Lebende LegendeDie Frau, die alles kann: Wie Meryl Streep seit 50 Jahren das Kino prägt
Vania Spescha
30.4.2026
Meryl Streep am Film Festival in Cannes 2024.
KEYSTONE/EPA/SEBASTIEN NOGIER
Seit den 1970er-Jahren gehört Meryl Streep zur Spitze Hollywoods – ohne längere Pausen, ohne echte Abstürze, ohne Comeback-Inszenierung. In «Der Teufel trägt Prada 2» glänzt sie nun wieder. Wie macht sie das?
Vania Spescha
30.04.2026, 14:25
03.05.2026, 09:50
Vania Spescha
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
Meryl Streep prägt das Kino seit über 50 Jahren.
Sie gewann bisher drei Oscars und wurde so oft nominiert wie keine andere Schauspielerin in der Filmgeschichte.
Ursprünglich wollte sie Opernsängerin werden. Ihre Ausbildung an der Yale School of Drama prägt ihr Schauspiel bis heute.
Streep spielte starke und komplexe Frauenfiguren – lange bevor Hollywood bewusst solche Rollen ins Zentrum stellte.
Mit der Fortsetzung von «Der Teufel trägt Prada» erlebt eine ihrer ikonischsten Rollen ein Revival.
Als Margaret Thatcher in «Die Eiserne Lady» verkörpert sie politische Härte. Als Miranda Priestly in «Der Teufel trägt Prada» ist sie die eiskalte Chefredaktorin eines fiktiven Modemagazins. Und in «Sophies Choice» spielt sie eine Frau, die an einer unmenschlichen Entscheidung zerbricht.
Drei komplett unterschiedliche Rollen. Und genau das beweist, wie facettenreich das Schauspiel von Meryl Streep ist. Sie spielt keine Variante ihrer selbst: Sie verschwindet hinter ihren Rollen und bleibt doch erkennbar. Nicht durch Wiederholungen, sondern durch Präzision – durch ihre kontrollierte Körpersprache, ihr Gespür für Rhythmus, und die Art, wie sie Emotionen nie ausstellt, sondern spürbar macht.
Mit Miranda Priestly feiert in «Der Teufel trägt Prada 2» eine der ikonischsten Filmfiguren der 2000er-Jahre ihr Comeback. Und zu dieser Ikone hat Meryl Streep sie gemacht.
Darum geht es bei diesem Revival nicht nur um Nostalgie und Neugier, sondern auch um den Einfluss dieser einen Schauspielerin, die seit Jahrzehnten das Niveau für grosse Frauenrollen in Hollywood prägt.
Meryl Streep als Miranda Priestly und Stanley Tucci als Nigel Kipling in «Der Teufel trägt Prada 2».
Es gibt Schauspielerinnen, die ihren Typ verfeinern und damit immer wieder ähnliche Figuren spielen. Und es gibt Meryl Streep. Sie legt sich nicht fest, sondern erfindet sich für jede Rolle neu. Als Miranda Priestly genügt ihr ein kühler Blick, um einen Raum zum Schweigen zu bringen. Jede Bewegung ist kontrolliert, jede Pause sitzt. Und der Raum gehört ihr.
In «Die Eiserne Lady» verändert sich nicht nur ihre Stimme, sondern ihr gesamter Ausdruck. Entscheidend ist dabei nicht die Verwandlung an sich, sondern die Genauigkeit. Jede Bewegung wirkt durchdacht, jede Nuance dient der Figur. Es ist kein äusserliches Nachahmen, sondern ein vollständiges Verinnerlichen.
Am anderen Ende ihres Spektrums steht «Sophies Choice»: Eine Frau, gezeichnet von einem Trauma, das kaum darstellbar scheint. Streep macht kein grosses Drama daraus und überzeichnet ihre Figur nicht mit theatralischem Schauspiel, sondern spielt mit verblüffender Natürlichkeit. Und genau deshalb geht es unter die Haut.
Dazwischen liegt «Die Brücken am Fluss», wo sie Sehnsucht fast ausschliesslich über Blicke erzählt. Oder «August: Osage County», wo sie als zynische, verletzende Mutter jede Szene dominiert.
Komödie, Drama, Biografie, Musical. Kälte, Verletzlichkeit, Ironie, Härte. Sie kann alles. Und diese Bandbreite ist kein Zufall, sondern das Resultat von Disziplin, guter Vorbereitung und dem Gespür für die richtigen Rollen.
Meryl Streep gewinnt ihren dritten Oscar im Jahr 2012 für ihre Rolle als Margaret Thatcher in «Die Eiserne Lady»
KEYSTONE/AP Photo/Joel Ryan
Eigentlich wollte sie in der Oper singen
Wer Meryl Streep heute sieht, denkt an grosse Filme und starke Frauenfiguren. Dabei wollte sie ursprünglich Opernsängerin werden.
Sie absolvierte zunächst eine klassische Gesangsausbildung, bevor sie 1975 ihren Abschluss an der renommierten Yale School of Drama in Conneticut – einer Elite-Schule, aus der auch Schauspielerinnen wie Sigourney Weaver hervorgingen – machte, da war sie Mitte zwanzig.
Während andere dort um Aufmerksamkeit kämpften, galt Streep sofort als «Wunderkind». Dozierende und Mitstudierende erinnerten sich später an eine junge Frau, die jede Szene mit einer Selbstverständlichkeit trug, die man nicht lernen kann.
Stimme, Atemtechnik, Bühnenpräsenz – das lernen viele an Schauspielschulen. Bei Streep wird daraus jedoch ein Werkzeug, das sie in jeder Rolle gezielt einsetzt. Oft so subtil, dass man es erst beim zweiten Hinsehen bemerkt.
Auch die Gesangsausbildung hört man bis heute heraus. In «Into the Woods». In «Mamma Mia!». Und selbst in Rollen, in denen sie nicht singt. Auch als Miranda Priestly lebt ihre Wirkung vom Tonfall, vom Timing, von der Art, wie sie Worte betont und rüberbringt.
Vielleicht erklärt genau das ihre besondere Präsenz. Jede Pause hat Gewicht. Jeder Satz eine Richtung.
Dieses besondere Talent zeigt sich auch ausserhalb des Kinos. In einer Sendung von Ellen DeGeneres sollte Streep völlig banale Texte mit unterschiedlichen Emotionen vortragen. Innerhalb von Sekunden verändert sie Stimme, Rhythmus und Haltung – und plötzlich sitzt eine neue Figur im Raum.
So schnell kann Meryl Streep in eine neue Rolle schlüpfen:
Sie machte Frauen zur Hauptsache
Heute spricht ganz Hollywood von starken Frauenrollen, von Empowerment und Sichtbarkeit. Doch Meryl Streep hat solche Figuren schon gespielt, lange bevor daraus Schlagworte wurden.
Ihre Filmfiguren wollten nicht gefallen. Sie wollten entscheiden. Führen. Kämpfen. Manchmal auch scheitern. Sie durften unbequem sein, kühl, ehrgeizig oder verletzlich – ohne sich dafür zu entschuldigen.
Man denke nur an Miranda Priestly: keine Heldin, keine Sympathieträgerin. Es ging nie darum, ob man diese Frauen mögen muss. Entscheidend ist, dass man ihnen glaubt. Und genau das strahlt Meryl Streep in jeder Rolle aus: Präsenz.
Meryl Streep und Anne Hathaway in «Der Teufel trägt Prada 2»
2017 steht Meryl Streep bei den Golden Globes auf der Bühne. Kein Kostüm. Kein Drehbuch. Keine Rolle. In ihrer Dankesrede spricht sie über Respekt, Verantwortung und die Macht von Worten. Ohne seinen Namen zu nennen, kritisiert sie den damaligen US-Präsidenten Donald Trump.
In diesem Moment zeigt sich eine andere Seite von Meryl Streep – sie ist nicht nur die berühmte Schauspielerin, sondern auch ein Mensch, der öffentlich Haltung zeigt.
Miranda kehrt zurück
Und jetzt tritt sie erneut als Miranda Priestly auf. Schon damals hat die Figur nicht wegen der Kostüme funktioniert. Nicht wegen der Mode und der Marken. Sie funktioniert, weil Meryl Streep sie mit unglaublicher Präzision spielt. Jede Bewegung sitzt. Jeder Blick hat Gewicht.
Viele Schauspielerinnen haben grosse Rollen. Nur wenige prägen eine Figur so, dass man sie Jahre später noch sofort wiedererkennt. Meryl Streep hat das nicht nur einmal geschafft, sondern immer wieder.
«Der Teufel trägt Prada 2» ab dem 30. April im Kino: Die Filmkritik
«Der Teufel trägt Prada 2» jetzt im Kino
Comeback nach 20 Jahren: «Der Teufel trägt Prada 2» bringt Miranda Priestly (Meryl Streep) und Andy Sachs (Anne Hathaway) wieder zurück ins Kino – aber überzeugt die Fortsetzung? blue News hat den Film vorab gesehen.