Der Schweizer Simon Otto trennt sich von seinen Drachen

Lukas Rüttimann

5.2.2019

Drache Ohnezahn und Wikingerjunge Hicks haben Simon Otto zu einem Namen in der US-Filmindustrie gemacht. Jetzt zieht es den 45-jährigen Schweizer Animationskünstler weiter.

Gewisse Figuren aus Hollywoods Animationsfilm-Schmiede kennen nicht nur Kinder, sondern auch viele Erwachsenen. Die Minions und Clownfisch Nemo gehören dazu, Spielzeug-Astronaut Buzz Lightyear und sein Kumpel Woody aus «Toy Story», Weltraum-Roboter Wall-E und natürlich Eichhörnchen Scrat aus den «Ice Age»-Filmen.

Auch der schwarzen Drachen Toothless (deutsch: Ohnezahn) ist zu einer Ikone des Zeichentrickfilms geworden. Immerhin haben die beiden bisherigen «How to Train Your Dragon»-Filme («Drachenzähmen leicht gemacht») weltweit über eine Milliarde Dollar eingespielt.

Am Donnerstag kommt der letzte Teil der Trilogie ins Kino. Und man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass auch «The Hidden World», so der Zusatztitel des dritten Teils, wieder Klein und Gross in die Säle locken wird.

Tiefgang und Überraschungen

Geschaffen wurden die Figuren vom Schweizer Zeichner Simon Otto. Der Ostschweizer ist in Gommiswald SG aufgewachsen und über Stationen in Davos (wo er Skulpturen ins Eis schlug) und Paris (wo er für Disney zeichnete) nach Los Angeles gekommen. Dort begann er bei Steven Spielbergs Dreamworks-Studios ganz unten in der Hackordnung und arbeitete sich hoch. Der Durchbruch gelang ihm 2010 mit «How to Train Your Dragon». Der Film wurde nicht nur ein Riesenerfolg an der Kinoasse, er wurde auch für den Oscar nominiert. Inzwischen ist Otto zum Head of Character Animation aufgestiegen und bestimmt Look und Feel der Figuren.

Wo sieht er den Grund für den Erfolg? «Ich glaube, dass diese Produktionen eine Tiefe und eine Glaubwürdigkeit haben, die sie von anderen Animationsfilmen unterscheiden», sagt Otto bei der Schweizer Vorpremiere im Gespräch mit «Bluewin». Zudem seien die Filme überraschend und mutig: «Dass der Publikumsliebling den Vater der Hauptfigur umbringt, das hat man so wohl noch nie vorher in einem Kinderfilm gesehen», so der 45-Jährige.

Was der Fast-Zweimetermann nicht sagt, weil er dafür viel zu bescheiden und, wie er es ausdrückt, «typisch schweizerisch» ist: Die Filme wurden auch dank ihm zum Hit. Denn sein Ansatz, die Drachen nach dem Vorbild seiner Katzen agieren zu lassen, hat sich als goldrichtig erwiesen. Ohnezahn und die anderen Drachen sind den Fans ans Herz gewachsen – genauso, wie es ein Haustier tun würde. Tatsächlich sei es ihm wichtig gewesen, alle Figuren glaubwürdig zu gestalten, sagt Otto: «Man spürt bei ihnen eine aufrichtige Liebe zu Tieren – auch meine zu meinen Büsis».

Auf zu neuen Ufern

Der sympathische Hollywood-Schweizer sagt, dass ihm die Drachen-Trilogie viel Respekt in der US-Filmszene eingebracht hat. Nicht zuletzt, weil «How to Train Your Dragon» auch von spektakulären Animationen lebt. Das ist im dritten Teil nicht anders: «The Hidden World» ist ein farbintensives und atemberaubendes Filmerlebnis, bei dem es diesmal auch sehr emotional zu und hergeht. Immerhin steht der Film im Zeichen des Abschieds: Hicks und Ohnezahn trennen sich – und auch ihr Schöpfer macht sich auf zu neuen Ufern.

«Bittersüss» sei dieser Abschied, sagt der Familienvater, der mit Frau und Sohn in Los Angeles lebt. Er verspüre Wehmut, weil die Zusammenarbeit mit einem tollen Team – dessen Chef er war – nun beendet sei. Auf der anderen Seite herrscht bei ihm ein gewisser Enthusiasmus, weil er nun nach 12 Jahren Drachenzähmen ein neues Projekt in Angriff nehmen kann. Und nicht nur das: Nachdem Otto bereits bei einer Folge des TV-Serien-Ablegers von «How to Train Your Dragon» Regie führte, sei das nun der «nächste logische Schritt».

Lieber Tiefgang als Klamauk

Er hätte es sich einfach machen und als Head of Character Animation bei einem garantierten Hit wie etwa «Baby Boss 2» anheuern können. Doch das reizt den Schweizer wenig. Er möchte das Publikum lieber «an einen Ort entführen, an dem es noch nie war». Otto liebt zwar die Unterhaltung, aber für ihn muss ein Film auch Tiefgang haben: «Reiner Klamauk ist nicht mein Ding, das habe ich spätestens nach 30 Minuten gesehen», sagt er. Nicht zuletzt, weil man für einen Animationsfilm oft mehrere Jahre seines Lebens hergibt, muss das Projekt stimmen.

Man darf also gespannt sein, was Simon Otto als nächstes anpackt. Er habe «ein paar Eisen im Feuer» und sei «sehr optimistisch», lächelt er. Dazu hat er auch allen Grund: Seit Streamingdienste wie Netflix oder Hulu beim Animationsfilm mitmischen, ist die Jagd nach gutem Content und fähigen Leuten eröffnet. Gut möglich, dass sein nächster Film deshalb bei Netflix erscheint. Aber auch ein weiteres Projekt für Dreamworks sei nicht ausgeschlossen: «Ich werde schauen, wie sich die Filmlandschaft präsentiert und mich dann entscheiden».

Bleibt zum Schluss eigentlich nur noch eine Frage: Welche Comics hat er als Kind am meisten geliebt? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: «Ich würde sagen: ‹Tim in Tibet›. Und ‹Asterix bei den Schweizern› – natürlich wegen der Fondueszene!»

«How to Train Your Dragon 3: The Hidden World» läuft ab Donnerstag, 7. Februar, in unseren Kinos.

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