best New Artist» – Olivia Dean
  • «Best Música Urbana Album» – Bad Bunny mit «Debí Tirar Más Fotos»
  • «Best Contemporary Country Album» – Jelly Roll mit «Beautifully Broken»
  • «Best Pop Vocal Album» –  Lady Gaga mit «Mayhem»
  • «Best Pop Solo Performance» – Lola Young mit «Messy»
  • «Song of the Year» – Billie Eilish mit «Wildflower»
  • «Lifetime Achievement Award» – Cher
  • «Record of the Year» – Kendrick Lamar und SZA mit «Luther»
  • «Album of the Year» – Bad Bunny mit «Debí Tirar Más Fotos»

Die meisten Grammys wurden bereits vor der Show vergeben. Insgesamt gibt es nämlich 95 Grammy-Kategorien. Kendrick Lamar hat da schon drei Auszeichnungen abgeräumt («Best Rap Song», «Best Melodic Rap Performance» und «Best Rap Performance»). Das Lied «Golden» aus dem Netflix-Film «KPop Demon Hunters» holte den ersten Grammy überhaupt für das Genre K-Pop. Es wurde als «Best Song for Visual Media» ausgezeichnet. Lady Gagas «Abracadabra» erhielt den Grammy als «Best Dance Pop Recording».

Auch der Dalai Lama gewann einen Grammy – für seine Erzählstimme. Er setzte sich mit dem Hörbuch «Meditations: The Reflections of His Holiness the Dalai Lama» durch. Zudem hat Regisseur Steven Spielberg seinen ersten Grammy gewonnen. Er wurde als Produzent für den «Besten Musikfilm» mit «Music for John Williams» ausgezeichnet.

Die Verlierer*innen

Manon Bannerman hätte Schweizer Musikgeschichte schreiben können. Sie war mit der K-Pop-Band Katseye als «Best New Artist» nominiert. Aber eben nur hätte. Gewonnen hat Neo-Soul-Sängerin Olivia Dean. Dafür legte Manon mit Katseye eine energiegeladene Performance ihres Hits «Gnarly» hin.

Grammys 2026 | Auftritt von Katseye

Grammys 2026 | Auftritt von Katseye

Eine Schweizerin auf der grossen Bühne des wichtigstens Musikpreises der Welt. Die Luzernerin Manon Bannerman ist Mitglied von Katseye und begeisterte mit ihrer Performance das Publikum der 68. Grammy Awards.

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K-Pop musste sich auch noch gleich zwei weitere Male geschlagen gehen. Der «Song of the Year» ging weder an den Song «Golden» vom fiktiven K-Pop-Trio Huntr/x aus der Netflix-Serie «KPop Demon Hunters», noch an «APT.» von Bruno Mars und K-Pop-Star Rosé. «APT.» verpasste auch die Auszeichnung als «Record of the Year».

Die ICE-Kritik

Neben der Musik waren die Grammys vor allem von Kritik an US-Präsident Donald Trump und der US-Immigrationsbehörde ICE geprägt.

68. Grammy Awards live auf blue News
© Paramount+

Zum ersten Mal in der Geschichte der Awards war mit Manon von KATSEYE eine Schweizerin in einer der vier Hauptkategorien nominiert. blue News zeigte die Show in der Nacht auf Montag, 2. Februar 2026 live mitverfolgen. Hast du sie verpasst? Hier kannst du sie nachschauen.

blue Zoom zeigt die komplette Preisverleihung am Montag, 2. Februar 2026, ab 20.30 Uhr im Zweikanalton. Kommentiert wird die Show von Comedian Frank Richter und blue-News-Redaktor Roman Müller.

Moderator Trevor Noah hangelte sich von einer Trump-kritischen Pointe zur anderen. Bereits im Eröffnungsmonolog sagte er: «In Amerika trinkt man jedes Mal, wenn man die Nachrichten einschaltet.»

Während Noah zu Beginn noch etwas subtil blieb, tastete er sich über den Abend hin an explizite Kritik ran. «Dies ist mein sechstes und letztes Jahr als Moderator der Grammys. Ich habe meine Zeit geliebt, aber ich glaube an Amtszeitbeschränkungen», sagte Noah in einer weiteren Ansprache. «Ich möchte ihnen ein Beispiel dafür geben, dass man gehen sollte, wenn die Zeit abgelaufen ist. Man weiss nie, wer zusieht.» Den Namen des Präsidenten sprach Noah aber nicht aus.

Klarer wurde er dann doch noch: Nach der Verleihung des Grammys für den besten Song an Billie Eilish sagte Noah, das sei eine Auszeichnung, die jeder wolle – «genau so sehr wie Trump Grönland will. Epsteins Insel ist weg. Er braucht eine neue, um mit Bill Clinton abzuhängen».

Unmissverständlich waren die Musiker*innen, die einen Grammy mit nach Hause nehmen und auf der Bühne ein paar Worte sagen durften. Bad Bunny eröffnete seine Dankesrede mit den Worten: «Bevor ich Gott danke, sage ich: ‹ICE raus›.» Das Publikum erhob sich. «Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Ausserirdischen, wir sind Menschen und wir sind Amerikaner.»

«Best New Artist» Olivia Dean sagte: «Ich möchte sagen, dass ich als Enkelin von Einwanderern hier oben stehe. Ich bin das Ergebnis von Mut, und ich finde, diese Menschen verdienen es, gefeiert zu werden. Ohne einander sind wir nichts.»

Grammys 2026 | Olivia Dean als beste Newcomerin ausgezeichnet

Grammys 2026 | Olivia Dean als beste Newcomerin ausgezeichnet

Die britische Sängerin Olivia Dean ist bei den 68. Grammy-Awards in Los Angeles als beste Newcomerin ausgezeichnet worden.

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Schliesslich nutzte auch Billie Eilish die Möglichkeit auf der Bühne, ICE und Trump zu kritisieren. «Niemand ist illegal auf gestohlenem Land», sagte Eilish. «Wir müssen weiterhin unsere Stimme erheben und protestieren. Unsere Stimmen sind wirklich wichtig.»

ICE-Kritik war auch schon am Nachmittag Thema. R&B-Sängerin Kehlani verfluchte ICE in ihrer Dankesrede für die beste R&B-Performance. Justin Vernon, dessen Band Bon Iver für das beste Alternative-Musik-Album nominiert war, sagte, er habe eine Trillerpfeife getragen, um Aktivisten und Beobachter zu ehren, die das Verhalten der Bundesbeamten auf den Strassen dokumentieren. «Ich denke, Musik existiert aus einem Grund: Sie soll heilen und Menschen zusammenbringen», sagte er der Nachrichtenagentur AP. «Aber die wirkliche Arbeit leisten die Beobachter vor Ort in Minneapolis. Wir wollen sie einfach würdigen.»

Die Auftritte

Auftritte des Abends kamen unter anderem von Sabrina Carpenter, Bruno Mars, Lady Gaga, Justin Bieber oder Tyler the Creator.

Spektakulär waren vor allem die Performances von Lady Gaga und Justin Bieber. Aus gegenteiligen Gründen: Lady Gaga war wie gewohnt extravagant, trug eine Art kaputt gewobenen Lampenschirm auf dem Kopf, während sie zwischen viel Nebel «Abracadabra» performte. Justin Biebers Auftritt war reduziert: Er trat nur in Boxershorts und Socken auf und sang das Lied «Yukon», loopte dazu live Beats und Gitarre. Es war sein erster Auftritt vor einem grossen Publikum seit vier Jahren.

Justin Bieber performte nur in Boxershorts und Socken.
Justin Bieber performte nur in Boxershorts und Socken.
Keystone

Nicht performt hat Bad Bunny – obwohl Moderator Trevor Noah ihn mehrmals auf eine bisschen unangenehme Art dazu überzeugen wollte. Weil er in der Halbzeitshow des Super Bowls auftritt, sei er vertraglich gebunden, in dem Jahr an keiner anderen grossen Veranstaltung aufzutreten, erklärte Bad Bunny aber. Schlussendlich schaffte es Noah dann doch, ein paar Songzeilen aus dem im Publikum sitzenden Bad Bunny rauszuholen.

Ganze 22 Minuten dauerten die «In Memoriam»-Auftritte, die verstorbene Musiker*innen ehren. Post Malone zeigte eine rockige Hommage an Ozzy Osbourne, Lauryn Hill würdigte Roberta Flack und D’Angelo.

Die Momente

Dieses Jahr wirkten die Grammys auf den ersten Blick eher unspektakulär. Und doch gibt es sie jedes Jahr: diese Momente, an die man sich später erinnern wird.

2026 wird es wohl vor allem sein, wie Cher vergass, die Nominierten für den «Record of the Year» anzukündigen – und kurzerhand von der Bühne ging. Moderator Trevor Noah musste sie bitten, wieder zurückzukehren.

Musik & Swisscom

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Als sie schliesslich den Gewinner verkündete, sprach sie von «Luther Vandross». Gemeint waren Kendrick Lamar und SZA, in deren Song «Luther» ein Sample des verstorbenen Luther Vandross zu hören ist.

Oder der Moment, als Bad Bunny den Grammy für das Album des Jahres gewann. Er blieb lange mit den Händen vor den Augen auf seinem Platz sitzen, Tränen in den Augen.

Die Outfits

Für Gesprächsstoff sorgten an den Grammys auch immer die Outfits der Stars. Dieses Jahr war es wieder einmal Heidi Klum, die für Aufmerksamkeit sorgte. Sie trug ein hautfarbenes, enganliegendes Kleid aus glänzendem Material, das wie eine zweite Haut wirkte.

Heidi Klum an den Grammys.
Heidi Klum an den Grammys.
Keystone

Sängerin Chappell Roan zeigte sich zunächst in einem rostfarbenen Umhang, den sie auf dem roten Teppich ablegte – darunter kam ein Kleid zum Vorschein, das nicht über die Schultern, sondern direkt an den Brustwarzen befestigt war.

Und auf dem roten Teppich positionierten sich einige Stars politisch: Unter anderem Justin Bieber, Billie Eilish und Kehlani trugen Pins mit der Aufschrift «ICE Out» (deutsch: «ICE raus»).


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