«Peinlicher Regenbogen-Anlass» SVP droht mit Referendum gegen ESC in der Schweiz

Carlotta Henggeler

9.7.2024

Nemo mit ESC-Trophäe bei seinem Sieg in Schweden 2024. 
Nemo mit ESC-Trophäe bei seinem Sieg in Schweden 2024. 
KEYSTONE

Die SVP Bern kündigt an, dass sie gegen den Kredit für den ESC das Referendum ergreifen wird. SVP-Präsident Marcel Dettling hofft, dass andere Sektionen folgen werden. Das hätte weitreichende Folgen.

Carlotta Henggeler

9.7.2024

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der Eurovision Song Contest 2025 wird in der Schweiz stattfinden, und die Städte Zürich, Basel, Genf und Bern/Biel haben sich beworben.
  • Die SVP lehnt den finanziellen Beitrag für den ESC in Bern ab und plant ein Referendum, das die Entscheidung verzögern könnte.
  • Während Zürich und Bern umstritten sind, unterstützen Basel und Genf den ESC, wobei Genf durch bestehende Infrastruktur und Unterstützung Vorteile hat.

Der Countdown für den Eurovision Song Contest 2025 mit der Schweiz als Austragungsort läuft. Im August will die SRG bekannt geben, in welcher Stadt das TV-Spektakel mit Millionenpublikum stattfinden soll.

Schon beworben dafür haben sich: Zürich, Basel, Genf und Bern spannt mit Nemos Heimatstadt Biel zusammen. Diese Standorte haben sich bereit erklärt, den ESC als Austragungsort finanziell zu unterstützen.

Doch nicht alle sind damit happy, es regt sich Widerstand im Lande. Die SVP stänkert gegen den ESC. In Bern hat die Schweizerische Volkspartei angekündigt, das Referendum gegen den gesprochenen Kantonskredit in der Höhe von rund 30 Millionen Franken zu ergreifen, schreibt «Tagesanzeiger».

Das könnte das Aus für Bern als Austragungsort bedeuten. Ganz egal, ob das Volk Ja oder Nein dazu stimmt. Eine Abstimmung wäre aufgrund der langen Berner Fristen erst im nächsten Jahr möglich. Bis dann hat aber die SRG längst entschieden, in welcher Stadt sie die Show mit gut 180 Millionen Zuschauern austragen will, schreibt der «Tagesanzeiger» weiter. 

SVP will Geld statt für den ESC an Unwettergeschädigte auszahlen

Könnte sein, dass der Fall Bern und ESC nicht beim Berner Referendum stecken bleibt. SVP-Präsident Marcel Detting sagt dem «Tagesanzeiger»: «Es ist richtig, dass der Stimmbürger entscheiden kann und nicht einfach die Classe politique diese Geldverschwendung beschliesst.»

Detting doppelt nach: «Das Geld sollte besser den schwer betroffenen Unwettergeschädigten gespendet, statt für diesen peinlichen Regenbogen-Anlass verschwendet werden.»

ESC in Zürich, auch hier gibt's Misstöne

Der Kantonsrat stimmte am Montag dem Beitrag für die ESC-Kandidatur Zürichs mit 105 zu 62 Stimmen bei einer Enthaltung zu.

Die Kritik im Kantonsrat richtete sich sowohl gegen den Anlass selber, als auch gegen den Umstand, dass der Beitrag des Kantons dem gemeinnützigen Fonds entnommen werden soll.

Die SVP bezweifelte, dass es sich beim ESC überhaupt um einen gemeinnützigen Anlass handelt, und lehnte den Beitrag deshalb ab. «Es ist schlicht nicht vereinbar mit den Bedingungen, die für Beiträge aus dem gemeinnützigen Fonds gelten», sagte Elisabeth Pflugshaupt (SVP, Gossau).

Tatsächlich schliessen die Vorgaben unter anderem Beiträge an «Aufführungen, andere Produktionen, Wettbewerbe und Preisverleihungen». Gleichzeitig gibt es aber eine Ausnahmeklausel.

Auch die SP stimmte nur «zähneknirschend» zu, wie Hannah Pfalzgraf (SP, Zürich) sagte. Eigentlich handle es sich um eine Wirtschaftsförderungsmassnahme, die ins ordentliche Budget gehöre.

Teilweise wurde auch der Anlass selber als Grund angeführt, um den Beitrag abzulehnen. So kritisierten verschiedene Rednerinnen und Redner, dass der ESC instrumentalisiert oder für politische Zwecke missbraucht werde. «Im Umfeld des ESC ist Judenhass salonfähig geworden», sagte Hans Egli (EDU, Steinmaur) mit Blick auf die Proteste im schwedischen Malmö gegen die Teilnahme Israels an der diesjährigen Veranstaltung.

Der Stadtzürcher Gemeinderat hat an seiner Sitzung in der vergangenen Woche einem Rahmenkredit von 20 Millionen Franken für die Austragung des Eurovision Song Contest zugestimmt. Auch dort war der Beitrag umstritten.

Basler SVP spricht sich für den ESC aus

In Basel sieht die Situation anders aus. Die Lokale SVP spricht sich für Basel als Austragungsort aus. Präsident Pascal Messerli hat sich für den ESC eingesetzt, auch andere Basler SVP Grossräte sind dafür. «Wir werden als Partei kein Referendum ergreifen», sagt Messerli.

Basel könnte als Austragungsort deshalb Aufwind bekommen. Allerdings ist ja auch Genf noch im Rennen. 

Vieles spricht für Genf als Austragungsort

Die Stadt hat keine schlechten Karten in der Hand. Die SRG besitzt dort schon eine ausgebaute Fernsehstruktur – genauso wie in Zürich. Der Flughafen Genf steht quasi vor der Türe. Und: Die Bürger*innen von Genf sind bereit, 30 Millionen aufzubringen. Bisher hat niemand von einem Referendum gesprochen.


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