«Tatort» im Check Gibt es mehr männliche oder weibliche Stalker?

Julian Weinberger

11.5.2025

Im Bremer «Tatort: Solange du atmest» geraten die Kommissarinnen Moormann und Selb aneinander. Beim Kampfsport, aber auch im Fall um einen ermordeten Stalker. Wer manipuliert hier wen?

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Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • In ihrem siebten Bremer «Tatort» gerieten Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und Selb (Luise Wolfram) aneinander – sowohl bei den Ermittlungen als auch beim Krav Maga.
  • Gesucht war der Mörder eines ermordeten Stalkers.
  • Ins Visier der Ermittlerinnen geriet eine alleinerziehende Mutter, die zuvor von dem Toten belästigt worden war.

Zum siebten Mal arbeiten die Bremer Kommissarin Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und ihre Kollegin Linda Selb (Luise Wolfram) zusammen. Trotz leicht autistischer Züge beider Frauenfiguren klappte das bislang ganz gut. Die beiden Einzelgängerinnen rauften sich zusammen.

Im «Tatort: Solange du atmest» ist dies nun anders.

Nicht nur, weil ein Kampfsporttraining die beiden ehrgeizigen Ermittlerinnen gegeneinander in Stellung bringt. Auch im Fall eines ermordeten Stalkers sind Moormann und Selb unterschiedlicher Meinung.

Im – vor und hinter der Kamera – sehr weiblichen «Tatort: Solange du atmest» stehen noch mehr Frauenduelle an. Wer waren die beiden Episoden-Hauptdarstellerinnen? Und gibt es eigentlich mehr männliche oder weibliche Stalker?

Worum geht es?

Ein Toter lag am Weserstrand. Der junge Mann (in Rückblenden: Jonathan Berlin) erwies sich nicht nur als Journalist, der an einer brisanten Story arbeitete, sondern auch als Ex-Freund der alleinerziehenden Rani Ewers (Via Jikeli).

Sie ist eine 25-Jährige, die früh Mutter wurde. Offenbar hatte der Mann Rani und ihre siebenjährige Tochter Mia (Pola Friedrichs) gestalkt.

Die junge Frau, die Vorerfahrungen mit toxischen Beziehungen hat, lebte seit Jahren bei Paula Södersen (Sarina Radomski), die wie eine grosse Schwester für sie und quasi eine zweite Mutter für Mia war. Am Todestag des Stalkers war Rani lange verschwunden. Mitbewohnerin Paula wollte sie schon als vermisst melden.

Hatte sich Rani ihres Peinigers entledigt? Oder ist alles ganz anders – zumal das Mordopfer an einer brisanten Story mit ziemlich üblen Gegenspielern dran war?

Worum ging es wirklich?

Im eher durchschaubaren Krimi-Plot geht es um unterschiedliche Arten des Psychoterrors gegen eine junge Frau. Während der Tote ein klassischer Stalker war, erweist sich die Mitbewohnerin als pathologischer Kontrollfreak, der das Leben ihrer Freundin bestimmen will. Wenn man so will: eine andere Art des Stalkings.

Man könnte den Bremer Krimi als frauenfeindlich bezeichnen, wäre da nicht die eher junge und rein weibliche Macherinnen-Riege: Drehbuchautorin Judith Westermann («Drunter und drüber») und Regisseurin Franziska Margarete Hoenisch («Wendehammer»), beide um die 40, lassen die Kommissarinnen einen Zickenkrieg mit Fäusten ausfechten und sie präsentieren eine dämonische Täterin im Gewand der «besten Freundin».

Der Krimi lässt sich aber auch anders lesen.

Nach dem Motto: Seht her, auf so unterschiedliche Arten können Frauen zum Opfer werden. Ob nun durch Stalker, prekäre Verhältnisse, den Alleinerziehenden-Status und toxisch manipulative Beziehungen, denen besonders die Schwächsten der Gesellschaft wenig entgegenzusetzen haben.

Was ist eigentlich Krav Maga?

Der israelische Kampfsport bevorzugt Schlag- und Tritttechniken, beinhaltet aber auch Griffe, Hebel und Bodenkämpfe.

Kurz formuliert: Man kann sich auf viele Arten wehtun. Entsprechend gibt es hier auch keinen philosophischen Überbau, sondern es geht nur darum, den Gegner möglichst effizient aus dem Rennen zu nehmen.

Krav Maga wurde in den 30er-Jahren von Imi Lichtenfeld entwickelt. Ursprünglich sollten seine Techniken jüdische Gemeindemitglieder vor Angriffen in der Slowakei schützen. Später wurde Lichtenfeld Nahkampfausbilder der israelischen Armee.

Studien weisen auf mehr als 80 Prozent männliche Täter hin

Beim Stalking kann man sich in Sachen Zahlen die 80-80-Regelung merken. Laut unterschiedlicher Studien, die sich auch international kaum unterscheiden, sind rund 80 Prozent der Opfer weiblich.

Bei den Tätern ist es genau andersherum: Studien weisen auf 80, oft sogar bis knapp 90 Prozent männliche Täter hin. Stalking gilt als überwiegend von Männern ausgehendes Gewaltphänomen gegen Frauen.

Wie geht es beim Bremer «Tatort» weiter?

Im März und April 2025 wurde in Bremen wieder gedreht. Der nächste Fall könnte den provokanten Titel «Tatort: Wenn man nur einen retten könnte» tragen.

Und darum geht es: Eine Jurastudentin wird morgens in der Nähe eines Nachtclubs tot aufgefunden. Zuvor hatte sie gemäss ersten Ermittlungen massive Auseinandersetzungen mit ihren WG-Mitbewohnern.

Es stellt sich heraus, dass das Opfer unter immensem Leistungsdruck litt, den sie mit Aufputschmitteln zu kompensieren versuchte. Das Buch dieses Bremer «Tatort»-Falles stammt aus der Feder von Elisabeth Herrmann und Christine Otto, Regie führt Ziska Riemann.



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