Abschiedsshow für Reizformat Gute Laune mit Gebührengeldern – so feierte SRF «Gesichter & Geschichten»

Lukas Rüttimann

30.3.2025

Sorgte für Stimmung bei Prominenten – das beliebte «Glanz und Gloria»-Format «Ich oder Du», hier mit Christa Rigozzi und Melanie Winiger.
Sorgte für Stimmung bei Prominenten – das beliebte «Glanz und Gloria»-Format «Ich oder Du», hier mit Christa Rigozzi und Melanie Winiger.
SRF / Screenshot

Bevor das Schweizer Fernsehen SRF der TV-Show «Gesichter & Geschichten», den Stecker zieht, widmet es seinem People-Format ein «Gipfelstürmer Spezial». Eine bittersüsse Angelegenheit.

Lukas Rüttimann

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Zum Jubiläum von «Gesichter & Geschichten» feierte das Schweizer Fernsehen SRF sein People-Magazin mit einem «Gipfelstürmer Spezial».
  • Moderator Stefan Büsser blickte auf die  aufregendsten «G&G»-Momente zurück – mit einer Rangliste der 20 besten Beiträge.
  • Missen, Millionärsgattinnen, Models – in den Beiträgen wurde an zahlreiche denkwürdige Momenten aus 20 Jahren Schweizer Promi-Geschichte erinnert.
  • Dabei führte die wohl umstrittenste Sendung des Schweizer Fernsehens SRF noch einmal vor Augen, weshalb sie so polarisiert – und warum sie in der heutigen Zeit nicht mehr so funktioniert wie zu Beginn.

Zu sagen, dass «Glanz & Gloria» (oder «Gesichter & Geschichten», wie es inzwischen heisst) ein umstrittenes Format ist, wird der Sache nur marginal gerecht.

Das People-Magazin ist vielen ein echter Dorn im Auge und wird in Kommentarspalten in unschöner Konsequenz  immer zuerst genannt, wenn es darum geht, wo SRF Gebührengelder einsparen soll.

Nun also kriegt dieser Teil des Publikums seinen Willen. In drei Monaten ist Schluss, nach 20 Jahren.

Dieses Jubiläum nahm man beim Schweizer Fernsehen SRF zum Anlass, ein «Gipfelstürmer Spezial» mit den Highlights aus zwei Jahrzehnten «G&G» zu produzieren – eine etwas merkwürdige Mischung aus Hommage und Abgesang, wenn man das so sagen darf.

Von Christa Rigozzi bis Irina Beller

Moderator Stefan Büsser bemühte sich jedoch, die Stimmung in bester «G&G»-Tradition fröhlich-prickelnd zu halten.

Auch seine Gäste – darunter frühere Sendungs-Moderatorinnen wie Nadja Zimmermann, Christa Rigozzi oder Irina Beller – machten keine langen Gesichter und blickten humorvoll auf ihre denkwürdigen Auftritte in «G&G»-Beiträgen. zurück.

Unvergessen: Millionärsgattin Irina Beller im Gespräch mit Moderator Dani Fohrler.
Unvergessen: Millionärsgattin Irina Beller im Gespräch mit Moderator Dani Fohrler.
SRF / Screenshot

Darunter waren das legendäre  Champagner-Interview der ukrainischen Millionärsgattin auf dem Sofa bei Dani Fohrler – oder die Hochzeit der ehemaligen Miss Schweiz aus dem Tessin, bei der die SRF-Kameras selbst in Momenten allergrösster Intimität immer hautnah dabei sein durften.

Auch viele andere «G&G»-Beiträge sorgten damals für Aufregung. Etwa die lausige Geografie-Kompetenz der späteren Miss Schweiz Linda Fäh, die das Matterhorn nicht kannte – oder das gequält quiekende Schwein beim Werbedreh mit Mister Schweiz Renzo Blumenthal.

Bei intimsten Momenten hautnah dabei : «G&G» bei der Hochzeit von Christa Rigozzi.
Bei intimsten Momenten hautnah dabei : «G&G» bei der Hochzeit von Christa Rigozzi.
SRF / Screenshot

Doch das People-Format, das zeigten die Rückblicke, sorgte auch immer wieder für  emotional tiefgreifende Szenen; beispielsweise mit dem Interview von alt Bundesrat Adolf Ogi in seinem Heimatdorf Kandersteg, als er über den Krebstod seines Sohnes sprach.

Von «Ich oder Du» bis «Frey von Sinnen»

Letztlich machte die Highlight-Hitparade vor allem deutlich, wie vielfältig und bunt diese 20 Jahre Promi-Berichterstattung auf SRF doch waren.

Sendegefässe wie «Ich oder Du», «Frey von Sinnen» oder «Die Falle» mögen bei anderen TV-Shows abgekupfert haben; dank ihrer kreativen Umsetzung und dem sichtlichen Spass an der Sache von allen Beteiligten – vor und hinter der Kamera –  sorgten sie aber immer für beste Unterhaltung.

Rückblick auf einen lustigen  «G&G»-Moment: Krokus-Musiker Chris von Rohr wird in Veralberungs-Format «Die Falle» als Gründer der deutschen Rock-Band Scorpions bezeichnet.
Rückblick auf einen lustigen  «G&G»-Moment: Krokus-Musiker Chris von Rohr wird in Veralberungs-Format «Die Falle» als Gründer der deutschen Rock-Band Scorpions bezeichnet.
SRF / Screenshot

Allerdings lieferte die gestrige Rückblick-Show auch Erklärungen dafür, weshalb «G&G» immer so stark polarisiert hat. Die Grenzen zwischen Selbstinszenierung und Unterhaltung sind bei einem People-Format gezwungenermassen fliessend. Das passt nicht allen in den Kram.

Und wenn SRF-Mitarbeitende mit Gebührengeldern zu den Oscars nach Hollywood fliegen, kommt das in Zeiten wirtschaftlicher Zwänge nicht überall gut an. 

Bittersüsse Hommage an eine wunderbar naive Epoche

Letztlich steht «G&G» samt seinem Ende für eine vergangene Ära, als Prominente Sendungen wie «Glanz und Gloria» brauchten und sich Showgrössen und Medien gegenseitig befeuerten.

Während Stars heute über Social Media direkt mit ihrem Publikum kommunizieren, und Influencer den Missen und Models den Rang abgelaufen haben, funktionierte das Zusammenspiel zwischen Promis und Medien damals für beide Seiten.

Schöne, naive Promi-Epoche: «Missen-Mutter» Karina Berger steht für eine Zeit, als Prominente und Medien sich gegenseitig brauchten.
Schöne, naive Promi-Epoche: «Missen-Mutter» Karina Berger steht für eine Zeit, als Prominente und Medien sich gegenseitig brauchten.
SRF / Screenshot

Das scheint  heute vorbei zu sein. Genauso wie eine gewisse Unschuld, als noch nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wurde und der Spass wichtiger war als die korrekte Gesinnung.

Würde Rapper Stress heute gleich freizügig auf die Frage nach dem Geheimnis einer guten Ehe antworten («25 Zentimeter») wie im damaligen «G&G»-Beitrag, hätte er wahrscheinlich einen Shitstorm am Hals.

Nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt: Stress prahlt auf SRF mit seinem Gemach.
Nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt: Stress prahlt auf SRF mit seinem Gemach.
SRF / SCreenshot

Gut möglich deshalb, dass «G&G» nach seinem Sendeschluss im Sommer von mehr Menschen vermisst wird, als man heute denkt.

Vielleicht sogar von einigen, die das Format in den Kommentarspalten immer so herzhaft ins Pfefferland gewünscht haben.


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