«Goodbye Deutschland»-Paar Deutsche Theologie-Studentin bekommt Baby mit Ex-Häftling aus den USA

Carlotta Henggeler

9.11.2025

Haben sich über eine Brieffreundschaft gefunden: TV-Auswandererpaar Rebecca und Kory mit ihrem Baby. 
Haben sich über eine Brieffreundschaft gefunden: TV-Auswandererpaar Rebecca und Kory mit ihrem Baby. 
Vox

Sie wirken wie das sympathische junge Pärchen von nebenan, das sich aufs erste Kind freut. Doch hinter «Goodbye Deutschland»-Auswanderin Rebecca Brock und ihrem US-amerikanischen Ehemann Kory liegt eine bewegte Geschichte. Die VOX-Dokusoap porträtierte den Ex-Sträfling und seine Liebste.

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  • Die «Goodbye Deutschland»-Teilnehmer Rebecca und Kory fanden über eine Brieffreundschaft zueinander, obwohl Kory zu diesem Zeitpunkt wegen Raubüberfalls im Gefängnis sass.
  • Beide hatten schwere persönliche Krisen hinter sich und schöpften im christlichen Glauben neuen Halt.
  • Trotz finanzieller Schwierigkeiten und ungeplanter Schwangerschaft meisterten sie gemeinsam den Start ins Familienleben und warnen heute vor der Verklärung von Gefängnisbeziehungen.

Nein, geplant sei das Baby nicht gewesen, gab die im sechsten Monat schwangere «Goodbye Deutschland»-Auswanderin Rebecca Brock (26) in der neuen Folge der VOX-Dokusoap «Goodbye Deutschland» lächelnd zu.

Denn erst vor einem halben Jahr war ihr Mann Kory nach zwölf Jahren aus dem Gefängnis entlassen worden, das Zusammenleben war noch neu für sie. Dementsprechend überfordert hatte sich Rebecca auch zunächst gefühlt, als sie von der Schwangerschaft erfahren hatte. Mittlerweile aber überwog die Freude über ihre kleine Tochter.

Gott habe es so vorgesehen, dass sie früher als gedacht Eltern wurden, davon war ihr Mann Kory (33) überzeugt. Der Glaube spielte in der Ehe der Brocks eine grosse Rolle – nicht zuletzt, weil er beiden aus extremen Krisen herausgeholfen hatte. Trotz einer behüteten Kindheit in einer Baptistenfamilie war Rebecca in ihrer Jugend in die Drogenszene abgerutscht, hatte sich selbst verletzt und zwischenzeitlich nicht mehr leben wollen. Eine Vergewaltigung hatte die damals 16-Jährige völlig aus der Bahn geworfen.

Doch dann, so erzählte sie mit Tränen in den Augen, sei Gott gekommen und habe ihr gesagt: «Du bist gut. Und du bist wertvoll und du bist geliebt und du bist wichtig.» Das hatte ihr geholfen, clean zu werden und ein Theologiestudium aufzunehmen.

Weg vom Hass, hin zum Glauben

Aus dem Wunsch heraus, auch anderen Mut und Hoffnung zu machen, hatte sie Briefkontakt zum US-Amerikaner Kory aus Baldwin, Michigan aufgenommen, der zu diesem Zeitpunkt bereits seit neun Jahren wegen bewaffneten Raubüberfalls auf einen Marihuana-Laden hinter Gittern gesessen hatte. Auch er hatte im Glauben neuen Halt gefunden.

Während der ersten sechs Gefängnisjahre habe er Drogen konsumiert, berichtete er. «Aber die konnten die Leere nicht füllen.» Irgendwann sei er «total am Ende» gewesen und habe über einen Gefängnisbruder zu Jesus gefunden. «Von da an hat sich mein Leben komplett verändert. Alles Negative, der Hass und das Böse sind ganz langsam, Stück für Stück von mir abgefallen.»

«So verrückt das auch ist, wir wussten relativ schnell, dass es auf eine Ehe hinauslaufen würde», erinnerte sich Rebecca. Noch während Korys Gefängniszeit heirateten die beiden 2022, ein gutes Jahr später wurde Kory entlassen. Die erste Zeit in Freiheit sei nicht einfach gewesen, gestand die Mittzwanzigerin. Immerhin hatten beide vor einem kompletten Neustart gestanden, dazu kamen ihrer beider unterschiedlichen Temperamente – sie «relativ introvertiert», er «superextrovertiert». Inzwischen aber hatten sich beide gut miteinander eingegroovt.

Finanzielle Engpässe

Doch es gab noch mehr Schwierigkeiten – das Geld zum Beispiel war knapp. Beide wohnten im alten Haus von Korys Grosseltern in den USA. Rebecca verdiente neben ihrem Studium etwas mit Social Media, Kory packte, so oft es ging, im Kleinunternehmen seines Vaters mit an. Daneben studierte er Computerwissenschaften. Irgendwie kamen sie über die Runden, und Kory war sicher: «Gott passt auf uns auf.» Und einmal hatte ihnen aus heiterem Himmel sogar eine TikTok-Followerin mit 1000 Dollar ausgeholfen, erzählte er gerührt.

Geld für eine Klinik-Geburt allerdings hatten sie nicht, darum kam die kleine Liana Rae vor gut einem Jahr als Hausgeburt auf die Welt – nach einer gegen Ende sehr anstrengenden und komplizierten Schwangerschaft. Zur Unterstützung war Rebeccas Mama Martina Ottacher (49) aus Bayern für zwei Monate angereist, und glücklicherweise ging letztlich alles gut. «Das ist einer dieser Momente, die man nie vergisst – unbeschreiblich!», freute sich der frischgebackene Papa.

Ein Jahr sind die Dreharbeiten mittlerweile her, im Juni dieses Jahres hat das Paar in Mühldorf die grosse Hochzeit in Weiss nachgeholt, wie einem Artikel der «OVB Heimatzeitungen» zu entnehmen ist. In jenem Artikel warnt die junge Frau allerdings auch davor, Beziehungen zu Häftlingen zu romantisieren: Viele Männer im Gefängnis seien in Wahrheit ganz anders, als sie sich geben. «Ich hatte mit Kory richtig Glück. Doch Beziehungen zu Männern im Gefängnis, die durch eine Brieffreundschaft beginnen, scheitern sehr viel öfter, als sie gut gehen.»

Suizid-Gedanken? Hier findest du Hilfe:

  • Diese Stellen sind rund um die Uhr für Menschen in suizidalen Krisen und für ihr Umfeld da.
  • Beratungstelefon der Dargebotenen Hand: Telefonnummer 143 oder www.143.ch
  • Beratungstelefon Pro Juventute (für Kinder und Jugendliche): Telefonnummer 147 oder www.147.ch
  • Weitere Adressen und Informationen: www.reden-kann-retten.ch
  • Adressen für Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben:
    – Refugium: Verein für Hinterbliebene nach Suizid
     Nebelmeer: Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils

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