Ein Verschwörungstheoretiker kidnappt eine Biotech-CEO, weil er glaubt, sie sei ein Alien – und das Kino lacht, bis es wehtut. In «Bugonia» zerlegt der Regisseur die Paranoia unserer Zeit in einer ebenso absurden wie klugen Komödie.
Erinnern wir uns kurz an die Pandemie: an Chatgruppen voller Querdenker, an Telegram-Kanäle, in denen nicht nur wirre Theorien über Viren kursierten, sondern auch jene, wonach Politiker Reptiloiden in Menschengestalt seien.
Der griechische Regisseur, bekannt für seine absurden Gesellschaftssatiren, verwandelt die Angst vor Verschwörungen in eine rabenschwarze Komödie über Selbsttäuschung und das fragile Verhältnis zur Wahrheit.
Der absurde Film spielt in einem Keller
Der absurde Science-Fiction-Film spielt in einem Keller irgendwo in den USA. Teddy, ein heruntergekommener Imker mit Aluhut-Ambitionen (Jesse Plemons), entführt die erfolgreiche Biotech-CEO Michelle (Emma Stone).
Teddy ist überzeugt, sie sei ein Alien, das die Menschheit auslöschen will. Gemeinsam mit seinem Cousin Don rasiert er ihr den Kopf – schliesslich hat er im Internet gelesen, dass Ausserirdische über ihre Haare miteinander kommunizieren und versucht, sie zu einem Geständnis zu zwingen.
«Bugonia»: Name bezeichnet Bienen-Aberglaube
Lanthimos inszeniert diesen Irrsinn als bitterböses Wortduell zweier Figuren, die sich gegenseitig an die Grenzen treiben. Michelle reagiert auf die wirren Vorwürfe mit kühler, inhaltsloser Rhetorik einer Konzernchefin: «Ich höre, woher Sie kommen, und stimme respektvoll nicht zu.»
Ihre Floskeln aus der Managementwelt perlen an Teddy ab wie Honig am Wachs, während er immer tiefer in seinen Wahn abgleitet und seinen gutmütigen Cousin mit sich reisst.
Das groteske Finale wirkt wie eine Reinigung
Das groteske Finale, das mit einem selbstentlarvenden Lachen im Kinosaal endet, wirkt wie eine Reinigung der eigenen Seele:
Der Film gibt zwar keine Antworten, sondern hält dem Publikum den Spiegel hin. Welche Geschichten glauben wir und welche prüfen wir lieber nicht?
Beim bitterbösen Wortduell treiben sich die Figuren gegenseitig an die Grenzen.
Bild:AP
Der Titel «Bugonia» stammt übrigens aus der Antike: Der Begriff bezeichnet den alten Aberglauben, dass aus dem Kadaver eines Stiers Bienen entstehen könnten. Passender könnte der Name für diesen Film kaum sein.
«Bugonia» ist eine englischsprachige Neuinterpretation des südkoreanischen Kultfilms Save the Green Planet! (2003). Der Film feierte am Filmfestival von Venedig die Premiere.
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