FCZ-Legende bei LässerDzemaili: «Musste unter Hitzfeld leiden – Petkovic hat mir alles zurückgegeben»
Fabienne Kipfer
24.1.2026
Dzemaili: «Musste unter Hitzfeld leiden – Petkovic hat mir alles zurückgegeben»
Blerim Dzemaili blickt im Talk mit Claudia Lässer zurück auf seine eindrückliche Karriere, den Kampf gegen Widrigkeiten und die neugewonnene Zeit mit der Familie.
24.01.2026
Blerim Dzemaili blickt im Talk mit Claudia Lässer zurück auf seine eindrückliche Karriere, den Kampf gegen Widrigkeiten und die neugewonnene Zeit mit der Familie.
Blerim Dzemaili blickt in der Talkshow «Lässer» auf seine Karriere zurück, spricht über Herausforderungen und seine schwierige Zeit in der Nationalmannschaft.
Er denkt über eine Trainerlaufbahn nach und hat bereits Ausbildungen im Sportmanagement und als Spieleragent absolviert.
Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen, betont er seine kämpferische Mentalität und geniesst heute das Familienleben mit seiner Partnerin und zwei Kindern.
Seit Herbst 2025 sitzt Blerim Džemaili hinter dem Mikrofon statt wie früher auf dem Platz voranzugehen. Als Experte bei blue Sport und dem Tessiner Fernsehen analysiert er Fussballspiele. «Man bleibt im Business. Vor allem nach der Karriere muss man sich Gedanken machen, was man machen will», findet er in der Talkshow «Lässer».
Vor zweieinhalb Jahren beendete Dzemaili seine Aktiv-Karriere. Er hat «mehrere Ideen im Kopf», was seine Zukunft betrifft. Er hat die Lizenz als Spieler-Agent sowie eine Ausbildung im Sportmanagement gemacht. Aber er könnte auch auf den Rasen zurückzukehren – an der Seitenlinie. «Ich habe lange gesagt, dass ich keine Trainerlizenz machen möchte. Nach langer Überlegung mache ich es und fange jetzt damit an», sagt Dzemaili.
Dennoch sei es nicht sicher, ob er tatsächlich den Schritt als Trainer wagt: «Ich habe es bei vielen Ex -Mitspielern gesehen, dass man im Business zu schnell verbrennt – meistens diejenigen mit den grosse Namen.» Man müsse akzeptieren, was die Rolle nach der Spielerkarriere sei. «Als Trainer fängst du wieder bei Null an. Du bist nicht mehr der Dzemaili, der beim FCZ aufgehört hat», erläutert er.
Dzemaili: «Trainer-Beruf reizt mich»
Dennoch sei es nicht sicher, ob er tatsächlich den Schritt als Trainer wagt: «Ich habe es bei vielen Ex -Mitspielern gesehen, dass man im Business zu schnell verbrennt – meistens diejenigen mit den grosse Namen.»
23.01.2026
Tolle Karriere mit märchemhaftem Abschluss
Als Fussballer hatte er viele spannende Erlebnisse. «Wenn du einmal bei Napoli spielst, kennen sie dich das ganze Leben ... Nach der Ära Maradona waren wir die Ersten, die einen Pokal holen konnten. Die Zeiten mit dem FCZ werden für mich immer die wichtigsten sein. Als mich Lucien Favre in die erste Mannschaft holte, war es ein Traum für mich. Ich habe gar nicht daran geglaubt. Es kommt einem surreal vor», erinnert Dzemaili sich zurück.
Wie aus dem Bilderbuch ist 2023 auch sein Abgang. Die Fans widmen ihm eine beeiondruckende Choreografie, er schiesst in seinem zweitletzten Spiel das entscheidende Tor – und der FCZ wird nach langer Leidenszeit wieder mal Meister. «Es war ein Märchen», fasst er zusammen.
Der 39-Jährige schätzt die Erfahrungen seines früheren Lebens, schliesslich sei seine Karriere mit 20 nach einer grossen Verletzung (Kreuzbandriss) auf der Kippe gestanden. «Dazumal war ich noch nicht sicher, ob ich zurückkomme», gesteht er.
«Ich habe lange bei vielen Vereinen gespielt, das macht mich im Nachhinein stolz», betont Dzemaili und ergänzt, er habe nie aufgehört oder aufgegeben: «Das war immer meine Mentalität.»
Keine einfache Zeit in der Nati unter Hitzfeld
So habe er sich nach einem schlechten Match «zuhause eingeschlossen». Am TV schaute er sich seine Fehler nochmals an und ging im Training das Doppelte, um wieder Selbstvertrauen zu tanken. Die heutigen Jungen würden hingegen selbst nur wenig Eigeninitiative ergreifen. Kein Wunder, sehe man auf dem Platz immer weniger Vorbilder.
Dzemaili: «Habe mich nach schlechten Spielen zuhause eingeschlossen»
So habe er sich nach einem schlechten Match «zuhause eingeschlossen». Am TV schaute er sich seine Fehler nochmals an und ging im Training das Doppelte, um wieder Selbstvertrauen zu tanken.
23.01.2026
«Als Leaderfigur wächst du nicht hinein, sondern wirst geboren», resümiert er und bedauert die Entwicklung. Bei den Junioren fällt er bei GC im Probetraiining durch. Und landet beim FCZ, wo das ungeschliffene Talent seine Karriere startet. Auch seine Geschichte in der Nati sei ein Auf und Ab gewesen.
«Ich wurde als Johann-Vogel-Nachfolger von allen hochgeredet, auch Coach Köbi Kuhn sah mich so. Dann kommt die grosse Verletzung. Es gibt einen Trainerwechsel (von Kuhn zu Hitzfeld), die Spieler überholen dich und dann musst du dem Zug die ganze Zeit nachseckeln und schaffst es nie aufzusteigen», beschreibt Dzemaili und führt aus: «Der Kopfball an den Pfosten gegen Argentinien bei der WM 2014 war ein Sinnbild der Beziehung mit der Nationalmannschaft.»
2014 in São Paulo: Blerim Dzemaili köpfelt den Ball im Achtelfinal gegen Argentinien an den Pfosten.
sda
In Achtelfinale liess der kurz zuvor eingewechselte Dzemaili die goldene Chance liegen, den Favoriten in der Verlängerung rauszuwerfen. Unter Trainer Ottmar Hitzfeld durfte der Mittelfeld-Puncher in wichtigen Spielen insgesamt nur vier Mal von Beginn weg auflaufen.
Unter schwierigen Umständen aufgewachsen
«Und dann kommt Petkovic, der mir alles zurückgibt, was ich in der Nati leiden musste», betont der 69-fache Internationale. Seine kämpferische Einstellung kommt auch aus seiner Kindheit. Geboren in Mazedonien, wächst Dzemaili die ersten vier Jahren praktisch ohne Vater auf – der muss das Geld in der Schweiz verdienen, ehe die ganze Familie in der neuen Heimat wieder vereint ist.
Mit der Mutter und dem älteren Bruder teilt er sich in Zürich jahrelang eine kleine Wohnung mit einer zweiten Familie. «Wir haben zwei Jahre lang zu viert in einem Zimmer gelebt», sagt er. Sein Vater habe aber stets Wert darauf gelegt, dass man sich in der Schweiz gut integriere. «Das Lustigste war immer, dass er immer gesagt hat, er wolle nicht, dass die Polizei zuhause an die Türe klopfe», schmunzelt Dzemaili.
Er habe aber eine tolle Kindheit genossen, sein Papa sei nie streng gewesen, resümiert er. Dzemaili ist inzwischen selbst Familienvater – neben seinem zehnjährigen Sohn Luan aus einer früheren Beziehung hat er mit seiner neuen Partnerin seit kurzem ein Mädchen – und nimmt sich daher «viel Zeit» für seine Liebsten.
Den Talk mit Blerim Dzemaili in voller Länge findest du hier ...
«Lässer» mit Blerim Dzemaili
Die unterschiedlichsten Persönlichkeiten aus den Bereichen Entertainment, Sport, Wirtschaft und Politik geben sich bei der Talkmasterin Claudia Lässer die Ehre und tauschen sich über aktuelle Themen aus.