Die fünf besten Weltall-Filme – und die fünf schlechtesten

Fabian Tschamper

19.7.2019 - 10:17

Im Science-Fiction-Genre ist es ein schmaler Grat zwischen lächerlich und genial.
Warner Bros/Twentieth Century Fox

Obwohl der Mensch schon auf dem Mond war, bleiben die Weiten des Weltalls noch grösstenteils unergründet. Hollywood kann deshalb die Fantasie spielen lassen. Oft kommt das gut – noch öfter aber schlecht.

Vor einem halben Jahrhundert ist Neil Armstrong aus der Apollo-Mondlandefähre gestiegen und hat als erster Mensch überhaupt seine Fussabdrücke im Staub des Erdtrabanten hinterlassen. Den ersten Film zum Weltraum gab es allerdings schon 1902: die von Jules Verne inspirierte «Reise zum Mond». Der Film liess Menschen weltweit aufhorchen und leitete offiziell das Genre Science-Fiction ein.

Die buchstäbliche Kombination von Wissenschaft und Fantasie sollte noch für viele grosse Kinomomente sorgen. «Bluewin» stellt die fünf besten und die fünf schlechtesten Filme über den Weltraum vor – unter Ausschluss der medial überrepräsentierten «Star Wars»- und «Star Trek»-Filme. Den Auftakt machen die fünf Science-Fiction-Meisterwerke.

«2001: A Space Odyssey»

Stanley Kubricks Werk aus dem Jahr 1968 gilt bis heute als einer der einflussreichsten Filme aller Zeiten und findet sich auch 51 Jahre nach seinem Leinwanddebüt noch zuoberst auf jeglichen Listen der besten Science-Fiction-Streifen überhaupt. Kubrick heimste für «2001: A Space Odyssey» sogar den Oscar für die besten visuellen Effekte ein, die beeindruckenderweise auch noch mit Weltraumfilmen von heute mithalten können.

Der Film lässt viel Interpretationsspielraum, wie man es sich von Kubrick gewohnt ist. Er behandelt Themen wie die menschliche Evolution, künstliche Intelligenz und freilich die Existenz ausseriridischen Lebens. Der Film beschreibt die Reise zum Jupiter mithilfe des Computers HAL. Stanley Kubrick legte viel Wert auf mehrdeutige Bilder und liess seine Darsteller nur wenig Text sprechen – dafür mit umso mehr Gewicht.

«Alien»

In der Kategorie Klassiker des Genres darf Ridley Scotts Thriller von 1979 natürlich nicht fehlen. Er legte den Grundstein für Sigourney Weavers Karriere und schaffte eine der wohl furchteinflössendsten Szenen der Filmgeschichte: Der Alienparasit, der aus der Brust eines Besatzungsmitglieds regelrecht herausschiesst.

Eine Notiz am Rande: Ridley Scott weihte die anderen Schauspieler nicht in diese Szene ein. Die Furcht in ihren Augen dürfte also durchaus real gewesen sein.

«Alien» war einer der ersten Filme, aus dem eine erfolgreiche Reihe wurde. Einer der neueren Nachfolger, «Alien: Covenant» von 2017, steht dem Erstling in nichts nach. Das unheimliche Abenteuer im Weltall bleibt einer der Höhepunkte der Science-Fiction.

Sigourney Weaver wurde als Ripley in «Alien» weltberühmt.
Keystone

«Moon»

Regiedebütant Duncan Jones, Sohn des verstorbenen David Bowie, hatte die Vision eines psychologischen Thrillers, die er brilliant auf die Leinwand gebracht hat. Der amerikanische Schauspieler Sam Rockwell spielt dabei eine Doppel-, zeitweise sogar eine Mehrfachrolle.

Der Film handelt vom Abbau von Helium-3 auf der Rückseite des Mondes. Der Rohstoff soll den Energiebedarf der Erde decken. Der grösstenteils automatisierte Förderprozess benötigt nur noch einen einzigen menschlichen Bediener – den Astronauten Sam Bell (Sam Rockwell). Mithilfe der künstlichen Intelligenz GERTY überwacht er den Ablauf. Nach drei Jahren ohne menschlichen Kontakt steht er kurz vor der Rückkehr auf die Erde, Bells Psyche ist jedoch in horrendem Zustand und er beginnt zu halluzinieren.

Der Film führt den Zuschauer in die Tiefen der menschlichen Psyche und ist gerade wegen Rockwells Schauspiel und trotz des eintönigen Sets überwältigend.

Sam Bell (Sam Rockwell) ist seit drei Jahren alleine auf der dunklen Seite des Mondes. Seine Psyche leidet.
Sony Pictures

«Interstellar»

Regie-Schwergewicht Christopher Nolan («Memento», «The Dark Knight») erzählt mit eindrücklichen Bildern und Schauspielern die Geschichte einer dystopischen Zukunft: Die Erde hat ihre Ressourcen ausgeschöpft, also sucht die Nasa nach einem neuen Planeten, auf den die Menschheit umziehen könnte. Der Astronaut Cooper (Matthew McConaughey) und Dr. Amelia Brand (Anne Hathaway) machen sich also auf in die Weiten des Weltalls, um in fremden Sonnensystemen nach einem geeigneten Planeten zu suchen.

Nolans Ansatz ist atemberaubend. Er konstruierte für den Film eigene Regeln der Zeit und wie sie sich in den anderen Dimensionen verhält. Sieben Minuten in der einen könnten sieben Jahre in der anderen sein. Das Schicksal der Protagonisten geht einem ans Herz und man fragt sich, wie der Grande der Filmbranche alle Teile zu einer sinnigen Geschichte zusammensetzt. «Interstellar» scheint nur zu Beginn ein zu komplexes Konzept zu haben, Nolan schliesst den Kreis allerdings meisterhaft.

«The Martian»

Ebenfalls zu den besten Filmen mit Setting im Weltall gehört «Der Marsianer – Rettet Mark Watney». Der Astronaut findet sich ganz alleine auf dem Mars wieder, als ein Sandsturm seine Crewmitglieder zur Evakuierung zwingt – niemand rechnete damit, dass der bewusstlose Mark Watney (Matt Damon) überlebt hat. Vier Jahre muss der Botaniker ausharren, bis die nächste Marsmission bei ihm eintrifft. Das Problem besteht darin, dass die Nasa auf der Erde davon ausgeht, dass er bei der Umweltkatastrophe ebenfalls gestorben ist. Ob und wie lange der Marsianer überleben kann, hängt von seinen Ressourcen ab, die er sich eigenhändig beschaffen und verarbeiten muss.

Wiederum war es Ridley Scott, der sich eines Science-Fiction-Streifens angenommen hat und auch diesmal stiess er auf Gold. Die Einsamkeit des Protagonisten, die konstante Angst vor dem Tod und die detaillierte Umgebung des Mars machen «The Martian» zu einem der sehenswertesten Filme der letzten Jahre.

Die Freuden der Science-Fiction finden hier ihr Ende. Es folgen die richtig schlechten Beiträge zum Genre. Den Beweis, dass gute Weltraumunterhaltung keineswegs mit dem technologischen Fortschritt im 21. Jahrhundert gleichzusetzen ist, hat bereits Stanley Kubrick vor über 50 Jahren abgeliefert. Weiterlesen bitte nur auf eigene Gefahr.

«Plan 9 from Outer Space»

Dieser Streifen trägt den Titel «Schlechtester US-Film aller Zeiten». Allerdings dürfte sich mindestens einer der nachfolgenden Werke auch in diese Kategorie einreihen. «Plan 9 aus dem Weltall» (1959) erreichte aber trotz allem Kultstatus, da er unfreiwillig komisch ist. Im Film landen Ausseriridische auf der Erde und erwecken Tote zum Leben.

Wegschauen ist beim daraus entstehenden urkomischen Chaos nicht möglich. Wer genau hinsieht, kann Fäden der Kulisse oder der Requisiten sehen, das Schauspiel ist unterirdisch. Dass der Film nur neun Jahre vor «2001: A Space Odyssey» gedreht wurde, setzt dem ganzen die Krone auf.

Bela Lugosi, berühmt für seinen «Dracula», mimt hier einen Wiederauferstandenen – zufälligerweise auch im Dracula-Gewand.
Reynolds Pictures

«Iron Sky

Was wäre, wenn die Nazis 1945 gar nicht besiegt worden wären, sondern sie sich einfach zurückgezogen haben? Das Konzept von «Iron Sky» behauptet genau das. Und sie haben sich weit zurückgezogen – nämlich auf den Mond. Sie formen sich neu und kommen 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf die Erde zurück, um Rache zu üben.

Die Idee des Films ist komplett lächerlich, aber darauf waren die Macher auch aus. Der Streifen will Trash sein, ist dafür aber zu wenig überspitzt. Wer bei einem solchen Konzept filmisch nicht in die Vollen geht, der hat gleich verloren. Das Problem mit «Iron Sky» ist folgendes: Wenn man schon mit einer solchen Idee um die Ecke kommt, dann sollte man sie in ihrer Lächerlichkeit auch vollkommen begrüssen. An zu vielen Stellen versucht der Streifen allerdings pseudo-ernsthaft zu sein.

«Solaris»

Das Buch des polnischen Autors Stanislaw Lem wurde mit der Version von 2002 schon zum zweiten Mal verfilmt. Die erste war ein Hit im Kino, zweitere ein Flop.

Der Grund ist simpel: Das Buch «Solaris» ist ein Meisterwerk. Es behandelt die menschliche Psyche sehr detailliert und reisst einen in einer Abwärtsspirale in den Wahnsinn. In der filmischen Version mit George Clooney hat sich Hollywood auf einen Aspekt konzentriert, der im Buch nur nebensächlich ist: Die Romanze zwischen den Protagonisten steht über allem. Das Remake von «Solaris» hätte so gut sein können, doch es wurde zu sehr hollywoodisiert.

«Passengers

Apropos Liebesgeschichte: Chris Pratt und Jennifer Lawrence erleben eine solche im Film «Passengers» aus dem Jahr 2016. Auch hier ist das Konzept überaus interessant – die Umsetzung ist es, die Kopfschmerzen bereitet.

Die Erde hat in der Galaxie mehrere Kolonien und die verwaltende Firma organisiert interstellare Passagen für Auswanderer. Da die Kolonien weit weg sind, verbringen die Passagiere den Weg im sogenannten «Hyperschlaf». Sie wachen auf, sobald sie ihr Ziel erreicht haben – nicht aber Jim Preston (Chris Pratt) und Aurora Lane (Jennifer Lawrence). Jim wacht auf und ist nach einem Jahr in Einsamkeit depressiv. Also schaut er sich die Persönlichkeitsprofile der anderen Passagiere an und verliebt sich in Aurora – und weckt sie auf.

Die ganze Geschichte ist im Grunde eine 08/15-Romanze in ungewohnter Umgebung. Sie verlieben sich, streiten sich, trennen sich und schliesslich kommen sie wieder zusammen und leben glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. Ein Zweistünder, den man sich getrost sparen kann.

«Battlefield Earth

Nun kommen wir zum unangefochtenen König der schlechten Science-Fiction: «Battlefield Earth» wurde von Kritikern weltweit als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten abgestempelt und war einer der grössten Flops der Filmgeschichte. Die überhöhte Angabe des Budgets führte gar zu einem umfangreichen gerichtlichen Nachspiel, welches die produzierende Firma Franchise Pictures in den Ruin trieb.

Zum Misserfolg beigetragen hat wohl auch die Romanvorlage des Sci-Fi-Streifens. Jene stammte nämlich vom Scientology-Gründer L. Ron Hubbard. John Travolta wurde mitunter immer wieder mit der Sekte in Verbindung gebracht, er spielte nicht nur die Hauptrolle, sondern war auch der Produzent.

John Travolta (Mitte) und Forest Whitaker (rechts) müssen diesen Karriereknick wohl oder übel hinnehmen.
Warner Bros.
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