Shootingstar der SzeneDieser Popstar bringt Zürich heute zum Ausrasten – aber wer ist sie eigentlich?
Noemi Hüsser
11.8.2025
Chappell Roan an den Grammys 2025. Mit extravaganten Kostümen und auffälligem Make-up sorgt sie auf dem roten Teppich immer wieder für Aufsehen.
Jordan Strauss/Invision/AP/dpa
Die Karriere von Chappell Roan ist in den letzten zwei Jahren explodiert. Wie die 27-jährige Musikerin mit Wurzeln in der Schweiz zum Shootingstar der US-Popmusik wurde – und warum sie polarisiert.
Sie sei die Lieblingskünstlerin aller Lieblingskünstler, verkündet Chappell Roan 2024 beim Musikfestival Coachella. Die Karriere der Musikerin fängt da gerade an, zu explodieren. Noch im selben Jahr gewinnt sie an den MTV Video Music Awards die Auszeichnung als «Best New Artist», wenige Monate später folgt ein Grammy in derselben Kategorie.
Die 27-jährige Chappell Roan ist derzeit der Shootingstar der US-Popmusik. Diesen Sommer geht sie auf Europa-Tour – und macht Halt in der Schweiz. Kayleigh Rose Amstutz, wie Chappell Roan eigentlich heisst, hat Wurzeln hier. Ihr Urgrossvater stammte aus der Schweiz.
Eigentlich muss man Chappell Roan als Performance verstehen, als Drag. Sie ist eine Kunstfigur. Als Chappell Roan spiele sie Verkleiden, sagt Amstutz in Interviews, und das erlaube ihr, sich frei zu fühlen.
Anfang der Musikkarriere auf Youtube
Ihr Leben erzählt sich wie eine queere Coming-of-Age-Geschichte. Sie wächst in einer Stadt in Missouri mit 6500 Einwohner*innen in einem christlich-konservativen Umfeld auf. Dreimal die Woche muss sie in die Kirche, fühlt sich dort aber vor allem fehl am Platz.
Ihre Musikkarriere beginnt sie auf Youtube. Amstutz lädt Covers und eigene Songs hoch und wird im Alter von 17 Jahren von einem Label entdeckt. Zu ihrem Künstlernamen kommt sie durch ihren Grossvater Dennis Chappell und dessen Lieblingslied «The Strawberry Roan».
2019 zieht sie nach Los Angeles, dort soll der Durchbruch gelingen. Sie veröffentlicht ihre ersten Songs und beginnt, offen als queere Frau zu leben. Doch sie bleibt weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit.
Innerhalb weniger Monate wird sie zur Sensation
In der Covid-Pandemie erlebt Roan ihren ersten Rückschlag. Vom Label wird sie fallengelassen, weil sie nicht genügend Einnahmen erzielen würde. Sie zieht zurück zu ihren Eltern nach Missouri, arbeitet dort in einem Drive-in – und denkt, das wäre es gewesen mit der Musik.
Doch sie kehrt zurück. 2023 wird Roan von einem neuen Label angeheuert. Noch im Herbst des gleichen Jahres veröffentlicht sie ihr Debütalbum. Als Vorband der bekannten Popsängerin Olivia Rodrigo erreicht sie anfangs 2024 ein grösseres Publikum. Ihr bereits 2020 veröffentlichter Song «Pink Pony Club» geht nun viral.
Der internationale Durchbruch gelingt. Innerhalb weniger Monate wird Chappell Roan zur Musiksensation. Ihre Auftritte sind extravagant und bunt, ihre Musik experimentell. Oft trägt sie auffälliges Make-up und aufwändige Kostüme.
Im Song «Pink Pony Club» erzählt Roan vom Sehnen nach einem Ort, an dem sie sich selbst sein kann. Und der Song zelebriert, was sich später in ihrer Musik immer wieder findet: queere Identitäten.
Der Titel ihres Debütalbums «The Rise and Fall of a Midwest Princess» klingt etwas wie eine ironische Vorahnung auf ihre Karriere. Denn wie das mit Popstars eben so ist, bringt ihr der Ruhm nicht nur Applaus. In ihrer noch jungen Karriere provoziert sie mehrmals Shitstorms. Im August 2024 bittet sie ihre Fans in einem Tiktok-Video darum, sie auf der Strasse nicht einfach so anzusprechen. Grund: «Ich darf zu creepy Verhaltensweisen Nein sagen», sagt Roan.
In einem Interview mit dem Magazin «Glamour» erklärte sie, dass Fans ihr oft ungefragt traumatische Dinge erzählen würden. «Es gibt diese Illusion, dass Leute dich kennen und dir alles sagen können. Aber ich will das nicht hören – ich muss es verarbeiten und trotzdem auftreten, als hätte ich es nicht gehört.»
Diese Aussagen spalten ihre Fans und lösen in den sozialen Medien eine grössere Diskussion aus: Gehört es zum Leben von Stars dazu, auf der Strasse erkannt und angesprochen zu werden? Oder darf sich Chappell Roan das Recht herausnehmen, sich von genau den Menschen abzugrenzen, die sie überhaupt berühmt machen?
Nach kontroversem Statement folgt ein neuer Hit
Im April 2025 folgt die nächste Kontroverse, als Roan in einem Podcast auftritt. Kinder seien die Hölle, sagt sie da. «Ich kenne keinen einzigen Menschen in meinem Alter, der glücklich ist und Kinder hat.» Nach diesem Statement debattieren die Fans, ob Chappell Roan so was als kinderlose Frau überhaupt sagen dürfe.
Und dann ist da noch die Sache mit der Politik. Im selben Podcast sagt Roan, es könne nicht von ihr erwartet werden, eine politische Meinung zu haben. Sie habe keine Zeit, sich politisch zu bilden. Auch spricht sie sich im Gegensatz zu anderen Stars während den US-Wahlen weder für Donald Trump noch für Kamala Harris aus.
Doch dennoch – und vielleicht gerade, weil Chappell Roan schlussendlich eben eine Kunstfigur ist, die sich leicht von der Künstlerin Kayleigh Rose Amstutz trennen lässt – ist die «Midwest Princess» erfolgreich. Auch ihre neuste Single «The Giver» schlägt ein. Darin wagt sich Roan ins Country-Genre und singt darüber, wie gut sie Frauen befriedigt.
Nun geht es für Chappell Roan also auf Europa-Tour. Und damit «back to the roots». Am 19. August 2025 tritt der Popstar in Zürich im Hallenstadion auf.
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