ESC-Duell der Alpenländer Schweiz gegen Österreich – (auch) abseits der Piste ein klares Rennen

Dominik Müller

17.5.2026

Victoria Swarovski performte während den drei Shows wie ihre Schweizer Vorgängerinnen mehrere Gesangseinlagen.
Victoria Swarovski performte während den drei Shows wie ihre Schweizer Vorgängerinnen mehrere Gesangseinlagen.
Keystone

Österreich hat von der Schweiz übernommen, und schon läuft das bekannte Alpen-Duell ab: vergleichen, sticheln, Punkte zählen. Auf den ESC gemünzt: Wer moderierte besser, Basel oder Wien? Und wer hat es geschafft, aus Glitzer, Klitsch und Folklore den denkwürdigeren Abend zu zaubern? Nicht nur die BBC hat eine klare Meinung.

Lukas Rüttimann

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Österreich richtet nach der Schweiz den ESC 2026 aus.
  • Der Vergleich zwischen Wien und Basel fällt überraschend klar aus.
  • Basel wirkte im Rückblick deutlich souveräner und origineller.
  • Die Moderation aus Wien kam bemüht und blass herüber.
  • Auch viele Pointen zündeten nicht richtig.
  • BBC-Legende Graham Norton kommentierte den Abend  entsprechend bissig.

Kaum beginnt der ESC in Wien, fühlt man sich wieder mittendrin im altbekannten Nationen-Duell. Einfach nicht mit Schnee und Skiern, sondern mit Windmaschinen und Moderationskarten.

Tatsächlich funktioniert die Rivalität zwischen Österreich und der Schweiz seit Jahren, und das längst nicht nur im Ski Alpin. Obwohl die beiden Alpenländer gern von sich behaupten, der Vergleich sei ihnen egal – innerlich führen sie trotzdem Tabelle.

Keine Hazel Brugger in Wien

Österreich eröffnet den Abend standesgemäss mit den Philharmonikern – weil man in Wien offenbar selbst beim ESC daran erinnern möchte, dass Hochkultur zur Grundversorgung gehört.

Die Schweiz war das deutlich lockerer angegangen. Weniger grosse Geste, mehr trockene Selbstironie. Oder anders gesagt: Österreich hat die Philharmoniker. Die Schweiz hatte Hazel Brugger. Und genau dort beginnt der Unterschied.

«Was für ein doofes Spiel»

Während Basel letztes Jahr locker durch den Abend glitt, klammert sich Wien stärker ans Protokoll. Das Moderationsduo Victoria Swarovski und Michael Ostrowski macht seine Sache okay, aber mehr nicht. Das Englisch ist holprig, die Abläufe auch. Und im direkten Vergleich fällt auf, wie stark Basel letztes Jahr mit Hazel Brugger und Sandra Studer auftrat.

Führten mit Witz und Charme durch den ESC in Basel: Hazel Brugger (von links), Michelle Hunziker und Sandra Studer.
Führten mit Witz und Charme durch den ESC in Basel: Hazel Brugger (von links), Michelle Hunziker und Sandra Studer.
Keystone

Denn die Schweizer Moderatorinnen waren nicht bloss Hosts, sondern Teil der eigentlichen Show. Trocken, schnell, absurd, manchmal leicht chaotisch – aber immer mit perfektem Timing. Swarovski und Ostrowski wirken dagegen unsicher, fast ein wenig ängstlich.

Blass und bemüht: Das Moderationsduo Victoria Swarovski und Autor und Schauspieler Michael Ostrowski.
Blass und bemüht: Das Moderationsduo Victoria Swarovski und Autor und Schauspieler Michael Ostrowski.
Imago

Sichtbar etwa beim Running Gag, möglichst viele frühere Siegertitel in die Moderation einzubauen. Die Idee dahinter – gewollt originell. Die Wirkung: eher bemüht.

Auf der BBC kommentiert ESC-Legende Graham Norton den misslungenen Gag trocken: «What a stupid game.» Und auch die Erklärstück-Einspieler mit Swarovski als «Professor ESC» können den bissigen TV-Briten nicht überzeugen – «let's get back to the music please.»

Berge, Berge, Berge

Interessant zudem, wie unterschiedlich sich beide Länder selbst präsentieren. Österreich zeigt Austria, wie man es international erwartet: Panorama, Operetten – und vor allem: verschneite Berge. Sehr viele verschneite Berge. Immer und immer wieder.

Schön anzusehen? Durchaus. Aber auch eher eindimensional.

Die Schweiz dagegen hatte letztes Jahr ein vielseitigeres Bild von sich präsentiert – Cityleben, Seen, Kultur, Kulinarik, eine moderne Schweiz neben der Alpenkulisse.

Wien dagegen streckt dem Publikum über weite Strecken Winterpostkarten entgegen. Und das auch noch mit oft erstaunlich schlechtem Wetter.

Kleine Wackler inklusive

Tatsächlich fragt man sich irgendwann: Wo genau bleibt beim ESC aus Österreich eigentlich der berühmte Wiener Schmäh? Wo sind Mozart, Schwarzenegger oder wenigstens der Herminator, der mit einem Kaiserschmarrn durchs Bild läuft? Zumal der per Videobotschaft eingespielte Billy Joel mit seiner Wiener Familiengeschichte wie ein Fremdkörper wirkt.

Dazu fährt Wien Basel auch technisch hinterher. Beim tschechischen Beitrag friert plötzlich das Bild ein, später läuft ein Steadycam-Operator durchs Bild – definitiv nicht Teil der Choreografie. Solche organisatorischen Wackler hatte Basel letztes Jahr nicht.

Panne bei Tschechien: Die Kamera und der Kameramann sind im Bild zu sehen.
Panne bei Tschechien: Die Kamera und der Kameramann sind im Bild zu sehen.
Screenshot SRF

Oder, um den Ski-Alpin-Vergleich noch einmal auszupacken: Der Schweizer ESC trat letztes Jahr wie Marco Odermatt  auf – souverän, schnell, nahezu fehlerfrei. Wien dagegen wirkt eher wie Manuel Feller: immer nah am Ausfall.

Die Sache mit dem «Copy Paste»

Etwas heikel war der Vergleich bereits vor dem Finale. Der österreichische Intervall-Act im Halbfinale – ein musikalischer Vergleich zwischen Österreich und Australien – erinnerte viele Zuschauer sofort an Basels gefeiertes «Made in Switzerland».

Auf Social Media dauerte es nicht lange, bis Begriffe wie «Copy Paste von der Schweiz» oder «Made in Switzerland von Temu» auftauchten. Ganz aus der Luft gegriffen ist das nicht.

Schweizer Geheimwaffen zündeten

Aber lassen wir die Kirche im Dorf, respektive den Glitzer im Kostüm: Österreich hat beileibe keinen unterirdischen ESC gemacht. Aber im Vergleich mit Basel zieht er den Kürzeren.

Mit Brugger, Studer und Hunziker hatte die Schweiz Geheimwaffen, die gemeinsam eine tolle Dynamik entwickelten. Wien dagegen blieb über weite Strecken blass. Fast so, als würde man dem eigenen Schmäh nicht trauen.

Im Nationenduell geht der Schweizer ESC deshalb im Rückblick als Sieger hervor. Oder, um im Ski Alpin zu bleiben: Basel fuhr Bestzeit – Wien reichte es so knapp in die Punkte.


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