Neue Serie «Oh Hell»

Ja, auch du wirst diese trottelige Loserin in dein Herz schliessen

Von Lukas Rüttimann

17.3.2022

«Fleabag» auf Deutsch

«Fleabag» auf Deutsch

Schräger Humor war bis jetzt nicht so das Ding von deutschen Serien. «Oh Hell» wird das ändern – der umwerfenden Mala Emde sei Dank. Ab 17.3. exklusiv bei blue Play.

17.03.2022

Schräger Humor war bis jetzt nicht so das Ding von deutschen Serien. «Oh Hell» wird das ändern – der umwerfenden Mala Emde sei Dank.

Von Lukas Rüttimann

17.3.2022

Können Deutsche Netflix? Seit dem Erfolg von Serien wie «Dark» kennen wir die Antwort. Doch während inhaltlich eher schwere Themen schon immer irgendwie ein Ding unserer Nachbarn im Norden waren, sieht es beim Humor etwas anders aus.

Vor allem an bissiger Satire in der Art, wie man sie aus dem englischen Sprachraum kennt, hat man sich in der Vergangenheit immer wieder die Zähne ausgebissen. Über Humor lässt sich nun mal nicht streiten. Vor allem nicht, wenn es um lokale Eigenheiten geht.

Loserin mit Sex-Appeal

«Oh Hell» wird das ändern, zumindest im kleinen Kreis. Denn die Serie ist eine überschaubare Produktion ohne Special Effects und grosse Stars. Dafür mit messerscharfen Dialogen, treffsicheren Sprüchen und genau jener Prise Schrägheit, wie man sie von englischen oder US-Vorbildern kennt.

Man könnte «Oh Hell» als Mix aus «Fleabag» und «Ally McBeal» beschreiben. Und doch hat die Serie einen ganz eigenen Groove.

Im Mittelpunkt der acht Folgen steht die 24-jährigen Helene (Mala Emde), die von allen nur «Hell» genannt wird. Dass dieser Name das englische Wort für «Hölle» ist, kann kein Zufall sein: Hell kriegt nichts auf die Reihe, ist ständig pleite und völlig verantwortungslos. Neben ihrer Freundin Maike (Salka Weber) und deren perfektem Influencerinnen-Leben wirkt Hell wie ein wandelndes Chaos. Eines, das permanent zwischen Stuhl und Bank fällt.

«Oh Hell» ist aber kein Drama, sondern eine Komödie. Deshalb trägt Helene zwar ein Loser-L auf der Stirn, das aber mit Stil, Drive und Sex-Appeal. Sie hat Fantasie, ist schlagfertig, leidenschaftlich, intuitiv und höllisch lustig. So schafft sie es, aus den schlimmsten Situationen irgendwie heil rauszukommen – und zieht so das Publikum in ihren Bann.

Unterhaltung, nicht Shakespeare

Klar, das Ganze ist nicht «Succession». Es gibt keine Shakespeare-artigen Verstrickungen und Wendungen. Doch die Serie von Johannes Boss («Jerks», «Deadline») ist enorm kurzweilig, durchaus originell – und hat einen grossen Trumpf im Ärmel. Dieser heisst Mala Emde, spielt Hell und ist allein das Eintrittsgeld respektive das Einschalten wert.

Die bislang wenig bekannte Frankfurterin spielt die höllische Helene mit einem perfekten Mix aus sprödem Nerd-Charme und koketter Trotteligkeit. Man kann gar nicht anders, als diese sexy Loserin cool zu finden. Und man muss auch kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass hier ein Star in the making ist, wie die Amerikaner so schön sagen. Phoebe Waller-Bridge («Fleabag») und Calista Flockhart («Ally McBeal») haben es schliesslich vorgemacht.

«Oh Hell» läuft ab 17. März exklusiv bei blue Play und ist kostenlos für alle blue TV-Kunden mit einem Abo M, L oder X.