Kulturkampf ums französische Kino Französischer Sender droht 600 Filmschaffenden mit Rauswurf

dpa

20.5.2026 - 23:04

In Frankreich gibt es Wirbel um eine Drohung des Bezahlsenders Canal+, 600 Filmschaffende nach einem kritischen offenen Brief rauszuwerfen. (Symbolbild)
In Frankreich gibt es Wirbel um eine Drohung des Bezahlsenders Canal+, 600 Filmschaffende nach einem kritischen offenen Brief rauszuwerfen. (Symbolbild)
dpa

Nach einem offenen Brief gegen den konservativen Medienmogul Vincent Bolloré will Canal+ 600 Filmschaffende ausschliessen. Droht Frankreichs Filmbranche ein Machtkampf um Vielfalt und Einfluss?

DPA

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Canal+-Chef Maxime Saada drohte 600 französischen Filmschaffenden mit dem Ende der Zusammenarbeit, nachdem diese in einem offenen Brief vor dem Einfluss von Vincent Bolloré gewarnt hatten.
  • Der konservative Milliardär Bolloré hält 30 Prozent an Canal+ und will nun die Kinokette UGC übernehmen, was ihm die Kontrolle über die gesamte Filmproduktionskette verschaffen würde.
  • Zu den betroffenen Filmschaffenden zählen prominente Namen wie Regisseur Arthur Harari und Schauspielerin Juliette Binoche.

Der französische Bezahlsender Canal+ hat 600 französischen Filmschaffenden mit einem Ende der Zusammenarbeit gedroht. Die Filmschaffenden hatten zuvor vor einem wachsenden Einfluss des konservativen Medienmoguls Vincent Bolloré auf die Branche gewarnt.

Als Reaktion auf einen entsprechenden offenen Brief der Filmschaffenden in der Zeitung «Libération» sagte der Chef des Senders, Maxime Saada, während der Filmfestspiele in Cannes, dass er nicht mehr möchte, dass sein Sender mit den Unterzeichner*innen zusammenarbeitet.

In Frankreich wächst der Widerstand gegen den rechtskonservativen Medienmongul Vincent Bolloré.
In Frankreich wächst der Widerstand gegen den rechtskonservativen Medienmongul Vincent Bolloré.
Keystone

Wenn diese Androhung tatsächlich umgesetzt wird, würde das bedeuten, dass etwa Regisseur Arthur Harari oder die Schauspielerin Juliette Binoche nicht mehr für Produktionen von Canal+ verpflichtet würden. Der Sender spielt eine wichtige Rolle in der Filmförderung in Frankreich. Bei einem Ausschluss der Filmschaffenden würde Canal+ sich aber auch ins eigene Fleisch schneiden, weil ihm dann namhafte Schauspieler*innen für seine Filme fehlen.

Milliardär Bolloré will Kinokette übernehmen

Der Milliardär Bolloré hält einen Anteil von rund 30 Prozent an Canal+ und möchte nun die Kinokette UGC erwerben. In ihrem offenen Brief kritisieren die Filmschaffenden, dass Bolloré damit in der Lage wäre, die gesamte Filmproduktionskette zu kontrollieren, von der Finanzierung bis zur Ausstrahlung im Fernsehen und im Kino.

Der konservative Milliardär und Medienunternehmer Bolloré ist in Frankreich umstritten. Teils wird von einer «Bollorisation» der von ihm übernommenen Medien gesprochen. Damit wird eine Verschiebung der redaktionellen Linie nach rechts und rechtsaussen gemeint. Im April hatten über 200 Autor*innen deswegen den Verlag Grasset, der Bolloré gehört, verlassen.

«Der Kulturkampf, von dem überall die Rede ist, bezeichnet nicht bloss eine Auseinandersetzung zwischen Ideen», schrieben die Filmschaffenden in ihrem Aufruf. «Indem wir das französische Kino in die Hände eines rechtsextremen Unternehmers geben, riskieren wir nicht nur eine Vereinheitlichung der Filme, sondern auch eine faschistische Vereinnahmung der kollektiven Vorstellungswelt.»


Mehr aus dem Ressort

Guy Ritchie über «In the Grey»: «Ich mag diese altmodischen, loyalen Alleskönner – aber für diese Rolle war eine Frau perfekt»

Guy Ritchie über «In the Grey»: «Ich mag diese altmodischen, loyalen Alleskönner – aber für diese Rolle war eine Frau perfekt»

Kultregisseur Guy Ritchie gilt als Meister des humorvollen Actionkinos und liefert seit bald 30 Jahren Spektakel für die Leinwand. blue News sprach mit ihm über seinen neuen Film «In the Grey».

13.05.2026