«Das gewisse Etwas»Darum erschienen vor 40 Jahren gleichzeitig zwei Schweizer Welthits
Bruno Bötschi
13.4.2025
«The Captain of her heart»: Ein Schweizer Welthit wird 40 Jahre alt
Mit dem Song «The Captain of her Heart» wurde die Zürcher Band Double 1985 weltberühmt. Die Ballade schaffte es bis auf Platz 16 der US-Charts. Ein Gespräch mit Sänger Kurt Maloo, der bis heute an seinem Welthit verdient.
20.03.2025
Schweizer Welthits sind ein rares Gut. In diesem Jahr feiern aber gleich zwei Songs made in Switzerland ihr 40-Jahr-Jubiläum. Was war im Jahr 1985 hierzulande los? Und wann erscheint der nächste Schweizer Welthit?
«Die Schweiz ist ein kleiner Fleck auf der musikalischen Weltkarte», sagt Autor und Kabarettist Bänz Friedli.
Nur wenigen helvetischen Musikschaffenden gelang es, sich auch weltweit Gehör zu verschaffen.
Das Jahr 1985 ist so eine Ausnahme. Es ist ein ganz besonderes Jahr für die helvetischen Musikschaffenden.
Vor genau 40 Jahren wurden zwei Welthits made in Switzerland veröffentlicht: «The Captain of Her Heart» von der Zürcher Band Double und «On My Way in LA» von Phil Carmen.
Die Schweiz ist weltweit für vieles bekannt. Das hiesige Musikschaffen gehört leider nicht dazu. Aber wie heisst es so schön: Die Ausnahme bestätigt die Regel.
Das Jahr 1985 ist so eine Ausnahme. 1985 ist ein besonderes Jahr für die hiesigen Musikschaffenden. Damals erscheinen fast gleichzeitig zwei Welthits made in Switzerland.
Die beiden Zürcher Musiker Felix Haug und Kurt Maloo schaffte es unter dem Namen Double mit dem Song «The Captain of her Heart» in über 50 Ländern in die Hitparade.
In der Schweizer Hitparade war «Way»-Song am 4. August 1985 zum ersten Mal rangiert, das «Captain»-Lied folgte knapp zwei Monate später – weitere Länder folgten nach und nach.
Aus den einstigen Hitparadenstürmern sind Longseller geworden: Beide Titel werden bis heute noch eifrig, sprich millionenfach, gestreamt bei Spotify und Co. und von den Radiostationen weltweit gespielt.
Geheimrezept oder Glücksache?
Wie schreibt man einen Welthit? Gibt es dafür ein Geheimrezept oder ist es einfach Glücksache? Einer, der das wissen könnte, ist Bänz Friedli.
Der Autor und Kabarettist schrieb von 1985 bis 2005 als Journalist mit Schwerpunkt Popkultur für Zeitschriften wie «Rolling Stone», «Facts» und «Das Magazin».
Bänz Friedli, Schweizer Welthits sind ein rares Gut. Nur wenigen helvetischen Künstler*innen gelang es bisher, sich weltweit mit ihrer Musik Gehör zu verschaffen. Wieso ist dem so?
Zunächst einmal, ist das völlig normal. Weil die winzige Schweiz sich gern etwas wichtiger nimmt, als sie tatsächlich ist. Der US-Gliedstaat Idaho hat auch nicht mehr Welthits hervorgebracht.
Es gibt zwei Ausnahmen – und interessanterweise feiern beide Songs heuer ihr 40-Jahr-Jubiläum: Das Zürcher Duo Double mit «The Captain of Her Heart» und der Innerschweizer Musiker Phil Carmen mit «On My Way in LA» landeten beide 1985 je einen Welthit. Wieso schafften die das – aber andere Schweizer Musikschaffenden nicht?
Beide trafen den berühmten gemeinsamen Nenner, der es ausmacht, dass ein Lied sich allen einprägt und beinahe allen gefällt. Ein Schlüssel dazu ist die Einfachheit und Zugänglichkeit – für beide gilt aber gleichzeitig, was die Magie eines gelungenen Popsongs ausmacht: dass er eine Art Geheimnis wahrt und also der Formal entspricht, wonach ein Song «mysteriös eingängig» sein soll.
«Hör dir den Song an! Er hat dieses gewisse Etwas, das ihn unsterblich macht»: Bänz Friedli über den «Captain»-Song von den Double-Musikern Felix Haug (rechts) und Kurt Maloo.
Bild:Privat
Zudem entsprachen beide Titel den damals stilprägenden Mainstream-Radiostationen in den USA, die auf die Genres Soft Rock und Adult Comtemporary ausgerichtet waren. Und beide sind heute goldene Oldies.
Oder waren Double und Phil Carmen einfach die Ausnahme, die die Regel bestimmt?
Warum ausgerechnet sie es schafften, liegt zuallererst an den beiden Songs, die wirklich Volltreffer waren. Also am durchaus gelungenen Songwriting. Dass auch Zufall eine Rolle spielte, zeigt allein der Fakt, dass Phil Carmen wie Double dies kein zweites Mal vollbrachten und letztlich «One Hit Wonders» blieben, beziehungsweise «One and a half Hit» – von beiden blieb höchstens noch ein zweiter Song im kollektiven Gedächtnis.
Der «Captain»- und der «Way»-Song werden bis heute millionenfach gestreamt und weltweit von den Radiostationen gespielt. Weisst du, was ihr Erfolgsgeheimnis ist?
Hör dir die Songs an! Sie haben dieses gewisse Etwas, das sie unsterblich macht. Bei Double kommt hinzu, dass sich Peter Zumsteg um die Belange der Band gekümmert hat, der Schweizer Musikmanager von Weltrang schlechthin.
Zumsteg arbeitete auch erfolgreich mit Andreas Vollenweider, Jovanotti, Gianna Nannini und Bob Marley, um nur wenige zu nennen. Zumsteg hat stets dafür gesorgt, dass der «Captain» nicht verramscht wurde, hat also das Erbe gewahrt und sich hochprofessionell um die Urheber- und Verlagsrechte gekümmert.
So liess er nur Coverversionen zu, die der Unsterblichkeit des Originals zuträglich waren, etwa von Wyclef Jean und Randy Crawford. Hier wurde der Erfolg schlicht auch weltklassemässig verwaltet.
«Ein Schlüssel ist seine Einfachheit und Zugänglichkeit»: Bänz Friedli über den «Way»-Song von Phil Carmen. Das Bild zeigt den Musiker bei seinem Auftritt am 8. Juli 1987 am Jazzfestival in Montreux.
Bild:Keystone
So grundsätzlich: Welche Ingredienzien – neben viel Glück – sind nötig, um einen Welthit zu erschaffen?
Eigentlich sind Herkunft, Aussehen und Charisma der Urheberinnen und Urheber egal, es geht einzig um den Song. Der muss ein Volltreffer sein.
Hast du das Gefühl, dass es künftig mehr Welthits made in Switzerland geben wird – die Musik von Priya Ragu wäre doch zum Beispiel wunderbar prädestiniert dazu?
Ja, das wäre sie. Auch Kings Elliot und Evelinn Trouble haben das Zeug dazu. Und man könnte meinen, dank Streaming und direkter Selbstvermarktung auf Social Media sei es leichter geworden für Musikerinnen und Musiker, die nicht aus typischen Pop-Regionen stammen. Alle könnten sich Gehör verschaffen.
Aber das World Wide Web hat die Popmusik nicht demokratisiert. Denn die Algorithmen grosser Plattformen wie Spotify und Apple Music bestrafen knallhart all jene, die nicht aus den USA, England oder Schweden stammen. Einzelne Musikerinnen haben das bereits aufgezeigt, indem sie ihr Profil neu aufgesetzt und als Wohnort San Diego angegeben haben – die Anzahl Streams stieg eklatant.
Gibt es noch andere Künstler*innen aus der Schweiz, denen du eine internationale Karriere respektive in naher Zukunft einen Welthit zutrauen würdest?
Wenngleich das Herkunftsland, wie eben ausgeführt, eine Rolle spielt: Welthits können aus dem Nichts kommen und in einem Schlafzimmer am Laptop erschaffen worden sein. Entscheidend ist die Sprache. Deshalb traue ich der Zürcher Rapperin Lou Kaena, die eine frankoalgerische Mutter hat und daher französisch textet, am ehesten den Sprung ins Ausland zu.
Ginge es allein ums Talent, hätte die Schweiz mit Sina und Kuno Lauener von Züri West in Songwriting und Interpretation zwei Weltstars. Sie haben sich jedoch, indem sie Mundart singen, ihren Markt selbst begrenzt; was sie dafür im Inland umso grösser und unvergleichlicher macht.
Laueners Texte haben die Qualität eines Bob Dylan, eines Randy Newman, eines Lou Reed. Nur sind sie eben nicht englisch verfasst. Deshalb ist «I schänke dir mis Härz» nur ein heimlicher Welthit.
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