Streaming vs. Kino

Boykottdrohung gegen Filmstudio Universal

SDA

29.4.2020 - 04:01

Animationsfilme wie «Trolls World Tour» sorgen Online für Furore. Das ist der klassischen Filmbranche ein Dorn im Auge. (Archivbild)
Source: KEYSTONE/AP/Photo Credit: DreamWorks Animation LLC.

Der Online-Erfolg des Animationsfilms «Trolls World Tour» könnte die Filmindustrie verändern und sorgt für heftigen Streit mit der Kinobranche.

Der Filmtheater-Betreiber AMC will keine Filme des Studios Universal mehr zeigen. Auslöser für die Drohung war die Ankündigung eines Top-Managers, Filme in Zukunft gleichzeitig in die Kinos und in den Online-Verleih zu bringen.

Traditionell werden neue Filme erst im Kino gezeigt und stehen erst einige Monate später zum Kauf oder Ausleihen sowie Streaming zur Verfügung. Dieses Zeitfenster ist in den vergangenen Jahren bereits kürzer geworden und es gab auch Ideen, Filme zeitgleich zu ähnlichen Preisen wie beim Kinobesuch einer Familie online zu verleihen.



Kinostarts aufgeschoben

Die Schliessung der Kinos in der Corona-Krise schob nun Kinostarts auf – einige Filme wie die «Trolls»-Fortsetzung gingen aber direkt in den sogenannten Premium-Online-Verleih für knapp 20 Dollar in den USA und 15 Euro in Europa.

Für Universal zahlte sich das aus: In drei Wochen spielte der Film allein im US-Markt knapp 100 Millionen Dollar ein, wie das «Wall Street Journal» am Dienstag berichtete. Der Chef von NBCUniversal, Jeff Shell, machte in der Zeitung eine weitreichende Ankündigung: «Wir gehen davon aus, dass wir Filme in beiden Formaten veröffentlichen werden, wenn die Filmtheater wieder öffnen.»

AMC, die weltgrösste Kinokette, konterte mit einem offenen Brief. «Ab sofort wird AMC keinen Film von Universal in einem seiner Kinos in den USA, Europa oder dem Mittleren Osten vorführen», schrieb AMC-Chef Adam Aron. Genauso werde der Kinokonzern auch gegen jedes andere Studio vorgehen, das den Exklusiv-Zeitraum für Filmtheater nicht einhalten wolle. Bestrebungen von Universal, Filme zum Kinostart auch zuhause verfügbar zu machen, seien bereits seit Jahren bekannt.

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