HBO-Hit «Heated Rivalry» Diese queere Eishockey-Romanze sorgt für Furore – und startet bald in der Schweiz

Noemi Hüsser

23.1.2026

«Heated Rivalry» hält sich eng an die Buchvorlage und zeigt intime Szenen zwischen Shane und Ilya sehr direkt.
«Heated Rivalry» hält sich eng an die Buchvorlage und zeigt intime Szenen zwischen Shane und Ilya sehr direkt.
Sabrina Lantos/HBO Max

Zwei Männer, ein Geheimnis – und 14 Sexszenen: Die HBO-Serie «Heated Rivalry» zeigt queere Intimität im Profisport wie nie zuvor. Die Serie trifft einen Nerv.

Noemi Hüsser

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die HBO-Serie «Heated Rivalry» erzählt von der geheimen Liebesbeziehung zweier rivalisierender Eishockeyspieler und enthält zahlreiche explizite Sexszenen, die für mediales Aufsehen sorgen.
  • Die Serie thematisiert Homosexualität im männerdominierten Profisport und stösst eine Diskussion über queere Sichtbarkeit in der Eishockeywelt an.
  • Trotz vereinzelter Kritik am Umgang mit queeren Themen erfährt die Serie grossen Erfolg und wird ab dem 6. Februar in der Schweiz streambar sein.

Neun Minuten lang sieht man in der HBO-Serie «Heated Rivalry» zu, wie Shane und Ilya zum ersten Mal miteinander schlafen. Die Produktion des kanadischen Streamingdiensts Crave ist Ende November in Nordamerika gestartet und wird seither in sozialen Medien und in der Presse gefeiert. 

«Heated Rivalry» basiert auf der Buchreihe «Game Changers» der Autorin Rachel Reid. Der Roman gilt als «Smut» – so nennt man Bücher, die überwiegend explizite Sexszenen enthalten.

Eine kleine Kostprobe, wie das klingt: «Er küsste Rozanov zurück, hart und wild und wollte mehr. Rozanov drückte ihn gegen eine Wand. Er griff nach Shanes Hand und drückte sie gegen seinen Schritt. Und oh, Shane hatte seine Hand auf Ilya Rozanovs Penis.»

Und damit sind wir beim eigentlichen Inhalt der Serie: Sie begleitet die beiden Eishockeyspieler Shane Hollander (gespielt von Hudson Williams) und Ilya Rozanov (Connor Storrie) über mehrere Jahre. Eigentlich sind sie Erzrivalen in konkurrierenden Teams. Doch irgendwann beginnen sie, miteinander zu schlafen, verlieben sich – ihre Beziehung müssen sie aber geheim halten.

Die Serie hält sich eng an die Buchvorlage. Das heisst: Es bleibt auch hier nicht bei Andeutungen. Man sieht die beiden immer wieder nackt und beim Sex. Insgesamt sind es 14 Sexszenen in sechs Folgen.

Die Serie spielt mit dem Tabu offener Homosexualität im Männersport. Gerade Eishockey, das als hart und machohaft gilt, ist nach wie vor von einem traditionellen Männlichkeitsbild geprägt. Das war auch eine Inspiration für Autorin Rachel Reid: Sie ist lebenslanger Eishockeyfan und sagt, sie habe «viele Probleme mit der Eishockey-Kultur» gehabt – das Buch sei für sie eine Möglichkeit gewesen, diese Gefühle zu Papier zu bringen.

In der stärksten und bedeutendsten Profi-Liga im Eishockey, der nordamerikanischen NHL, spielt derzeit kein offen schwuler Spieler. Zu den wenigen Profis, die sich öffentlich als queer geoutet haben, zählen Luke Prokop – er outete sich 2021 als erster Spieler unter NHL-Vertrag, kommt aber nicht in der NHL, sondern in einer Partnerliga zum Einsatz – sowie der dänische Goalie Jon Lee-Olsen. Der schwedische Spieler Lars Peter Karlsson wurde 1995 wegen seiner Homosexualität von einem Neonazi erstochen. Er wurde 29 Jahre alt.

Schauspieler wurden durch Serie plötzlich bekannt

Die Kritik an der NHL, kein offenes Umfeld für queere Menschen zu sein, wurde 2023 zusätzlich befeuert: Damals schaffte die Liga spezielle Pride-Trikots während der Aufwärmphase ab, nachdem sich einzelne Spieler geweigert hatten, sie zu tragen – ein Imageschaden, den die Liga bis heute zu begrenzen versucht.

«Heated Rivalry» könnte dabei helfen. Der Amateurspieler Jesse Kortuem erklärte kürzlich, die Serie habe ihn dazu gebracht, sich öffentlich als schwul zu outen. Sportfunktionär Gary Bettman, der die NHL leitet, sagte, die Serie habe zum Erfolg dieser NHL-Saison beigetragen. «Heated Rivalry»-Star Hudson Williams berichtete zudem, seit der Veröffentlichung der Serie hätten sich mehrere Profisportler bei ihm gemeldet, die nicht geoutet seien – darunter auch Eishockeyspieler.

@virginradiomontreal Hudson Williams told Andy Cohen that closeted pro-athletes have reached out to him and “Heated Rivalry” author, Rachel Reid. The impact this show has had is something none of us expected! 👏🥲 🎥: Sirius XM #hudsonwilliams #heatedrivalry #heatedrivalrycrave #gay #hockey ♬ original sound - virginradiomontreal

Gross ist natürlich auch die Frage: Gehören die beiden Schauspieler selbst zur queeren Community? Williams und Storrie lassen das offen. «Wir wollen unser Privatleben privat halten», sagen die beiden immer wieder in Interviews. Denn so schnell die Serie zum Hit wurde, so rasant wurden die beiden Schauspieler bekannt: Zuvor spielten sie nur kleinere Rollen, bis kurz vor den Dreharbeiten kellnerten beide noch, um über die Runden zu kommen.

Danach folgten Auftritte bei den Golden Globes, in Late-Night-Shows und Podcasts – dazu Laufstegtermine und Magazin-Covers. Medienberichten zufolge sollen sie vor den Olympischen Winterspielen in Mailand/Cortina noch die olympische Fackel tragen.

Und der Erfolg lässt sich nicht nur an roten Teppichen ablesen, sondern auch in den Daten. Schon kurz nach dem Start landete «Heated Rivalry» in den USA in den Top 10 von HBO Max – zeitweise sogar auf Platz 2.

Zwei Drittel der Zuschauer*innen sind laut dem Datenanalyseunternehmen Luminate übrigens weiblich. Das liegt einerseits am Genre: Smut wird mehrheitlich von Frauen gelesen.

Die Eishockeystars in «Heated Rivalry» Shane Hollander und Ilya Rozanov müssen ihre Beziehung vor der Öffentlichkeit verbergen.
Die Eishockeystars in «Heated Rivalry» Shane Hollander und Ilya Rozanov müssen ihre Beziehung vor der Öffentlichkeit verbergen.
Sabrina Lantos/HBO Max

Andererseits sind es die expliziten Sexszenen zwischen zwei Männern, die bei vielen Frauen gut ankommen. Regisseur Jacob Tierney erklärt das so: «Frauen sind im wirklichen Leben und in der Kultur ständig sexueller Gewalt ausgesetzt. Dinge zu sehen, die letztlich die Verletzlichkeit von Männern darstellen, kann sehr erfrischend sein.» Wenn beim Sex keine Frau beteiligt sei, gebe das manchen Zuschauerinnen ein Gefühl von Sicherheit – es bestehe keine Angst, dass die Szene in sexualisierte Gewalt gegen Frauen umschlagen könnte.

Wenn zwei Männer miteinander Sex haben, gibt es keine misogynen Stereotypen und kein Machtgefälle, so die Theorie. Autorin Reid ergänzt die Überlegung noch simpler: Wenn man Penisse mag, seien zwei doch besser als einer. «Männer mögen lesbische Pornos», argumentiert Reid. «Warum sollten Frauen das also nicht auch mögen?»

Doch was der körperlichen Intimität und den vielen Sexszenen in der Serie vorausgeht, ist die Unfähigkeit der Protagonisten, ihre Gefühle zu kommunizieren. Das Körperliche wird zur Sprache, die die Geschichte erzählt und den Plot vorantreibt. Erst gegen Schluss werden die Sexszenen weniger, und Shane und Ilya schaffen es, ihren Gefühlen Worte zu geben, einander zuzuhören und – Achtung, Spoiler – einander ihre Liebe zu gestehen.

Ab Februar in der Schweiz streambar

Kritik für die Serie gibt es nur am Rande. Die Serie bilde schwulen Sex nicht richtig ab, sagen Kritiker*innen. Zudem verharmlose sie homophobe Mechanismen in der Gesellschaft, wärme unkritisch toxische Männlichkeit auf und feiere fast schon schwulen Selbsthass, indem sie die Heimlichtuerei der Sportler romantisiere.

Doch der Hype bremst das nicht. Und in der Schweiz kann man sich bald eine eigene Meinung machen: Ab dem 6. Februar ist «Heated Rivalry» auf HBO Max in der Schweiz streambar.

HBO Max zählt ab dem 28. Januar zum Angebot von blue SuperMax.
HBO Max zählt ab dem 28. Januar zum Angebot von blue SuperMax.

Auch eine zweite Staffel ist bereits angekündigt, Material gibt es nämlich genug: Rachel Reids queere Hockey-Romance-Reihe umfasst bislang sechs Bücher, zwei davon drehen sich um Shane und Ilya. Im September soll das siebte erscheinen, wie die Autorin Mitte Januar auf Instagram verkündet hat.


Mehr aus dem Ressort

«Hamnet» im Kino: Bei diesem Shakespeare-Film bleibt kein Auge trocken – Wenn aus Trauer Schönheit entsteht

«Hamnet» im Kino: Bei diesem Shakespeare-Film bleibt kein Auge trocken – Wenn aus Trauer Schönheit entsteht

Das Historiendrama «Hamnet» erzählt, wie William Shakespeare und seine Frau Agnes einen tragischen Verlust verarbeiten. Mit ruhiger Kraft und überwältigenden Emotionen findet der Film Schönheit in der Trauer.

22.01.2026