Bad Bunny füllt Stadien in Puerto Rico Darum meidet der grösste Popstar der Welt die USA

Jenny Keller

11.9.2025

Bad Bunny setzt ein politisches Zeichen gegen die US-Migrationspolitik. (Archivbild)
Bad Bunny setzt ein politisches Zeichen gegen die US-Migrationspolitik. (Archivbild)
Bild: Keystone/AP/Chris Pizzello/Invision

Statt eine US-Tour zu starten, spielt der aktuell grösste Popstar der Welt lieber 30 Konzerte in seiner Heimat Puerto Rico. Bad Bunny setzt damit ein politisches Statement gegen Abschiebungen.

Jenny Keller

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Bad Bunny ist aktuell der erfolgreichste Popstar der Welt. In Puerto Rico gibt er bis Mitte September 30 Konzerte.
  • Die Konzerte haben bereits Hunderttausende Fans auf die Insel gelockt und rund 200 Millionen Dollar in die lokale Wirtschaft gepumpt.
  • Im Interview mit i-D Magazine erklärte er, dass er in den USA keine Shows spielt, um seine Fans mit lateinamerikanischen Wurzeln nicht der Gefahr von ICE-Razzien auszusetzen.
  • Global bricht Bad Bunny weiter Rekorde: 2,6 Millionen Tickets sind für die nächste Welttournee verkauft, und das meistgestreamte Album aller Zeiten stammt auch von ihm.
  • Auch in der Schweiz ist Bad Bunny mittlerweile ein Topstar.

Er ist der aktuell erfolgreichste Popstar der Welt: Benito Antonio Martínez Ocasio, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Bad Bunny. Der 31-jährige stammt aus Puerto Rico, mischt seit Jahren Reggaetón, Trap und Pop und hat sich mit Streaming-Rekorden, Grammy-Auszeichnungen und Hollywood-Rollen an die Spitze der globalen Musikwelt gespielt.

Bad Bunny wird hierzulande möglicherweise weniger wahrgenommen als Stars wie Beyoncé oder Ed Sheeran. Sein Aufstieg verlief abseits der gewohnten US- und Europa-Popblase – auf Spanisch, getragen von einer riesigen Fangemeinde in Lateinamerika und darüber hinaus.

1 Milliarde Views: Bad Bunnys Hit «Me Porto Bonito» (2022)

Bad Bunny scheint die klassischen Regeln des US-Popmarkts nicht zu brauchen. Diesen Sommer hat er das unter Beweis gestellt. Statt durch die USA zu touren, blieb er auf seiner Heimatinsel und spielt 30 Mal in San Juan, Puerto Rico. Eine Residency, die den Titel «No Me Quiero Ir de Aquí» trägt («Ich will hier nicht weg»). Die letzte Show findet am 14. September statt.

«In den Staaten hätten die von ICE vor der Tür stehen können»

Hunderttausende Fans strömten seit Beginn der Konzertreihe im Juni in die Karibik. Hotels und Restaurants waren ausgebucht, die Shows spülten rund 200 Millionen Dollar in die angeschlagene Inselwirtschaft. Ein ökonomisch und symbolisch wertvolles Geschenk für Puerto Rico, das in den vergangenen Jahren von Hurrikans, Blackouts und Immobilien-Spekulation gebeutelt wurde.

Im Interview mit dem i-D Magazine sprach der Sänger nun darüber, warum er nicht in den USA spielte: «Es gab viele Gründe. Keiner davon war Hass. [...] Aber für eine Residency hier in Puerto Rico war uns klar: In den Staaten hätten draussen plötzlich die von ICE [US-Einwanderungsbehörde] stehen können. Das hat uns sehr beschäftigt.»

In Puerto Rico, so sein Kalkül, seien die Menschen näher an den Wurzeln seiner Musik, und vor allem sicherer. Faktisch gehört Puerto Rico zwar zu den USA. Es ist ein sogenanntes «unincorporated territory» und «Commonwealth». Menschen, die dort geboren werden, sind US-Staatsbürger*innen.

Konzerte ohne Angst vor Abschiebungen

Aber Bad Bunny dachte an seine lateinamerikanischen Fans auf dem US-Festland, viele von ihnen ohne regulären Aufenthaltsstatus. In Städten wie Los Angeles oder Miami führt die Einwanderungsbehörde regelmässig Razzien durch.

Diesem Risiko wollte er sie nicht aussetzen. Wer zu seinen Konzerten reise, sollte feiern können, ohne im Schatten möglicher Abschiebungen zu stehen. In Puerto Rico würden weniger ICE-Kontrollen durchgeführt.

Bad Bunnys Schritt kommt zu einer Zeit, in der Migrant*innen in den USA verstärkt ins Visier genommen und abgeschoben werden. Der Kongress hatte diesen Sommer Präsident Trumps Plan für 10'000 zusätzliche ICE-Agent*innen und 100'000 neue Haftplätze verabschiedet.

Dass sich ein Musiker dieser Grössenordnung so deutlich zur US-Migrationspolitik positioniert, ist eine Ausnahme. «Die Leute sind es gewohnt, dass Künstler*innen gross und mainstream werden und sich zu solchen Themen nicht äussern – oder wenn doch, dann in extrem vorsichtiger Sprache», sagte er im Januar gegenüber Rolling Stone. «Aber ich werde reden. Wer das nicht hören will, muss mir ja nicht zuhören.»

Welttournee mit 2,6 Millionen verkauften Tickets

Bad Bunny ist der kommerziell erfolgreichste Künstler der Zeit. 2020 brachte er als erster Musiker überhaupt ein komplett spanischsprachiges Album auf Platz 1 der US-Billboard-Charts. Zwei Jahre später brach er mit «Un Verano Sin Ti» alle Streaming-Rekorde. Bis heute ist das Album das meistgehörte aller Zeiten auf Spotify.

Im gleichen Jahr verbuchte er (vor Ed Sheeran) die lukrativste Tour weltweit. Bad Bunnys nächste Welttournee ist bereits ausgebucht: über 2,6 Millionen Tickets wurden verkauft. Auch in der Schweiz gehört er zu den meistgestreamten Künstler*innen, besonders unter jüngeren Hörerinnen und Hörern.

«Ich bin Hollywood, aber ich bin auch Puerto Rico», sagte Bad Bunny im Gespräch mit i-D Magazine. Sein neues Album «Debí tirar más fotos» ist durchzogen von Salsa, Bomba und Plena, traditionellen Genres, die er neu interpretiert und mit Reggaetón mischt. «Ich hatte immer den Traum, eines Tages ein Salsa-Album zu machen. Warum warten, bis ich 40 bin?», erklärt er.

Salsa-Orchester und Stolz

In San Juan verwandelte Bad Bunny die Bühne des «El Choli», der grössten Arena Puerto Ricos, in eine Landschaft voller Pflanzen, daneben ein kleines rosafarbenes Haus, welches das Zuhause symbolisieren soll, das man liebt, aber vielleicht verlassen muss.

Die Konzerte waren begleitet von einer Mischung aus Bass, Salsa-Orchester und Gastauftritten alter Reggaetón-Grössen. «Das Gefühl von Heimat und Stolz, das ganze Generationen verbindet, habe ich so noch nie erlebt», sagte Bad Bunny nach den ersten Konzerten.

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