Alexander Klaws in «Die Passion»

«Ich erfinde die Rolle von Jesus komplett neu»

Von Carlotta Henggeler

13.4.2022

Musical-Darsteller Alexander Klaws spielt im TV-Live-Event «Die Passion» Jesus. Eine Rolle, die ihm viel abverlangt. Ausserdem schwärmt er von Samuel Koch, mit dem er die Bühne teilt. 

Von Carlotta Henggeler

13.4.2022

Grüezi, Herr Klaws. Chömmer Schwizerdütsch rede? Ihri Frau isch ja us em Baselbiet. 

Ja, auf Baseldeutsch verstehe ich alles.

Oha, nicht mein Dialekt. Dann sprechen wir Hochdeutsch. Sie spielen Jesus in «Die Passion». In den Niederlanden wird dieses Stück schon seit zwölf Jahren als Live-Event aufgeführt. Schon mal die holländische Version geschaut?

Ich habe mal ein paar Bilder angeguckt, weil ich mir das nicht vorstellen konnte – und war geflasht. Es ist massiv, was wir vorhaben.

Sie haben Jesus schon einmal in einem Musical interpretiert. Es ist eine spezielle Rolle, die Sie da spielen.

Ja, es ist eine der grössten Rollen, die man überhaupt spielen kann. Jede Faser meines Schauspieler-Daseins ist gefordert. Auch wenn ich die Rolle schon ein paar Mal gespielt habe, erfinde ich sie wieder komplett neu. «Jesus Christ Superstar» als Rockoper von Andrew Lloyd Webber ist schon etwas anderes als «Die Passion», die wir jetzt interpretieren.

Was sind die grössten Unterschiede?

Die Songs, andere Kolleg*innen und eine ganz andere Umgebung. Man muss sich der Dimension bewusst sein. Für die Vorbereitung habe ich viel in der Bibel gelesen.

Um besser vorbereitet zu sein?

Ich hinterfrage Dinge. Wie würde ich als Alexander Klaws auf gewisse Situationen reagieren? Und dann transformiere ich das in meinen inneren Jesus. Der Anspruch ist, in dem Moment nicht Jesus zu spielen, sondern Jesus zu sein. Man ist in allen Belangen gefordert, weil es die grösste Rolle ist, die man überhaupt spielen kann.

Geht man mit mehr Respekt ran?

Eher mit viel Lust. Ich bringe schon eine gesunde Art von Demut und Ehrfurcht mit. Gerade bei dieser Rolle. Beim Thema Religion gibt es viele unterschiedliche Meinungen. Davon muss man sich komplett lösen. Nur so kann man frei im Kopf spielen.

Bei der «Passion» spielen namhafte Schauspieler*innen mit. Von wem haben Sie bisher am meisten gelernt?

Ich freue mich sehr auf Henning Baum, er spielt in einer der grössten Szenen mit. Er ist Pontius Pilatus.

Samuel Koch ist auch dabei. Wie ist die Zusammenarbeit mit ihm?

Er ist ein grossartiger Kollege und ein ganz toller Mensch. Ich habe ihn vorher schon gekannt. Wir waren im letzten Jahr beide bei «The Masked Singer» dabei. Er ist auch ein Vorbild. Was er alles geleistet hat, trotz seines Schicksalsschlags, da ziehe ich meinen Hut.

Samuel Koch ist auf der Bühne, seine Frau Sarah spielt auch mit. Sie standen mit Ihrer Frau Nadja auch schon beim Knie-Musical oder «Saturday Night Fever» auf der Bühne. Sie ist auch Musical-Darstellerin. Lust auf eine Wiederholung?

Auf jeden Fall!

Als Paar zusammenzuarbeiten, stelle ich mir allerdings manchmal als schwierig vor.

Ja, es ist eine Herausforderung. Man muss wissen, wo die Grenzen sind. Mit der Zeit lernt man, diese einzuhalten. Aber es hat auch Vorteile.

Zum Beispiel?

Man kann sich Tipps geben und das Verständnis für den Beruf ist da. Wenn man abends müde nach Hause kommt und Ruhe braucht, dann weiss sie, wie ich mich gerade fühle, weil sie das kennt. Das ist sehr wertvoll.

Zurück zur «Passion». Wird Ihre Familie vor Ort sein und zuschauen?

Sie sind zu Hause. Unsere zwei Buben sind fünf und zwei Jahre alt.

Bei euren Kindern steht die Berufswahl ja fast schon fest. Ihr beide seid ja ausgebildete Musical-Darsteller.

Das bleibt abzuwarten. Wenn es gewünscht ist, werden wir alle Hebel in Bewegung setzen, aber wir sind keine Eltern, die sie zu irgendetwas zwingen. Wenn das so sein sollte, wäre ich natürlich stolz. Wichtiger ist aber, dass sie Sachen ausprobieren und dabei ihren eigenen Weg gehen.

Wie feiert ihr Ostern, ganz klassisch, mit Osternestsuchen?

Ja, genau. Ich freue mich riesig darauf, überhaupt wieder mal feiern zu können. Die letzten zwei Jahre mit Corona waren schwierig. In Hamburg, wo wir leben, hatten wir sehr strenge Bestimmungen. Deshalb ist es das Allerwichtigste und Schönste, Ostern zusammen als Familie feiern zu können. Dass man ganz bewusst die Zeit geniesst. Dann werden die Handys weggepackt, Eier gesucht und Kuchen gegessen.

Ihre Frau Nadja ist Schweizerin. Gibt es bei euch auch Eiertütschen?

Klar! Ich komme ja aus dem Münsterland und dort haben wir das auch immer aus Spass gemacht. Ich wusste damals noch nicht, dass es in der Schweiz eine Tradition ist.

Wie geht es beruflich weiter?

Ich muss händeringend schauen, dass ich mir noch freie Tage einteilen kann. Bei mir läuft es seit einem Jahr gut. Das Absurde war, dass die ganze Livebranche stillstand, aber das Fernsehen einfach weitergemacht hat. Mit diesen Jobs konnte ich die Zeit überbrücken. Für meine Frau und mich hatte die Pandemie privat jede Herausforderung parat, die sie für andere Familien auch bereit hatte. Das Schönste an der Pandemie aber war, dass unser Sohn am Anfang des Lockdowns zur Welt kam. So konnten wir die Zeit mit ihm sehr geniessen.

Wo kann ich Sie auf der Bühne sehen?

Ich bin im Sommer als Winnetou wieder bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg/Schleswig Holstein dabei.

Und gibt es bald neue Musik zu hören?

Ich nehme gerade neue Songs auf. Wann konkret etwas erscheinen wird, weiss ich noch nicht. Da habe ich keinen Zeitdruck, es erscheint erst etwas, wenn ich damit zufrieden bin.

«Die Passion», das Live-Event ist am 13. April ab 20:15 Uhr auf RTL zu sehen.