Beat Feuz blickt in der Talkshow «Lässer» auf seine eindrucksvolle Karriere zurück und erinnert sich an den «Klick-Moment», der ihn zum Rücktritt bewog.
Trotz elf Knieoperationen und teils existenzbedrohenden Verletzungen kehrte Feuz immer wieder erfolgreich zurück und wurde Olympiasieger, Weltmeister und vierfacher Abfahrtsweltcup-Champion.
Heute lebt er mit seiner Familie im Tirol, arbeitet als Ski-Experte für SRF und geniesst die neugewonnene Freiheit abseits des Spitzensports.
Der Skirennfahrer Beat Feuz ist seit dem 16. Januar 2023 Geschichte. Wie geht es dem Emmentaler heute? «Ich bin zufrieden, auf einer Skala von 1 bis 10 bin ich nah an der zehn», sagt er schmunzelnd in der Talkshow «Lässer». «Ich habe das gemacht, was ich wollte und mache auch jetzt das, was ich will», hält Feuz fest, der seit geraumer Zeit im Tirol lebt.
Dazu ist der 38-Jährige beruflich noch eingespannt, so ist er bei SRF Ski-Experte und pflegt die Partnerschaften mit seinen Sponsoren.
Sein Alltag drei Jahre nach dem Rücktritt? «Möglichst viel daheim sein, um die Familie zu geniessen. Die musste ein paar Jahre untendurch und hat ein wenig gelitten.» Wie seine Rolle zuhause aussieht, will Gastgeberin Claudia Lässer wissen: «Nicht im Weg rumstehen», fasst er augenzwinkernd zusammen.
Seit 2007 ist er mit Katrin zusammen. Inzwischen sind sie Eltern von zwei Kindern. Die beiden haben sich als 20-Jährige auf der Ski-Piste bei der Junioren-WM kennengelernt. «Sie hat dann einen anderen Weg eingeschlagen und mich zum guten Glück unterstützt.»
Es sei auch ein Teil des Erfolgsrezepts gewesen, dass zuhause Ruhe geherrscht habe, ist er sich sicher. Praktischerweise ist Katrin ausgebildete Physiotherapeutin: «Das hilft natürlich auch, wenn man nach jedem Training daheim liegen kann und die Probleme wieder behandeln kann». Auch habe sie ihm mental geholfen, hält Feuz fest.
Jetzt haben sie auch Zeit gemeinsam. «Wir spielen gerne Tennis zusammen. Solche Dinge halt, die man vorher als Aktiver zwar auch machen konnte, aber planen musste. Jetzt ist man frei und kann nach Lust und Laune gehen», sagt Feuz.
«Da kam für mich der Klick-Moment»
Gross planen war früher nie sein Ding. Trotzdem feierte Feuz Erfolge wie fast kein Zweiter: Olympia-Gold, Weltmeister und viermal die kleine Kristallkugel in der Abfahrt. «Davon träumt man schon als Junge. Nur irgendwann, wenn man in den Weltcup kommt, sieht man erst, was es braucht, um dort hinzukommen. Es sind immer nur einzelne Athleten, die am Schluss alle Titel gewinnen können», meint Feuz und ergänzt: «Aber wenn man irgendwann dort hinkommt, will man Weltmeister oder Olympiasieger werden.»
Der Höhepunkt einer ganz grossen Karriere: Beat Feuz wird 2022 Abfahrts-Olympiasieger
sda
Am Ende war für den Rücktritt neben dem Wunsch nach mehr Familienzeit «auch der Körper, der nicht mehr so ganz mitgemacht hat», verantwortlich. «Mein Knie machte immer Probleme», erzählt er. Über die Jahre hinweg gebe es halt auch noch andere Problemzonen. «Dann ist das Vertrauen nicht mehr so da gewesen in mich selbst.»
Feuz weiter: «Davor war ich immer der Rennfahrer: ‹Ich hätte es in Kauf genommen, mich nochmals zu verletzen und zu schauen, was passiert.› Bei einer Verletzung wäre ich noch motiviert gewesen, nochmals zurückzukommen. Das war in der letzten Saison bei mir nicht mehr der Fall. Da kam für mich der Klick-Moment – ich will mich nicht mehr verletzen.»
Eindrückliche Karriere trotz vieler Verletzungen
Denn das Risiko könne man im Ski-Sport nicht ganz ausschliessen. «Es hätte passieren können», hält der erfolgreichste Schweizer Abfahrer der Geschichte fest. Besonders eindrücklich ist seine Leistungsbilanz, wenn man seine dicke Krankenakte anschaut, darunter elf (!) Knie-Operationen.
«Es ist nicht selbstverständlich, dass es nach so vielen und teilweise langen Verletzungen, bei denen ich ein oder zwei Jahre aussetzen musste, wieder zurückkam», blickt Feuz zurück.
2012 stand selbst eine Beinamputation im Raum. «Mir wurde gesagt, dass ich noch 48 Stunden habe, bis man das linke Bein versteift. Ich hatte im fünfmal operierten Knie eine Infektion. Die wurde über drei, vier Wochen, nie besser. Ich hatte noch eine Operation offen, bei der man den Käfer rausbringen musste, um das Knie nicht versteifen zu müssen. Zum Glück klappte das am Schluss mit der letzten Operation», resümiert Feuz.
Aus den Problemen mit seinem Körper zog er gar Kraft, erläutert Feuz: «Ich konnte weniger trainieren als die Konkurrenz. Sie mussten sich eigentlich besser fühlen als ich. Ich versuchte mir einzureden: ‹Was ist, wenn ich gleich schnell bin wie sie, aber mit weniger Training?›»
Er habe also getan, was möglich sei, um die Situation positiv zu sehen. «Die anderen müssen sich so eher hinterfragen, ob es das viele Training überhaupt braucht», verrät Feuz seine mentale Taktik.
Beat Feuz erklärt, warum er keinen Mental-Coach braucht
Er habe also getan, was möglich sei, um die Situation positiv zu sehen. «Die anderen müssen sich so eher hinterfragen, ob es das viele Training überhaupt braucht», verrät Feuz seine mentale Taktik.
05.12.2025
Das Ganze sei natürlich auch ein wenig Kopfspielerei. Aber wenn die Konkurrenz das Gefühl gehabt habe, er sei so stark im Kopf, dann habe es ihn wieder stärker gemacht, gibt er zu.
Harte Maurer-Lehre hat geholfen
Auf die Zähne beissen und Disziplin an den Tag legen musste Feuz auch in seiner Lehrzeit als Maurer: «Es gibt ja keine Garantie, dass es als Rennfahrer klappt. Da war mir schon wichtig, etwas nebendran zu machen. Die drei Jahre als Maurer waren hart. Aber trotzdem hat es viel genutzt, man hat einiges gelernt: Selbstständiger werden, Zeit und Training einteilen ...»
Man lerne dabei schon früh durchzukämpfen. «Auch der Skirennsport ist kein Honigschlecken, wo man durchmarschiert. Dann schadet es sicher nicht, wenn man als Junger sich durch das durchkämpft, sodass einem vielleicht das eine oder andere später etwas weniger anstrengend vorkommt.»
Was Feuz zur Sicherheitsdiskussion im Ski-Sport sagt, welcher Triumph ihn besonders freut und welches schlechte Resultat ihn besonders beschäftigt und wie er seine Kindheit auf dem Bauernhof verbrachte – erfährst du im Video.
Den Talk mit Beat Feuz in voller Länge findest du hier ...
«Lässer» mit Beat Feuz
Beat Feuz erzählt von prägenden Kindheitsmomenten, Erfolgen und Tiefschlägen auf der Piste und seinem Alltag als SRF-Ski-Experte. Warum Skifahren für ihn mehr bleibt als nur ein Job und was ihm als Vater wichtig ist – im Gespräch mit Claudia Lässer.