20.02.2014 - 16:46, aktualisiert: 22.02.2014 - 00:00, sda awp multimedia

Cornelia Boesch: «Ich bin keine Rampensau»

Cornelia Boesch im Gespräch: Wortgewandt und humorvoll.
Bild: sda awp multimedia

 

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Sie hat den Soul in der Stimme: Tagesschaumoderatorin Cornelia Boesch besticht nicht nur im Studio, sondern auch auf der Bühne. Warum sie dennoch nicht umsattelt, erzählt die 38-Jährige im Gespräch mit Bluewin.

Bluewin: Cornelia Boesch, Sie haben vor fast zwanzig Jahren beim Radio Zürisee Ihre Journalistenkarriere gestartet. Was blieb besonders hängen?

Cornelia Boesch: Was, bin ich schon so alt? (lacht). Nein, im Ernst: 9/11 ist sicher so ein einschlagendes Weltereignis. Da erinnere ich mich an jedes einzelne Detail. 

Wie haben Sie den Tag erlebt?

Ich war in den Bergen wandern – ohne Handyempfang. Als ich gegen Abend in die Zivilisation zurückkehrte, fiel ich aus allen Wolken. Es war eine Weltuntergangsstimmung. Viele glaubten, der 3. Weltkrieg breche aus. Damals arbeitete ich noch beim Radio. Die Wochen danach waren natürlich sehr arbeitsintensiv.

Sie sind seit sechs Jahren Mutter. Hat das Ihren Blickwinkel auf die Welt beeinflusst?

Ja, sicher. Bilder und News von leidenden Kindern ertrage ich fast nicht mehr. Mir wird jeweils bewusst, wie glücklich wir uns hier schätzen können. Unsere Kinder wachsen hier in einer „heilen“ Welt auf. Andere Knirpse sind hingegen einfach am falschen Ort.

Sie werden als Moderatorin oft mit solchen Bildern konfrontiert. Wie gehen Sie damit um?

Mit der Zeit habe ich Schutzmechanismen aufgebaut. Ich kann nicht alles an mich heran kommen lassen. Dennoch ist es wichtig, sich emotional auf die Geschehnisse einzulassen. Sonst wird man abgebrüht und zynisch. Es ist also ein ständiges Abwägen… Zum Glück haben wir ein sehr gutes Team.

Sie sind nun seit über zwei Jahren Moderatorin bei der Tagesschau Hauptausgabe. Hand aufs Herz: Inwieweit hat Ihre attraktive Erscheinung zum Karrieresprung verholfen?

Das kann ich selber nicht beurteilen (lacht). Ich stieg als Nachteule beim SRF ein. Damals las ich im dunklen Kämmerchen die Nachtausgaben der Tagesschau. Als 10-vor-10-Moderatorin Susanne Wille schwanger wurde, übernahm ich ihren Platz. Und von dort ging es weiter zur Tagesschau. Ich habe meine Karriere nie so geplant. Ich war einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.

Was war der peinlichste Patzer vor der Kamera?

(Überlegt). Ich bin keine exakte Ableserin sondern benutze den Telepromter eher als Spickzettel. Daher verliere ich manchmal den Faden und weiss den exakten Wortlaut nicht mehr. Und ab und zu höre ich meinen Bauch laut knurren. Aber bisher war mir nichts so peinlich, dass ich mich nicht mehr davon erholt hätte. Und Zuschauer verzeihen gerne, wenn es kleine Fehler sind.

Schon?

Ja, es macht uns Moderatoren offenbar menschlich. Ich glaube, Zuschauer wollen keine Maschinen.

Sie stehen nicht nur in der Tagesschau im Schweinwerferlicht sondern auch auf der Bühne – als Sängerin der Band „Souljam“. Brauchen Sie die Aufmerksamkeit?

Nein. Sowohl bei der Band wie auch bei der Tagesschau stehe ich nicht persönlich im Mittelpunkt. Bei „Souljam“ bin ich Backgroundsängerin. Und die Nachrichten drehen sich ums Weltgeschehen. Dazu kommt: Mit „Souljam“ spielen wir vor kleinem Publikum. Wir füllen keine Hallenstadien.

Bei der Tagesschau haben Sie immerhin ein Millionen-Publikum.

Ja, aber es fühlt sich nicht so an. Im Studio ist eine intime Stimmung – mit mir und zwei Kameramänner / oder Frauen und einem Prompter. Wenn ich das Publikum real sehen würde, hätte ich vermutlich mehr Mühe. Ich bin keine Rampensau, welche die Massen unterhält und gerne ihr Inneres gegen Aussen trägt.

Zurück zur Musik. Was fasziniert Sie daran?

Es ist mein Ausgleich. In unserer Band geht es nicht primär um Leistung. Es geht um die Freude an der Musik mit guten Freunden. Da bin ich nicht Mutter und nicht SRF-Angestellte. Da bin ich Connie und eine von elf Bandmitgliedern. Den andern ist es völlig egal, was ich für einen Job habe.

Seit kurzem spielt Ihr Mann Thomas Wild in der gleichen Band. Gibt es da keine Reibereien?

Nein. Dafür ist er viel zu locker! Eher im Gegenteil: Es ist sogar schön, die Freizeit gemeinsam zu verbringen. Und zudem ist er eine unglaubliche Bereicherung für die Gruppe.

Warum?

Wir waren auf der Suche nach einem Schlagzeuger und da sprang Thomas ein. Er ist ein begnadeter Drummer. Er spielte jahrelang als Profi bei Polo Hofers Schmetterband.

Wäre eine professionelle Musikkarriere auch etwas für Sie?

Nein. Andere sind viel talentierter als ich. Einen Traum habe ich indes schon. Ich würde gerne in einer Big Band – im Stil von Pepe Lienhard – singen. 

Musik, Moderieren, Familie: Bringen Sie immer alles unter einen Hut?

Es braucht einen grossen Hut. Von Zeit zu Zeit muss man ihn ausdehnen und ausreizen. Zum Glück habe ich mit Thömu einen Partner, der mich voll und ganz unterstützt.

Cornelia Boesch in Zahlen
Bild zum Artikel


Bild: Eliane Buck

Cornelia Boesch in Liedern

Der Entspannungssong?

Hothouse Flowers – Sweet Mary

Der Klassiker?

Dusty Springfield - Son Of A Preacher Man

Der Verleider?

Alle Eintagsfliegen aus dem Internet.

Das Liebeslied?

Storyville - Cynical

Die Stimmungsbombe?

Supergrass - Alright

Der Evergreen?

Linda Lyndell – What A Man

Der Schweizer Hit?

Min King - Am Bluemewäg

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