African Fashion Night: «Die Muster stehen für die Arme und Ellbogen der Menschen, die verstümmelt wurden»
Afrikanisches Design ist 2025 so spannend wie nie. Das zeigte die African Fashion Night in Zürich eindrucksvoll. blue News war vor Ort, hat mit Designer*innen gesprochen – und bietet dir einen exklusiven Blick hinter die Kulissen.
26.05.2025
Afrikanisches Design ist 2025 so spannend wie nie. Das zeigte die African Fashion Night in Zürich eindrucksvoll. blue News war vor Ort, hat mit Designer*innen gesprochen – und bietet dir einen exklusiven Blick hinter die Kulissen.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Bei der African Fashion Night in Zürich zeigten Designer*innen aus verschiedenen afrikanischen Ländern ihre Vielfalt.
- Afrikanische Mode ist nicht auf bunte Prints beschränkt – sie reicht von Streetwear bis Avantgarde.
- Afrikanische Mode ist keine Kopie, sondern eine führende Kraft mit globalem Einfluss.
- Nachhaltigkeit ist in der afrikanischen Mode keine Modeerscheinung – sie ist gelebte Tradition, verwurzelt in Handwerk, Zero Waste und Upcycling.
Afrikanische Mode ist längst mehr als ein kurzlebiger Hype. Das zeigen nicht nur die zahlreichen Fashion Weeks auf dem afrikanischen Kontinent, sondern auch Events in Europa – von Paris bis Zürich. Letzteres war jüngst Schauplatz der African Fashion Night im Kunsthaus Zürich. Bereits zum sechsten Mal fand der Event statt – und wächst rasant: Allein die Zahl der Models hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt.
Vielfalt aus 54 Ländern
Mit dabei waren dieses Jahr Labels wie Urban Zulu, Jermaine Bleu, Flamingo Handmade, Shayo und Fashionaid, angereist aus Südafrika, Ghana, Kenia und Nigeria. Sie trafen auf lokal ansässige Designer*innen wie Kenu Boutique oder Inside Upcycling Couture – und lieferten eine Modenschau, die so bunt und vielseitig war wie der afrikanische Kontinent selbst.
Wer afrikanische Mode allein mit Ankara-Stoffen, Kente oder Waxprints gleichsetzt, greift zu kurz. Afrika umfasst 54 Länder, unzählige Kulturen, Textiltraditionen und ästhetische Handschriften – von der Kaftan-Kultur in Marokko bis zur urbanen Streetwear aus Lagos. Inzwischen sind Designer wie Imane Ayissi oder Thebe Magugu fester Bestandteil der internationalen Luxusmode und zeigen ihre Kollektionen auf der Pariser Fashion Week. Afrikanisches Modedesign ist global anschlussfähig – und längst stilprägend.
Wenn Mode Geschichte schreibt
Doch afrikanische Mode ist nicht nur ästhetisch, sondern auch politisch aufgeladen. Papy, Designer von Urban Zulu, erklärt etwa: «Diese Muster repräsentieren mein Erbe aus dem Kongo – sie stehen für die Arme und Ellbogen der Menschen, die verstümmelt wurden.»
Er spielt damit auf die brutale Kolonialgeschichte des Kongo an: Zwischen 1885 und 1908 verstümmelten Truppen des belgischen Königs Leopold II Tausende Menschen, wenn sie ihre Kautschuk-Quote nicht erfüllten. Diese Wunden macht Urban Zulu sichtbar – und schafft daraus eine starke, visuelle Erinnerungskultur.
«Wir feiern, was wir heute sind – ohne zu vergessen, woher wir kommen», so Papy im Gespräch mit blue News.
Nnamdi Eronini, Designer des Labels Shayo, entwirft T-Shirts mit Symbolen der antiken afrikanischen Schrift Nsibidi. «Es sind kraftvolle Worte mit starker Bedeutung», erklärt er blue News. Begriffe wie «Unity», «Peace», «Wisdom» oder «Strength» zieren die Rückseiten seiner Entwürfe.
Afrikanische Mode erzählt Geschichten von Identität, Empowerment und Widerstand, ohne dabei belehrend zu wirken. Viele Designer*innen setzen sich mit Kolonialgeschichte, kultureller Aneignung und Genderrollen auseinander – und übersetzen sie in Stoff, Schnitt und Symbolik.
Nachhaltigkeit als DNA
Während europäische Labels 2025 mit Hochdruck an einem nachhaltigen Image arbeiten – und ein Modeunternehmen ohne Nachhaltigkeitskonzept kaum noch tragfähig erscheint – ist Nachhaltigkeit in afrikanischer Mode kein Marketing-Claim, sondern gelebte Realität.
Ob lokale Rohstoffe, handwerkliche Fertigung, Zero Waste oder Upcycling: Diese Prinzipien sind nicht neu, sondern tief verwurzelt in den Produktionsweisen afrikanischer Designer*innen. Nachhaltigkeit ist hier Tradition – keine Strategie.
Eine stilprägende Kraft
Afrikanische Mode folgt nicht – sie führt. Mehr denn je, in einer Zeit, in der sich die internationale Modebranche neu erfinden muss.
Schau dir das blue News-Video oben an und lass dich vom afrikanischen Stil inspirieren. Die Designer*innen erzählen, warum afrikanische Mode heute als Luxus gilt – und welche Geschichten sie mit ihrem Stil vermitteln möchten.
Video aus dem Ressort:
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