Interview Jennifer Lopez: «Ich will nicht, dass mein Mann in Strip-Clubs geht»

Von Marlène von Arx, Los Angeles

28.11.2019

Jennifer Lopez will es noch einmal wissen: Die Sängerin und Schauspielerin mimt mit 50 Jahren eine Stripperin. «Bluewin» erzählt sie, warum der Film Frauen bestärkt und wie ihre Pole-Dancing-Lektionen aussahen für «Hustlers».

Sie filmt, singt, tourt – und jetzt gilt Jennifer Lopez auch noch als Oscar-Anwärterin: Als gewiefte Nachtclub-Tänzerin in «Hustlers» zieht sie ihren Kunden das Geld auf besondere Art aus der Tasche. Die Multitaskerin über ihre Transformation in eine Stripperin, warum sie nicht relaxen kann und weshalb der Ex-Baseball-Star Alex Rodriguez der richtige Ehemann Nr. 4 ist.

Sie haben sich für Ihre Rolle als Nachtclub-Tänzerin in ‹Hustlers› persönlich in Strip-Clubs umgesehen. Was haben Sie da gelernt?

Viel. Die einen Girls spulten einfach ihre Nummer ab, anderen traten auf wie Stars – die nahm ich als Inspiration für Ramona. Ich habe mich auch mit den Girls unterhalten. Es gibt die verschiedensten Gründe, warum sie da arbeiten: Ein Mädchen sagte mir, sie sei stolz auf ihren Körper und tanze gerne vor Leuten, eine andere ist eine alleinerziehende Mutter und eine Dritte geht aufs College und kann nicht aufhören. Sie ist nahezu süchtig.

Süchtig zu Strippen?

Ja, es ist wie eine Spielsucht. Jeden Abend besteht die Möglichkeit, den Jackpot zu knacken. Die Leute werfen einem Geld entgegen. Manchmal an einem Abend nur 40 Dollar. Es können aber auch 5'000 Dollar sein. Es ist wie im Casino: Vielleicht macht man heute den grossen Gewinn!



Ihre Filmpartnerin Constance Wu vertritt die Ansicht, dass Frauen sich keine Sorgen zu machen brauchen, wenn ihr Mann in einen Strip-Club geht, da die Tänzerinnen die Kunden nicht mit nach Hause nehmen und nur aufs Geld aus sind. Was meinen Sie dazu?

Ich würde mir Sorgen machen. Ich will jedenfalls nicht, dass mein Mann in Strip-Clubs geht. Viele der Kunden führen doch ein Doppelleben.

Sie legen zu Beginn des Films eine beeindruckende Nummer aufs Parkett. Habe Sie die zuerst vor Ihrem Verlobten Alex Rodriguez geprobt?

Er hat meine Transformation in Ramona schon genossen. Am Anfang ihres ersten Hausbesuches sagte meine Pole-Dance-Lehrerin, ich soll mich bis auf die Unterwäsche ausziehen, weil die Haut an der Stange kleben muss. Und ich so: Geht’s noch, wir kennen uns ja gar nicht! Alex kam sofort rüber und fing an zu filmen – und stellte auch gleich einen Teaser ins Internet. Er war sehr beeindruckt, was ich mit der Zeit alles lernte, denn am Anfang kam ich nicht mal die Stange hoch.

Haben Sie Tipps von Rapperin Cardi B bekommen, die selber Stripperin war und eine kleine Rolle in ‹Hustlers› spielt?

Wir haben darüber gesprochen. Sie sagte, es hätte Jahre gedauert, bis sie gut im Pole-Dancing war. Mir standen nur ein paar Wochen zur Verfügung. Ich habe schwer an der Oberkörper- und Bauchmuskulatur gearbeitet und mich auch sonst ziemlich reingekniet. Es gab riesige blaue Flecken an den Beinen und den Schultern. Die taten weh, und ich musste am nächsten Tag wieder ran. Ich weinte sogar ein bisschen dabei.

Frauen müssen sich viel öfters Fragen nach dem Äusseren gefallen lassen als Männer, und ich vermeide sie in der Regel. Aber Sie sind im Sommer 50 geworden, was Ihre bereits legendäre ‹Hustlers›-Nummer noch erstaunlicher macht. Was ist Ihr Beauty-Geheimnis?

Ich schaue einfach gut zu mir. Meine Mutter hat mir zudem eingetrichtert, keinen Alkohol zu trinken und keine Drogen zu nehmen. Das machen ja die meisten Mütter, aber unsere hat uns wirklich Angst gemacht. Sie sagte, das Zeug sei Gift und werde uns die Seele stehlen. Ich bin dann einfach nie auf den Geschmack gekommen. Ich rauche auch nicht. Das hilft vielleicht der Haut jung zu bleiben.

Sie sind auch Produzentin des Films, in dem Stripperinnen einen Plan aushecken, wie sie ihre Wall Street Kunden auch nach der Finanzkrise um ihr Geld bringen können. Was hat Sie an der wahren Geschichte gereizt?

Sie erinnert mich an ‹Goodfellas› oder ‹Boogie Nights›. Wir befinden uns in einer gefährlichen, sexy Unterwelt, die wir aber noch nie aus der Perspektive von Frauen gesehen haben. Hier sind das Ensemble, die Regisseurin, die Produzentinnen, alles Frauen und die Geschichte wird aus dem weiblichen Blickwinkel erzählt. Das passiert nicht jeden Tag. Ich bin sehr stolz, Teil der Bewegung zu sein, die Frauen eine Stimme gibt.

Bei Ihnen ist immer etwas los: Neben Ihrer Schauspielkarriere haben Sie auch gerade eine grosse Tournee hinter sich. Können Sie überhaupt an den Strand liegen und ausspannen?

Es ist nicht einfach, denn Kreativität ist ein Fluch: Gerade wenn man am Ausspannen ist, kommen einem die besten Ideen. Und dann kann man nicht aufhören, darüber nachzudenken. Mit Drehen und Proben komme ich manchmal wochenlang nicht zum Schlafen. Aber ich bin glücklich, wenn ich das erfolgreiche Endprodukt sehe. Ich hatte noch nie so viele gute Möglichkeiten und ich werde immer selbstbewusster und besser. Das ist nicht der Moment, nun die Bremse zu ziehen.

Sehen das Ihre elfjährigen Zwillinge Emme und Max auch so?

Ja, sie sind glückliche Kinder. Wir waren alle zusammen auf Tournee diesen Sommer im Bus quer durch die USA. Für sie war es wie ein Camping Trip, bei dem die Mama am Abend halt die falschen Wimpern anklebt und im Glitzerkleid singt und tanzt. Emme sang sogar mit auf der Tour. Die Kinder hatten lange Heimunterricht, damit sie bei mir sein konnten. Aber jetzt gehen sie in die Schule. Das haben sie sich gewünscht und das erfordert Anpassungen, aber wir kriegen das schon hin.

Welche Anpassungen?

Max kam vor Kurzem nach Hause und sagte, dass in der Schule alle wissen wollen, ob ich seine Mutter sei. Er wusste nicht, was antworten. Ich habe ihm dann geraten, den Mitschülern die Wahrheit zu sagen: Ja meine Mutter ist Jennifer Lopez, sie ist wie andere Mütter auch. Dazu macht sie Filme und tanzt. Das ist alles. Er soll stolz darauf sein, wer er ist. Nur weil sich andere komisch verhalten, braucht er es ihnen ja nicht gleich zu tun.



Seit März sind Sie mit dem Ex-Baseball-Star Alex Rodriquez verlobt. Wann ist die Hochzeit?

Wir haben momentan keine konkreten Pläne. Wir haben ein paar Mal über eine gemeinsame Zukunft gesprochen, aber es kam dann doch überraschend, als er um meine Hand anhielt.

Was macht ihn zum Richtigen für eine vierte Ehe?

Wir lieben uns, mögen die Gesellschaft des anderen und respektieren uns gegenseitig. Und wir treten für einander auf die Matte. Das ist wichtig in einer Beziehung. Besonders, wenn beide ein grosses Leben haben, muss man füreinander da sein – psychisch und physisch. Das heisst auch, zu den Konzerten zu kommen oder zu den Sportanlässen. Er ist immer für mich und die Familie da. Das ist etwas Wunderschönes.

«Hustlers» läuft ab 28. November in unseren Kinos.

Die Kino-Highlights im November
Zurück zur Startseite