«Tatort» im Check Fühlen sich junge Menschen heute tatsächlich einsamer?

Maximilian Haase

23.11.2025

Die Leiche einer jungen Frau wird erst nach Monaten zufällig bei einem Hausbrand gefunden. Warum hat sie im Stuttgarter «Tatort» niemand vermisst? Wie oft passiert das? Und sind junge Menschen heute einsamer?

Teleschau

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  • Im Stuttgarter «Tatort: Überlebe wenigstens bis morgen» wird die Leiche einer jungen Frau in deren Wohnung erst nach Monaten zufällig bei einem Hausbrand entdeckt.
  • Die Stuttgarter Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) fragen sich, warum niemand Nelly Schlüter vermisst hat.
  • Wie oft kommen derartige Fälle vor – und wie einsam sind junge Menschen heutzutage wirklich?

Seit die Folgen der Corona-Pandemie aufgearbeitet werden, diskutiert man über die neue Einsamkeit der Jungen. Hat eine ganze Generation in Zeiten von Lockdown, Homeoffice und Social-Media-Stubenhockerei das gemeinsame Leben verlernt?

Im «Tatort: Überlebe wenigstens bis morgen» ermitteln die Stuttgarter Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) wegen des Fundes einer jungen Frauenleiche.

Warum hat niemand Nelly Schlüter vermisst? Wie oft kommt es vor, dass in Deutschland Menschen tot aufgefunden werden, auf die offenbar niemand wartete? Und ist es ein Gefühl oder wissenschaftlich bewiesen, dass sich die Jugend von heute einsamer fühlt?

Worum ging es?

Die Leiche der jungen Nelly Schlüter (Bayan Layla) wird zufällig beim Brand in einem Mietshaus entdeckt. Die Feuerwehr musste ihre Wohnungstür aufbrechen. «Atypisches Erhängen» wird als Todesursache festgestellt. Einiges weist darauf hin, dass sich Nelly vor Monaten im Sitzen mit einem Strick das Leben nahm. Oder hat jemand nachgeholfen?

Lannert und Bootz treffen auf schockierte Eltern (Robert Kuchenbuch und Idil Üner), den Ex-Freund (Malik Blumenthal) und die ehemals beste Freundin (Trixi Strobel) der Toten, die mit ihrem Mann (Louis Nitsche) ein Baby bekommen und sich stark ins Private zurückgezogen hatte. Wie kann es sein, dass keiner dieser Menschen über Monate nachgefragt hat, wie es Nelly geht?

Worum ging es wirklich?

Einsamkeit ist ein Thema, dass Drehbuchautorin Katrin Bühlig schon öfter in eindringlichen «Tatort»-Folgen thematisierte.

Zuletzt im Kieler Fall «Borowski und das hungrige Herz» (2022) über Sexsüchtige oder auch im Bremer Fall «Im toten Winkel» (2018), der von einem Pflegedienst und seinen Patienten erzählte. Auf den ersten Blick ist es ein unglaubwürdiges Szenario, dass eine junge, attraktive Frau über Monate von niemandem vermisst wird.

Im Zuge der Ermittlungen klingt Nellys Geschichte dann aber doch erschreckend logisch: Wegen Homeoffice und wechselnder Freiberuflichkeit vermisste sie kein Arbeitgeber.

Auch eine feste Partnerschaft hatte sie zuletzt nicht. Von den befragten Männern, mit denen sich Nelly zuletzt über eine Dating-App traf, hört man, sie sei sehr anhänglich gewesen – was die «Dating Dudes» offenbar nervte.

Und die Eltern? Tatsächlich kennt man heute einige Menschen, die über Wochen und Monate nicht mit ihrem Kind oder den Eltern reden, die vielleicht in einer anderen Stadt leben. Und das geht sogar ganz ohne Streit.

Wie viele Leichen werden auf diese Weise gefunden?

Besonders in Grossstädten und Ballungsräumen treten regelmässig Fälle auf, bei denen Menschen längere Zeit in ihren Wohnungen lebten und irgendwann tot aufgefunden werden, ohne dass sie vermisst wurden. Diese sogenannten «stillen» Todesfälle entstehen häufig durch Einsamkeit.

Betroffen sind meist Senioren und andere sozial isolierte Personen. Weil in den meisten Fällen keine kriminalpolizeilichen Ermittlungen nötig sind, werden diese Leichenfunde statistisch nicht gesondert erfasst.

Ist die Einsamkeit der Jungen wissenschaftlich erwiesen?

Mehrere Studien haben in den letzten Jahren festgestellt, dass der Anteil junger Menschen, die sich einsam fühlen, seit den 2000-er Jahren ansteigt.

Eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach (2023) fand heraus, dass vor allem die Corona-Pandemie das Gefühl der Isolation verstärkt habe.

Das Fachmagazin «Psychologische Rundschau» kam zum gleichen Ergebnis, als man 2022 Analysen und Metaanalysen zu dieser Fragestellung verglich.

Wie einsam fühlen sich junge Menschen in der Schweiz?

Obwohl die Schweiz im europäischen Vergleich oft zu den Ländern mit den am wenigsten einsamen Menschen gezählt wird, bleibt die absolute Zahl der Betroffenen hoch. Etwa 36 Prozent der Gesamtbevölkerung fühlen sich zumindest ab und zu einsam.

Die Erkenntnis, dass Einsamkeit unter jungen Menschen (15 bis 24 Jahre) eine der höchsten ist und zugenommen hat, stammt unter anderem aus Daten des Bundesamts für Statistik (BFS).

Wie geht es beim Stuttgarter «Tatort» weiter?

Der nächste «Tatort: Ex-It» aus Stuttgart kommt bereits am Sonntag, 18. Januar 2026.

Es geht um ein ehemaliges It-Girl (Kim Riedle), das nicht in der neuen Welt der Influencer angekommen ist. Ihre Ehe – Hans Löw spielt den Mann – und Selbstwertgefühl geraten völlig aus den Fugen, als eines ihrer Kinder umkommt und das andere entführt wird.

Das Drehbuch stammt von Wolfgang Stauch, inszeniert wurde der Krimi von Friederike Jehn. Das Duo hat 2020 bereits den Stuttgarter «Tatort: Du allein» rund um die erpresserische Mordserie eines Snipers erschaffen.



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