Anne Hathaway: «Klar schwindel ich, um Rollen zu bekommen»

tsch

9.5.2019

Anne Hathaway spricht über ihre grössten Schwindeleien, ihre Erfahrungen mit der deutschen Sprache – und sie verrät, warum sie seit Kurzem Mallorca-Fan ist.

Schlichter, weisser Rollkragenpullover mit dunkelgrünen Streifen zum schwarzen Lederrock, so schlicht erscheint Anne Hathaway zum Interview in New York. Dabei strahlt die 36-Jährige mit der Sonne um die Wette  – und dennoch hat sie es faustdick hinter den Ohren. Hathaway spielt in ihrem neuen Film «Glam Girls – Hinreissend verdorben» (Kinostart: 9. Mai), dem Remake des Komödienklassikers «Zwei hinreissend verdorbene Schurken», eine Trickbetrügerin, die es auf reiche Männer abgesehen hat. Dass sie selbst gerne schummelt, gibt die Schauspielerin unumwunden zu.

«Glam Girls: Hinreissend verdorben» wurde auch auf Mallorca gedreht. Wie war das für Sie?

Wunderschön! Ich hab meine Flugmeilen investiert, um meinen Eltern einen Flug nach Mallorca zu buchen. Sie brachten meinen Sohn mit, was toll für mich war. Mein Vater wollte schon immer mal die Höhlen an der Bucht von Mallorca sehen. Also habe ich uns etwas gegönnt und ein Boot für vier Stunden gechartert. Es war wunderschön, die Insel so zu sehen, im Wasser herumzutollen und gemeinsam in die Höhlen zu schwimmen.

Sie haben für «Glam Girls» zum ersten Mal mit Rebel Wilson zusammengearbeitet. Was hat Sie an ihr überrascht?

Dass sie schüchtern ist. Ich weiss, man kann es kaum glauben. Aber als ich ihr zum ersten Mal gegenüber sass, war ich überrascht, wie ruhig und zurückhaltend sie eigentlich ist. Ich konnte es kaum erwarten, sie näher kennenzulernen. Sie ist extrem talentiert und hat neben der Schauspielerei sogar noch Jura studiert.

Für eine Schurken-Rolle im Film sprechen Sie sogar ein bisschen Deutsch.

Ja, aber ich kann mich nur noch an «Danke» erinnern. Und immer, wenn ich bei meinem deutschen Text nicht mehr weiter wusste, sagte ich «fantastisch» (lacht).

Was ist der grösste Schwindel, den Sie sich jemals geleistet haben?

Ich war erst kürzlich zu Gast in einer Talkshow. Ich überzeugte das Publikum davon, dass ich dieses uralte Zitrusheilverfahren entdeckt habe, das «Clementime» heisst. Dafür muss man sich täglich die Zeit nehmen, eine Clementine zu schälen und dabei spezielle Atemübungen machen, ein geräuschvolles Ein- und Ausatmen. Ich forderte die Zuschauer auf, mitzumachen und ganz laut ein- und auszuatmen. Danach fragte ich die Leute, ob sie sich ruhiger und entspannter fühlten. Sie antworteten tatsächlich alle mit Ja (lacht). Daraufhin offenbarte ich, dass das gar nicht sein kann, weil ich diese Geschichte soeben erfunden hatte. Ich wollte ihnen damit lediglich zeigen, nicht alles zu glauben, zu kaufen oder zu machen, nur weil ein Promi es ihnen sagt (lacht). Das war mein grösster Schwindel. Aber ich glaube, er hat etwas Gutes bewirkt – zumindest für diese 400 Leute. Sie haben gelernt, nicht jedem blindlings zu vertrauen.

Haben Sie auch schon einmal geschwindelt, um eine Rolle zu bekommen?

Ja klar, oft. Ich glaube, alle Schauspieler machen das. Solange ich zwei Wochen Zeit habe, bevor die Dreharbeiten beginnen, kann ich alles lernen. Immerhin gibt es YouTube, da kann man viel lernen (lacht).

Sie spielen in vielen Komödien mit. Sind das Ihre bevorzugten Rollen?

Ich liebe es, Filme zu drehen, die Leute aufheitern. Das Leben kann so hart und schwer sein und Wege einschlagen, mit denen man nicht mal in den dunkelsten Träumen gerechnet hatte. Deshalb ist es schön zu wissen, dass sich Menschen in diesen 90 Minuten warm und geborgen fühlen. Ich habe Fans, die zum Beispiel lange im Krankenhaus lagen und sich hinterher bei mir bedankt haben: Sie hätten sich meine Filme mehrmals hintereinander angeschaut, und das habe ihnen geholfen, die tristen Tage im Krankenhaus zu erhellen. Wir können mit unseren Komödien keine Leben retten, aber wir können einen Menschen, der gerade sein eigenes Leben rettet, ein bisschen aufheitern.

Sie sind UN-Botschafterin und setzen sich für das Wohlbefinden und die Gleichberechtigung von Frauen ein. Wieso ist Ihnen das so wichtig?

Ich wurde so erzogen. Meine Eltern sagten mir immer, dass es nichts gebe, das ich wegen meines Geschlechts nicht machen könne. Sie vermittelten mir, dass ich, wenn ich einen Raum betrete, genauso viel wert bin wie alle anderen in diesem Raum. Als ich dann erwachsen genug war, um durch die Welt zu reisen, war ich geschockt, dass die Realität oft anders aussieht.

Wieso?

Jeder spricht von Gleichberechtigung, auch Hollywood, aber keiner richtet sich danach. Das wird vor allem klar, wenn wir die Zahlen betrachten. Eine Frau in den USA verdient im besten Fall 78 Prozent dessen, was ein Mann bekommt. Bei lateinamerikanischen Frauen sind es nur 56 Prozent. Das muss sich ändern! Egal welche Hautfarbe jemand hat. Wir Frauen sind die eine Hälfte dieser Welt. Mir wurde damals bewusst, dass sich nie etwas ändern wird, wenn nicht jeder Einzelne seinen Teil dazu beiträgt. Und genau das tue ich.

Haben Ihre Eltern Ihnen noch weitere Tipps mitgegeben?

Sie sagten immer: Konzentriere dich auf dich selbst! Ziehe Scheuklappen auf und schau nicht nach links und rechts! Lauf dein eigenes Rennen und kümmere dich nicht um andere! 

Gibt es ein Datum in Ihrem Leben, das Sie nie vergessen werden?

Es gibt mehrere, aber beruflich ist es der 3. August 2001. An diesem Tag wurde «Plötzlich Prinzessin» veröffentlicht. Dieser Tag hat mein Leben verändert. Jedes Jahr an diesem Datum schicke ich ein Dankgebet ans Universum. An diesem Tag wurden meine Träume wahr!

Das Interview mit Anne Hathaway hat die Teleschau geführt.

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