Statt Glamour nur Skandale Das Chaos bei Miss Universe hört und hört nicht auf

Noemi Hüsser

27.11.2025

Während der Sieg der mexikanischen Kandidatin Fátima Bosch in ihrer Heimat auf Titelblättern gefeiert wird, gerät der Miss-Universe-Wettbewerb immer stärker in die Kritik.
Während der Sieg der mexikanischen Kandidatin Fátima Bosch in ihrer Heimat auf Titelblättern gefeiert wird, gerät der Miss-Universe-Wettbewerb immer stärker in die Kritik.
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Eine Woche nach der Krönung der neuen Miss Universe Fátima Bosch ist vom Glanz des Wettbewerbs wenig übrig. Rücktritte, Manipulationsvorwürfe und ein Haftbefehl stürzen die Organisation in eine Krise.

Noemi Hüsser

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Bei der Miss-Universe-Wahl 2025 jagte ein Skandal den nächsten – Rücktritte, Manipulationsvorwürfe und interne Konflikte erschüttern den Ruf des Wettbewerbs.
  • Gegen Miteigentümerin Jakapong Jakrajutatip wurde ein Haftbefehl wegen Betrugs erlassen, während gegen Präsident Raúl Rocha wegen organisierter Kriminalität ermittelt wird.
  • Mehrere Teilnehmerinnen berichten von schlechten Bedingungen, unfairer Behandlung und systemischer Bevorzugung.
  • Die Miss Estland und die Miss Elfenbeinküste gaben sogar ihre Titel zurück.

Eine Woche ist es her, seit Fátima Bosch in Thailand zur neuen Miss Universe gekrönt wurde. Doch kaum war die Krone auf ihrem Kopf, wurde ihr Triumph von einem langen Schatten zahlreicher Kontroversen verschluckt. Der Schönheitswettbewerb wurde zur Bühne eines Dramas, auf der ein Skandal den nächsten jagte.

Da war zuerst der Direktor von Miss Universe Thailand, der die spätere Gewinnerin vor laufender Kamera als «dumm» bezeichnete. Kurz vor dem Finale traten zudem zwei Juroren zurück. Einer davon erklärte, der Wettbewerb sei manipuliert und die Finalistinnen stünden bereits fest. Und die Miss Jamaica stürzte während einer Vorrunde so heftig, dass sie ins Spital gebracht werden musste.

Auch heute, eine Woche nach Boschs Wahl zur Miss Universe, reissen die Kontroversen nicht ab. Im Gegenteil. Am Mittwoch wurde ein Haftbefehl gegen Jakapong «Anne» Jakrajutatip, eine der Miteigentümerinnen von Miss Universe, erlassen. Wie das britische Newsportal «The Independent» berichtet, war sie bereits 2023 wegen Betrugs festgenommen und gegen Kaution freigelassen worden, erschien jedoch am Dienstag nicht vor Gericht.

Jakrajutatip soll versucht haben, einen plastischen Chirurgen davon zu überzeugen, in ihr Unternehmen zu investieren. Angeblich habe sie aber gewusst, dass sie die vereinbarte Rückzahlung nicht fristgerecht leisten konnte.

Nach Angaben von «The Independent» legte Jakrajutatip ihre Funktionen im Unternehmen im Juni nieder. Ihr Aufenthaltsort ist derzeit unbekannt, und auch bei der Miss-Universe-Wahl in Bangkok blieb sie fern. Sie ist aber weiterhin die grösste Anteilseignerin der Organisation.

«Die Wahrheit wird eines Tages ans Licht kommen»

Mehrere Kandidatinnen äusserten sich mittlerweile auf Instagram zum Wettbewerb. Miss Portugal schrieb, sie fühle sich «nicht mehr von den Prinzipien vertreten, für die sich die Miss-Universe-Organisation entschieden hat.» Die Miss Ecuador sagte in einem Video, dass «nicht alle die gleichen Chancen hatten» und die Wahrheit eines Tages ans Licht kommen werde.

Melissa Queenie Sapini, die Miss Haiti, erzählte der amerikanischen Zeitschrift «People», dass sie und die anderen Kandidatinnen während des Wettbewerbs «durch die Hölle gegangen seien». So erzählte sie zum Beispiel, dass viele der Kandidatinnen mit Grippesymptomen oder einer Lebensmittelvergiftung krank geworden seien und teilweise sogar ins Spital mussten. Die Leitung von Miss Universe habe sich aber kaum um sie gekümmert.

Miss Haiti Melissa Queenie Sapini während der Miss-Universe-Wahl in Bangkok – sie sagte später, sie sei «durch die Hölle gegangen». 
Miss Haiti Melissa Queenie Sapini während der Miss-Universe-Wahl in Bangkok – sie sagte später, sie sei «durch die Hölle gegangen». 
Keystone

Nach dem Rücktritt der Juroren erwog Sapini gemeinsam mit anderen, den Wettbewerb zu verlassen. «Ich habe so viel dafür gegeben, und nun brach alles zusammen», sagte sie dem Magazin.

Gegenüber dem Newsportal «Parade» wählte sie noch klarere Worte und sprach von einem «Albtraum». «Hinter den Kulissen lief etwas grundlegend falsch. Wir haben es gespürt. Wir haben es gesehen. Wir haben es erlebt», sagte sie weiter. Ihre Vorwürfe: «Ein manipuliertes Abstimmungssystem. Richter, die persönliche Beziehungen zu den Teilnehmerinnen haben. Offensichtliche Bevorzugung bestimmter Teilnehmer aufgrund ihrer Hautfarbe.»

Auch die Miss Irland sprach mit dem Magazin «People». Sie beschrieb ihre Zeit in Thailand als «eine Lernerfahrung». Sie glaubt, dass die Miss-Universe-Organisation die Skandale während des Wettbewerbs hochgespielt hat, um Aufmerksamkeit auf die Sendung zu lenken. «Das war insgesamt nur eine Medienkampagne», sagte sie. An einer Miss-Universe-Wahl wolle sie zukünftig nicht mehr teilnehmen.

Einige Kandidatinnen gaben sogar ihren Titel ab

Manche Kandidatinnen gingen noch weiter. Brigitta Schaback, die Miss Estland, trat sogar von ihrem Titel zurück: «Meine Werte und meine Arbeitsethik stimmen nicht mit denen der Nationaldirektion überein», schrieb sie auf Instagram. «Ich setze mich für die Stärkung und Gleichstellung von Frauen ein und werde diese Arbeit unabhängig und ohne weitere Verbindung zu Miss Universe Estland fortsetzen.»

Gegenüber «People» äusserte die Miss-Estland-Organisation, dass es keine persönlichen Konflikte gegeben habe, Brigitta Schaback aber unangemessene öffentliche Aussagen gemacht habe. Was genau sie gesagt haben soll, lässt die Miss-Estland-Organisation offen.

Einen Tag später trat auch Olivia Yacé, Miss Elfenbeinküste, zurück. «Ich muss meinen Werten treu bleiben: Respekt, Würde, Exzellenz und Chancengleichheit sind die stärksten Säulen, die mich leiten», schrieb sie auf Instagram. Sie werde sich auch von «jeder zukünftigen Verbindung mit dem Miss-Universe-Komitee» zurückziehen.

Ob die beiden Rücktritte konkret mit den erhobenen Vorwürfen in Verbindung stehen, ist unklar.

Der Präsident von Miss Universe will seine Anteile verkaufen

Das geht auch an den anderen Eigentümern von Miss Universe nicht einfach so vorbei: In einem Interview sagte der mexikanische Unternehmer und Präsident von Miss Universe, Raúl Rocha, dass er seine Anteile an der Organisation verkaufen wolle. «Ich habe einfach die Nase voll. Ich habe die ganze Diskussion satt. Ich mache bei so etwas nicht mit», begründete er.

Am Mittwoch teilte die mexikanische Staatsanwaltschaft mit, dass gegen Rocha wegen mutmasslichen Drogen- und Waffenhandels sowie Kraftstoffdiebstahls ermittelt. Es gibt auch Vorwürfe, dass er mit dem Vater der Gewinnerin Fátima Bosch geschäftliche Beziehungen gepflegt haben soll.

Die Miss-Universe-Organisation äusserte sich bisher nur zurückhaltend zu all den Vorwürfen. In einem Statement zu den Manipulationsvorwürfen des zurückgetretenen Jurors schrieb sie: «Alle Wettbewerbsbewertungen erfolgen nach den festgelegten, transparenten und überwachten Protokollen.»

Schliesslich bleibt von der Miss-Universe-Wahl in diesem Jahr weniger glamouröses Funkeln als ein schillerndes Bild des Zerfalls.


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