Orlando Bloom: «Es war nicht alles Freude und Glück bei uns»

Marlène von Arx, Los Angeles

6.8.2020 - 00:00

Musikerin Katy Perry und Schauspieler Orlando Bloom sind seit Februar 2019 verlobt.
Keystone

Orlando Bloom im Hoch: Kurz vor der Geburt seiner Tochter, die seine Verlobte Katy Perry im August erwartet, erntet Bloom für «Retaliation» die besten Kritiken seiner Karriere – trotzdem ist ihm oft zum Weinen zumute.

Dank «Lord of the Rings» und «Pirates of the Caribbean» wurde Orlando Bloom vor bald zwanzig Jahren zum Star. Seither träumte er davon, nicht nur als Mädchenschwarm wahrgenommen zu werden. Jetzt erhält der 43-Jährige für seine schauspielerische Leistung als Missbrauchsopfer in «Retaliation» grosses Lob. Dazu erwarten er und Popstar Katy Perry jeden Augenblick das erste gemeinsame Kind (Bloom hat bereits einen Sohn mit Model Miranda Kerr). Der Brite ist endlich wieder hoch im Kurs – und dennoch ist ihm derzeit oft zum Weinen zumute. Im Interview erklärt er weshalb.

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen. Sie werden ja bald Vater, herzliche Gratulation!

Danke, wir freuen uns sehr. Mein Sohn Flynn kann es kaum erwarten, eine kleine Schwester zu haben. Er hat schon zwei Brüder via Miranda. Es ist eine schöne, wenn auch eine ungewöhnliche Zeit.

Das Coronavirus hat auch das verändert. Ziehen Sie unter diesen Umständen eine Hausgeburt in Betracht?

Momentan sind noch alle Optionen auf dem Tisch. Katys Schwester hatte beide Kinder zu Hause geboren. Katy hat keine Angst davor. Sie hat vor nichts Angst und ich eigentlich auch nicht. Spitäler haben ihre Regeln, die wir befolgen: Wir haben zur Sicherheit unser soziales Umfeld auf enge Familienmitglieder und Freunde verkleinert. Das scheint das Schlauste zu sein, was wir für uns alle zurzeit machen können.

Dass Sie wegen Corona auch die Hochzeit verschieben mussten, ist nur das jüngste Kapitel Ihrer turbulenten Beziehung …

Ja, es war nicht alles Freude und Glück bei uns. Wie alles im Leben, das echt ist, hat es seinen Lauf mit Höhen und Tiefen genommen. Schon die Umstände, wo der erste Funken sprang, waren ja im Nachhinein betrachtet etwas komisch.

Wo war das denn?

Bei einer Harvey-Weinstein-Party nach den Golden Globes. Es war das Jahr, als Leonardo DiCaprio für ‹The Revenant› gewann. Ich hatte sie schon an der Award Show gesehen, als ich bei der Preisverleihung ins Publikum schaute. Sie trug dieses schöne pinke Kleid und ich dachte: ‹Wow, das ist Katy Perry.› Sie sass bei Denzel Washington, der Burger bestellt hatte. Ich ging rüber und fragte, ob ich einen haben könnte – und zwinkerte ihr dabei zu. Das war’s. Dann trafen wir uns an der Weinstein-Party, und so begann unsere Geschichte, die keine Hollywood-Love-Story war, die man hier länger ausbreiten müsste.

Dann sprechen wir von Ihrem Film ‹Retaliation›: Sie spielen einen Mann, der einst von einem Priester sexuell missbraucht wurde und nun auf Rachefeldzug ist. Inwiefern konnten Sie sich mit der Rolle identifizieren?

Als junger Mann konnte ich auch recht wütend sein. Ich war dyslexisch und hatte Mühe in der Schule. Malky im Film distanziert sich zum Selbstschutz von allen Menschen, die er gerne hat. Seine Beziehungen tragen den Schaden davon. Sein Kopf und Körper zersetzen sich aufgrund dessen, was ihm passiert ist.

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Ich habe mit der Organisation ‹1 in 6› gearbeitet – einer von sechs Männern hat oder wird im Leben Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch machen. Das sind deftige Zahlen. Sie repräsentieren Geschichten, die oft übersehen werden. Der Film beleuchtet auch das Misstrauen gegenüber unseren Institutionen wie der Kirche, der Polizei, dem Staat. Deshalb ist das Timing für den Film momentan ideal.

2001 wurde Orlando Bloom über Nacht zum Star und Frauenschwarm – dank seiner Rolle als Legolas in «Der Herr der Ringe».
New Line Cinema

Sie wurden vom Erzbischof von Canterbury konfirmiert. Wie stehen Sie heute zur Kirche?

Einen Glauben zu haben, ist der Schlüssel zum Leben. Davon bin ich fest überzeugt. Ich habe die buddhistische Philosophie für mich entdeckt, als ich nach London gezogen bin. Sie funktioniert für mich in meinem Alltag. Insbesondere hilft mir diese Spiritualität auch jetzt, wo wir alle zu Hause bleiben müssen.

Sie haben für die Rolle die besten Kritiken Ihrer Karriere bekommen. Darauf mussten Sie lange warten, sind Sie doch mit den Blockbustern ‹Lord of the Rings› und ‹Pirates of the Caribbean› bekannt geworden und erhofften sich sicher längst, als Schauspieler ernst genommen zu werden. Wie fühlt sich das Lob nun an?

Es berührt mich sehr und ich bin dankbar, dass dieser schwierige Film nach drei Jahren doch noch ins Kino gekommen ist und ein Publikum gefunden hat. Es war ein langer Weg von der Schauspielschule über diese grossen Filme, die mir eine Plattform gaben, bis zur Serie ‹Carnival Row›, dem Bühnenstück ‹Killer Joe› und dem Soldatenfilm ‹The Outpost› der vergangenen beiden Jahre.

Ich versuchte, meinen eigenen Platz zu finden und wenigstens Rollen zu spielen, die zeigen, wie weit ich emotional zu gehen bereit bin. Diese Möglichkeiten hatte ich bisher eigentlich nicht. Es ist wirklich ein Aufsteller, dass nach all den Jahren die Leute etwas Nettes zu sagen haben. Und es war der Lichtstrahl in einer sehr dunklen Zeit für mich, als ich meinen Hund verlor.

«Carnival Row» hat durchzogene Kritiken – die Serie wurde allerdings bereits für eine zweite Staffel erneuert.
Amazon Studios

Ihr Hund Mighty verschwand im Juli. Was war passiert?

Mighty war eigentlich immer in meiner Sichtweite, aber eines Abends zog der kleine Abenteurer auf Entdeckungsreise los. Wir suchten vergebens nach ihm und nach sieben Tagen fanden wir sein Halsband. Er war die physische Repräsentation meines Herzens. Er war ein ganz Grosser in einem kleinen Körper. Wenn ich zu viel über ihn spreche, fange ich an zu weinen. Ich vermisse ihn so. Er war ein Geschenk von Katy. Es war gut für sie zu sehen, dass ich in so einer Situation alle Hebel in Bewegung setzte. Vielleicht hat er einfach Platz gemacht für das kleine Mädchen, das wir bald bekommen.

Es ist Ihr zweites Kind. Haben Sie Tipps für Männer, die zum ersten Mal Vater werden?

Präsent zu sein, ist das Wichtigste. Männer denken, sie hätten am Anfang keine Aufgabe, aber das ist nicht so. Ich habe Flynn nachts die Flasche gegeben, weil Miranda Bettruhe und Schlaf verordnet bekam. Das Haus war so ruhig. Ich vergesse den Moment nie, als ich ihn zum ersten Mal nachts im Arm hielt und er mich ansah. Es war magisch!

«Retaliation» ist unter dem Titel «Romans» auf DVD/Bluray erhältlich.

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