Wer ist denn nun der beste 007 aller Zeiten?

Pascal Wengi/Fabian Tschamper

15.10.2020 - 14:18

Was geschieht, wenn sich zwei Bond-Fans streiten? Niemand gewinnt und keiner hat recht. Und doch stellen sich zwei «blue News»-Redaktoren die Frage, welcher 007 denn nun der beste Spion ihrer Majestät war.

«Früher war alles besser» – oder doch eher «Veränderung ist gut»? Diese Floskeln lassen sich definitiv auf James Bond anwenden. Der Charakter des charmanten, ja chauvinistischen Agenten mit der Lizenz zum Töten hat in den letzten Jahren eine grosse Veränderung durchgemacht. Bonds Auftritt wurde mit Daniel Craig kantiger, rücksichtsloser.

Generell bin ich ein Fan von Charakterentwicklung, egal in welchem Genre man sich bewegt. Sobald eine Figur sich aufgrund der gesammelten Erfahrungen verändert – und diese Veränderung auch Sinn macht –, bin ich ganz Ohr.

Der alte Bond war ein Charmeur, ein Womanizer, über 40 Jahre lang hat sich der Charakter nicht vom Fleck bewegt. Craigs Bond hat dieses uralte Rezept aufgepeppt und 007 nicht nur optisch einen neuen Look verpasst, zum ersten Mal entwickelt sich Bond auch charakterlich weiter.

Und mir ist klar: Viele Leute mögen Craig nicht, das sei nicht mehr Bond und so weiter und so fort. Und denen sage ich: Nach 20 Filmen mit derselben Masche, denselben Klischees wurde es höchste Eisenbahn für eine grundlegende Veränderung.



Und das heisst keineswegs, dass ich die anderen Bond-Darsteller nicht mag. Connery ist für mich der Bond schlechthin, Moore und Brosnan mochte ich auch. Craig ist einfach der Bond der nächsten Generation, auch wenn sich Autor Ian Fleming dabei im Grab umdrehen sollte.

Das passt dir aber nicht, oder Pascal? (Anm. der Redaktion: Pascal Wengi ist Social-Media-Redaktor bei «blue News»).

Pascal Wengi: Nein, Fabian!

So sehr ich deine Meinung als Film-Profi schätze, so kann ich dich einfach nicht ernst nehmen, wenn du Daniel Craig als deinen Favoriten nennst.

Daniel Craig, der blonde Anti-Bond. Nicht nur gehört «Ein Quantum Trost» zum schlechtesten, was die Bond-Reihe zu bieten hat. Daniel Craig beraubt Bond auch allem, was ihn ausmacht. Er hat ihn genauso gebrochen und verstümmelt, wie es seiner Bond-Version im Verlauf der Filme ergeht: Kaputt, geprügelt, dreckig, wütend. Wenn er dann in «Casino Royale» vom Barmann gefragt wird, ob er seinen Wodka-Martini geschüttelt oder gerührt mag und Craig «Sehe ich aus, als ob mich das interessiert» antwortet, dann tritt er ein Erbe mit Füssen, was er sich bis dahin noch gar nicht verdient hat. Bond trinkt seinen Wodka-Martini geschüttelt, nicht gerührt und das kann so ein Craig-Bubi nicht einfach des kurzsichtigen Lachers wegen umstossen.



Klar ist die Action geil, die Stunts halsbrecherisch und er macht über die Filme hinweg eine Charakterentwicklung durch. Schön und gut, aber ein James Bond braucht das nicht. James Bond ist für mich der unantastbare Super-Spion. Er rettet die Welt nicht, weil er in sich kehrt und sich findet, sondern weil er einfach der beste 00-Agent für Krone und Vaterland ist. Für mich verkörpert dies ebenfalls Sean Connery – der James Bond schlechthin. Charmant, schlagfertig und cool kombiniert mit dieser britischen Gleichgültigkeit. So hat ihn sich Ian Fleming ausgedacht, als er die Figur James Bond erfunden hat.

Craig wirkt gegen Connery wie ein dahergelaufener Strassenraufbold. Ganz zu schweigen davon, dass Sean Connery auch jetzt im hohen Alter noch immer diese Ausstrahlung besitzt.

Nach Sean Connery teilen sich für mich Pierce Brosnan und Roger Moore den zweiten Platz. Vor allem Moore hat in seiner Version Bond als Charmeur und Womanizer zur Perfektion gebracht. Wenn er etwas lösen kann, indem er eine Frau verführt, dann ist Roger Moore mit an Bord. Abschliessend muss ich sagen: Ich bin einfach nur froh, dass mit «No Time To Die» die Zeit für Craig gekommen ist.

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Wer sich nun nicht mehr so wirklich an die Bonds vor Daniel Craig erinnern kann: Ab 15.10. zeigen die blue Cinemas alle 24 Vorgänger zu «No Time to Die». Platzreservationen und Tickets gibt es hier.

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