Förderung statt Quote «Fun Fatale»: Warum die neue SRF-Comedy-Show nur auf Frauen setzt

Bruno Bötschi

2.5.2026

Mit «Fun Fatale» lanciert das Schweizer Fernsehen ein Stand-up-Format, das konsequent auf Frauen setzt – vor und hinter der Kamera. Moderatorin Andrea Fischer Schulthess sagt im Interview, warum das nötig ist.

Bruno Bötschi

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Das Schweizer Fernsehen erweitert sein Comedy-Angebot und lanciert am Sonntag, 3. Mai, 21.40 Uhr, das neue Stand-up-Format «Fun Fatale».
  • Vorerst sind vier Abende geplant, aufgezeichnet im Theater Millers in Zürich. Erfahrene Komikerinnen wie Patti Basler, Jane Mumford und Lara Stoll stehen auf der Bühne, ebenso Newcomerinnen und Komikerinnen aus dem deutschsprachigen Ausland.
  • «Mir ist wichtig, dass ‹Fun Fatale› alle anspricht – also auch die Männer. Denn mir geht es darum, dass wir gemeinsam lachen – und nicht gegeneinander», sagt Moderatorin Andrea Fischer Schulthess im Gespräch mit blue News.

Andrea Fischer Schulthess, was ging Ihnen als Erstes durch den Kopf, als Sie den Zuschlag für das Stand-up-Format «Fun Fatale» vom Schweizer Fernsehen erhalten haben?

Zuerst habe ich mich wahnsinnig über den positiven Entscheid gefreut. Dann dachte ich: Grossartig, jetzt können wir eine Moderatorin suchen. Ich hatte nicht wirklich vor, es selbst zu tun (lacht). Im Verlauf der Diskussion wurde jedoch klar, dass meine Kolleginnen sich wünschen, dass ich diesen Part übernehme.

Bei «Fun Fatale» stehen ausschliesslich Frauen auf der Bühne – und auch das Produktionsteam besteht nur aus Frauen. Warum?

Weil es nötig ist – nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera ist der Frauenanteil bei Fernsehproduktionen nach wie vor gering. Wir sehen einen klaren Förderbedarf. Umso schöner ist es, dass wir mit unserer Show einen Beitrag leisten können.

Was antworten Sie Kritiker*innen, die Ihnen deswegen fehlende Diversität vorwerfen?

Diese Frage beantwortet sich von selbst, wenn man schaut, welche zwölf Komikerinnen in den ersten vier Folgen von «Fun Fatale» auftreten. Sie sind so divers und unterschiedlich, wie Menschen nur sein können.

Vier Folgen, viele Frauen

Das Schweizer Fernsehen startet am Sonntag, 3. Mai, 21.40 Uhr, mit «Fun Fatale» ein neues Stand-up-Format mit vier Folgen, das bewusst Frauen in den Mittelpunkt stellt. Gastgeberin Andrea Fischer Schulthess, Theaterleiterin des «Millers» in Zürich, führt durch die Show, in denen bekannte Comediennes als auch vielversprechende Newcomerinnen auftreten. Das Besondere: Nicht nur auf der Bühne, sondern auch hinter den Kulissen liegt das Format komplett in Frauenhand – ein Statement für mehr Sichtbarkeit in der Comedy-Szene.

Wäre es nicht gerechter, wenn der Anteil der Geschlechter gleich stark vertreten wäre?

Ich finde, das eine schliesst das andere nicht aus. Beim Schweizer Fernsehen gibt es heute Comedy-Sendungen, die nur von Männern moderiert werden. Umso schöner ist es, wenn es nun auch ein Format gibt, das ausschliesslich von Frauen getragen wird. Mein Ziel ist aber – und übrigens auch das meiner «Fun Fatale»-Kolleginnen –, dass die Geschlechterfrage irgendwann gar keine Rolle mehr spielt.

In der ersten Folge von «Fun Fatale», die am kommenden Sonntagabend, 3. Mai, ausgestrahlt wird, treten die Komikerinnen Patti Basler, Jane Mumford und ihre deutsche Kollegin Thelma Buabeng auf. Was wird sonst noch geboten?

Unsere Sendung dauert nur 20 Minuten – deshalb möchte ich an dieser Stelle nicht noch mehr verraten. Nur so viel: Die drei Frauen zeigen mutige, humorvolle, selbstironische und kluge Comedy.

Fürchten Sie sich vor Kritik?

Kunstschaffende bleiben nie von Kritik verschont – ist sie sachlich und fundiert, kann ich gut damit umgehen. Wichtig ist mir aber, dass man sich ernsthaft mit einer TV-Show auseinandersetzt und ein neues Format nicht vorschnell beurteilt.

Wie unterscheidet sich der Humor von weiblichen und männlichen Comedians – oder tut er das gar nicht?

Meiner Erfahrung nach brauchen und haben wir Frauen einen besonderen Humor, um mit den vielen körperlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen umzugehen – von Schwangerschaft über Menstruation bis hin zu Menopause und Sexismus.

Als Sie neu waren im Comedy-Business: Wie wichtig waren Ihnen da weibliche Vorbilder?

Ich habe grundsätzlich Freude an lustigen Frauen, aber genauso schätze ich auch lustige Männer. Ich mache da keinen grossen Unterschied. Insgesamt freut es mich aber, wenn Frauen in allen Bereichen des Lebens Vorreiterinnenrollen einnehmen.

Brauchen die jungen Frauen von heute überhaupt noch Vorbilder?

Alle Menschen brauchen Vorbilder – als soziale Wesen entwickeln wir uns nie losgelöst von der Gesellschaft, in der wir leben.

Wie sieht die aktuelle Lage in der weiblichen Comedyszene in der Schweiz aus?

Ich freue mich sehr zu sehen, wie viele neue Stimmen dazukommen – in der Szene ist gerade viel in Bewegung.

Das Stand-up-Format «Fun Fatale» läuft – laut Pressemeldung vom SFR – viermal: Was kommt danach?

Das wissen wir noch nicht. Wir hoffen aber sehr, dass es mindestens eine weitere Staffel geben wird – am liebsten noch mehr, denn es gibt noch viele spannende Frauen, denen wir gerne eine Plattform bieten würden.

Frage zum Schluss: Ist es für Sie eigentlich in Ordnung, dass ich Sie als Mann zu «Fun Fatale» befragt habe – oder hätten Sie es cooler gefunden, wenn das eine Frau getan hätte?

Für mich spielt das keine Rolle. Mir ist wichtig, dass «Fun Fatale» alle anspricht – also auch die Männer. Denn mir geht es darum, dass wir gemeinsam lachen und nicht gegeneinander.



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