«Psychologischer Missbrauch» Hollywood-Star schockiert mit Geständnis über die Schweiz

Carlotta Henggeler

1.12.2025

«Weil ich leicht beeinflussbar war, wollte ich gefallen und dazugehören. Also wurde ich ein braves kleines Soldatenmädchen»: Schauspielerin Glenn Close über ihre Zeit in einer Sekte.
«Weil ich leicht beeinflussbar war, wollte ich gefallen und dazugehören. Also wurde ich ein braves kleines Soldatenmädchen»: Schauspielerin Glenn Close über ihre Zeit in einer Sekte.
Evan Agostini/Invision/AP/dpa

Hollywoodstar Glenn Close blickt auf ihre Zeit in der Schweiz zurück – geprägt von einer religiösen Bewegung, die sie als «psychologischen Missbrauch» beschreibt. Diese Jahre hätten ihr Leben und ihre Karriere nachhaltig geprägt, sagt sie.

Carlotta Henggeler

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  • Glenn Close wuchs in der Schweiz in der religiösen Moral-Re-Armament-Bewegung auf. Eine Zeit, die sie heute als «eine Art psychologischen Missbrauch, getarnt als latente Misogynie» bezeichnet.
  • Sie schildert ihre Jahre in Caux (VD) mit Internat, strengen Regeln und Kontrolle über Kleidung, Verhalten und Gedanken.
  • Mit 22 floh sie aus der Bewegung, studierte in den USA und fand über die Schauspielerei in New York den Start in ihre «zweite Lebenshälfte».

Glenn Close zählt zu den wandlungsfähigsten und prominentesten Schauspielerinnen Hollywoods – von der ikonischen Alex Forrest in «Fatal Attraction» über Cruella de Vil in «101 Dalmatiner» bis zu jüngeren Rollen wie Drusilla Sickle in «Hunger Games» oder in Ryan Murphys Serie «All’s Fair».

Trotz einer Karriere voller Erfolge sorgt Close immer wieder auch abseits des Sets für Aufmerksamkeit: Im vergangenen Oktober protestierte sie etwa beim «No Kings Day» gegen die Trump-Regierung, wie unter anderem «Vanity Fair» berichtete.

Wegen ihres Engagements widmete ihr «The Guardian» ein ausführliches Interview. Darin spricht die Schauspielerin über eines der schwierigsten Kapitel ihres Lebens: eine Kindheit, die sie selbst als Zeit in einer «Sekte» bezeichnet.

«Es ist verrückt, dass etwas, das dir in der Kindheit passiert, genau hier bleibt», sagte sie und legte dabei die Hand auf die Brust – so das britische Blatt.

Sekte wurde in der Schweiz gegründet

Und Glenn Close erinnert sich an ihre Zeit in der Moral Re-Armament-Sekte.  Ein christlicher Zusammenschluss, der 1938 in der Schweiz vom US-Pfarrer Frank Buchman gegründet wurde, wie der «Guardian» erinnert.

Das Movement stützte sich auf vier Grundwerte – Ehrlichkeit, Reinheit, Selbstlosigkeit und Liebe. Driftete mit der Zeit jedoch in eine immer rigidere Ausrichtung ab und trat in den 1960er-Jahren offen gegen Homosexualität und Kommunismus auf.

Close beschreibt es heute unverblümt als «eine Art psychologischen Missbrauch, getarnt als latente Misogynie».

Close wollte gefallen und wurde braves Soldatenmädchen

Für die 78-Jährige ist es alles andere als leicht, in diese Zeit zurückzukehren. In den 1950er-Jahren verliess ihre aus Connecticut stammende Familie – die Eltern William Taliferro Close und Bettine Moore Close sowie vier Kinder – die USA und zog in die Schweiz, um den Prinzipien des Movements zu folgen.

Wie sie im Dokumentarfilm «Glenn Close, l’art de la transformation» erzählt, lebte sie insgesamt 15 Jahre in der Schweiz – überzeugt davon, dass das strikte Befolgen der Regeln des Movements dabei helfen würde, «die Welt zu verbessern».

Im Dok erzählt sie: «Diese Gruppe hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf uns alle. Während wir versuchten, die Welt zu retten, kämpften wir darum, dem Druck einer Kultur standzuhalten, die jede unserer Bewegungen diktierte – unsere Kleidung, unser Verhalten, jedes Wort.»

Sie besuchte ein Internat in Caux im Kanton Waadt, geführt von Mitgliedern der Bewegung, zusammen mit rund vierzig Kindern. Über diese Zeit sagt sie: «Weil ich leicht beeinflussbar war, wollte ich gefallen und dazugehören. Also wurde ich ein braves kleines Soldatenmädchen, habe meine sensiblen Gefühle verdrängt – im Namen des höheren Wohls der Gruppe.»


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