Bötschi fragt Natascha Beller «Ich warte mit dem Mondflug, bis meine Tochter erwachsen ist»

Bruno Bötschi

16.4.2026

«Als Regisseurin beherrscht man nie alles perfekt – aber genau das macht den Job für mich lebendig, spannend und immer wieder herausfordernd»: Natascha Beller.
«Als Regisseurin beherrscht man nie alles perfekt – aber genau das macht den Job für mich lebendig, spannend und immer wieder herausfordernd»: Natascha Beller.
Bild: Maurice Haas

Natascha Beller ist Filmregisseurin und Drehbuchautorin. Am Donnerstag, 16. April, kommt ihr Familienfilm «Plitsch Platsch forever» ins Kino. Ein Gespräch über die Filmbranche, fehlenden Mut und den Umgang mit Kindern.

Bruno Bötschi

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Am Donnerstag, 16. April, feiert der Kinofilm «Plitsch Platsch forever» von der Zürcher Regisseurin und Drehbuchautorin Natascha Beller seine Premiere.
  • «Ich mache es unglaublich gern und bin dankbar, dass ich einen Job gefunden habe, den ich über alles liebe. Besonders gefällt mir, dass die Tätigkeit des Filmemachens derart vielfältig ist», sagt Beller im Interview mit blue News.
  • Ein Gespräch mit der 44-Jährigen über die Eigenarten der Schweizer Filmszene, künstlerische Kompromisse und warum sie trotzdem gerne als Regisseurin arbeitet.

Natascha Beller, wir machen heute ein Frage-Antwort-Spiel: Ich stelle dir in den nächsten 45 Minuten möglichst viele Fragen. Und du antwortest bitte möglichst kurz und schnell. Wenn dir eine Frage nicht passt, kannst du auch einmal «Weiter» sagen.

Alles klar. Ich bin heute etwas müde und deshalb vielleicht nicht immer ganz so schnell mit den Antworten (lacht).

Sophia Coppola oder Greta Gerwig?

Ich schätze beide Filmemacherinnen sehr. Müsste ich mich entscheiden, würde ich Greta Gerwig wählen. Ich finde sie auch als Schauspielerin grossartig und mag ihren Humor.

Kino oder Fernsehen?

Kino – wegen der grossen Bilder.

Freibad oder See?

Ich würde gern See sagen. Seit ich Mutter bin, gehe ich aber öfter ins Freibad – das ist näher. Mit meiner Tochter ist der Weg zum See manchmal etwas mühsam (lacht).

Dein Traumberuf als Kind?

Ich wollte Goldschmiedin werden.

Dein revolutionärster Gedanke als Teenagerin?

Ich weiss nicht, ob ich in jungen Jahren revolutionäre Gedanken hatte. Ich weiss nur, dass wir gekifft haben (lacht).

Zum Autor: Bruno Bötschi
blue News

blue News-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland. Er stellt ihnen ganz viele Fragen – immer direkt, oft lustig und manchmal auch tiefsinnig. Dabei bleibt bis zur allerletzten Frage immer offen, wo das rasante Pingpong hinführt.

Bist du ein mutiger Mensch?

Theoretisch ja. Ich bin schon Fallschirm gesprungen. Seit der Geburt meiner Tochter bin ich ängstlicher geworden. Dinge, die mich früher gereizt haben, machen mir heute oft Angst. Letztes Jahr wollte ich mit einer Freundin im Heissluftballon fliegen – kurz davor bekam ich Schiss.

Wieso das?

Ich möchte nicht, dass meine Tochter ohne mich aufwachsen muss – deshalb bin ich heute wahrscheinlich vorsichtiger unterwegs.

Wann zweifelst du am meisten an deinen Fähigkeiten?

Immer dann, wenn mich eine Absage von der Filmförderung erreicht – so wie vor kurzem.

Du bist seit Jahren in der Filmbranche tätig. Werden solche Absagen irgendwann nicht Normalität?

Du hast recht, ich könnte daran gewöhnt sein – bin es aber nicht. Es ist jedes Mal ein Stich ins Herz.

Was war ein echtes Risiko, das du eingegangen bist?

Meinen ersten Kinofilm «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei» fanden die offiziellen Stellen 2019 nicht förderungswürdig. Ich habe mein ganzes Vermögen eingesetzt, um ihn trotzdem zu realisieren.

Wie riskant ist es, einen Kinofilm in der Schweiz zu drehen?

Wenn du hierzulande einen Film über die üblichen Förderstellen finanzieren kannst – das Bundesamt für Kultur, die Zürcher Filmstiftung, TV-Sender und Verleiher –, bleibt das finanzielle Risiko überschaubar. Anders als in Hollywood, wo Filmschaffende mit Millionenverträgen arbeiten, wirst du als Regisseurin in der Schweiz aber kaum reich werden. Für mich war mein erster Kinofilm «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei» eine Investition ins eigene Renommee.

Wie meinst du das?

Der Erfolg des Filmes sorgte dafür, dass ich danach vermehrt Anfragen als Regisseurin bekommen habe. In der Folge arbeitete ich unter anderem in Deutschland, wo ich für das ZDF die Comedy-Serie «Ruby» realisieren konnte.

«Ich glaube, einer der Vorteile des politischen Systems in der Schweiz ist, dass nicht eine einzelne Person an der Spitze steht, sondern wir sieben Bundesrätinnen und Bundesräte haben»: Natascha Beller.
«Ich glaube, einer der Vorteile des politischen Systems in der Schweiz ist, dass nicht eine einzelne Person an der Spitze steht, sondern wir sieben Bundesrätinnen und Bundesräte haben»: Natascha Beller.
Bild: Maurice Haas

Wieso drehst du Filme?

Ich mache es unglaublich gern und bin dankbar, dass ich einen Job gefunden habe, den ich über alles liebe. Besonders gefällt mir, dass die Tätigkeit des Filmemachens derart vielfältig ist: Ich arbeite mit unterschiedlichsten Menschen zusammen, kann Geschichten erzählen, sie mit Bild, Ton und Musik umsetzen. Ich bin ein Mensch, der sich rasch langweilt – deshalb passt die Filmerei so gut zu mir. Als Regisseurin beherrscht man nie alles perfekt – aber genau das macht den Job für mich lebendig, spannend und immer wieder herausfordernd.

Ab Donnerstag, 16. April, läuft dein Familienfilm «Plitsch Platsch Forever» in den Schweizer Kinos.

Natürlich bin ich nervös, wie die ersten Kritiken ausfallen werden – besonders gespannt bin ich, wie der Film bei den Kindern ankommt.

Eine erste Auszeichnung hat «Plitsch Platsch forever» bereits vor dem Kinostart erhalten: Bei seiner Weltpremiere Mitte März am Jugend- und Kinderfilmfestival BUFF im schwedischen Malmö …

… gewann der Film den sogenannten Barnfondens Prize. Diese Auszeichnung bedeutet mir viel, weil die Jury nur aus Kindern verschiedener Altersklassen bestand.

Kurz und knapp: Wie würdest du den Inhalt von «Plitsch Platsch forever» jemandem erklären?

Die elfjährige Pola will das Freibad Plitsch Platsch retten, damit ihre beste Freundin in die Schweiz zurückkommt. Deren Mütter betrieben in der Badeanstalt einen Street-Food-Wagen. Als die Badi während der Sommerferien wegen Sicherheitsbedenken von den Behörden geschlossen wird, wandern die drei Frauen nach Kanada aus. Pola hofft darauf, dass ihre Freundin zurückkehrt, wenn es ihr gelingt, die Badi wieder zu eröffnen.

Wie viel von dem Film hat mit deiner eigenen Lebensgeschichte zu tun?

Das Drehbuch zu «Plitsch Platsch forever» stammt nicht von mir – und doch habe ich mich darin wiedergefunden. Ich bin seit Kindesbeinen eine Wasserratte – und das nicht nur zum Vergnügen. Ich war Synchron-, Leistungs- und Rettungsschwimmerin. Und auch ich erlebte in jungen Jahren, wie eine meiner besten Freundinnen plötzlich wegzog. Eine Badi ist kein normaler Ort, sondern ein eigenes kleines Universum, das visuell viele Geschichten zu erzählen hat.

Alva Maurer, eine der beiden Hauptdarstellerinnen, sagte im Interview mit der «Aargauer Zeitung», besonders die nächtliche Wasserszene blieben ihr unvergessen.

Wir drehten im Sommer 2025 während den Ferien. Aber es war kaum einmal schönes Wetter. Es gibt eine Szene im Film, während der es sogar geregnet hat.

Das habe ich nicht bemerkt.

Das ist gut so. Wir mussten während Color Grading, also während der Postproduktion, da und dort zaubern. Sogar die Sonne mussten wir einbauen, damit wir einen einheitlichen, cineastischen Look erzeugen konnten.

Im Interview sagte Alva Maurer: «Trotz Neoprenanzügen unter unseren Kleidern haben wir gefroren – aber es war trotzdem lustig.»

Ich bin froh, dass Alva die nächtliche Poolszene positiv in Erinnerung behalten hat. Das Wasser in der Badi war ohnehin kalt, und in jener Nacht fiel auch die Aussentemperatur ungewöhnlich tief. Deshalb entschied ich mich, dass wir die Wasserszene nur einmal drehen. Natürlich hätte ich noch so gerne mehrere Einstellungen gedreht, aber das wäre unmenschlich gewesen.

Ich finde, alle Kinder, die in «Plitsch Platsch forever» mitspielen, machen einen grossartigen Job.

Dieses Lob freut mich sehr. Wir haben bereits beim Casting sehr genau darauf geachtet, dass die Kinder in ihren Rollen im Film dem eigenen Wesen weitgehend treu bleiben können. Alva spielt in «Plitsch Platsch forever» das klügste Mädchen der Schule. Im vorab aufgenommenen Casting-Video hört man, wie ihr Vater ihr Anweisungen gibt: «Alva, schau bitte einmal wütend. Und jetzt bitte traurig.» Irgendwann sagt der Vater: «Alva, ich glaube, die Regisseurin sucht ein kluges Mädchen – also schau doch bitte einmal richtig klug.» Alva antwortet: «Da muss ich gar nichts machen – da kann ich einfach ich selbst sein.»

Im Song «Kinder an die Macht» von Herbert Grönemeyer heisst es: «Gebt den Kindern das Kommando. Sie berechnen nicht, was sie tun. Die Welt gehört in Kinderhände. Dem Trübsinn ein Ende.» Nachdem ich deinen Film gesehen habe, nehme ich fest an, dass du gleicher Meinung bist …

Ich nehme Kinder ernst und mag es überhaupt nicht, wenn sie unterschätzt werden oder wenn ich Sätze höre wie: Das sind ja nur Kinder. Ich finde es auch absurd, dass wir Erwachsenen über Themen an der Urne entscheiden, deren Folgen später die heutigen Kinder tragen müssen. Ich kenne dieses Gefühl des Nicht-ernst-genommen- und Nicht-gehört-Werdens aus der eigenen Kindheit. Ich empfand das immer als schlimm.

Dir scheint Aufklärung von jungen Menschen ein persönliches Anliegen zu sein. Zusammen mit Satiriker Patrick «Karpi» Karpiczenko veröffentlichtest du 2024 das Kinderbuch «Meine erste Demo».

Unser satirisches Buch war für Erwachsene und Kinder gedacht. Auf Amazon gibt es einen Hinweis auf der Produktseite: «Achtung: Benutzung nur unter unmittelbarer Aufsicht von Erwachsenen.» Ich denke jedoch, Eltern wissen am allerbesten, was sie ihrem Nachwuchs zumuten können.

«Ich nehme Kinder ernst und mag es überhaupt nicht, wenn sie unterschätzt werden»: Natascha Beller mit den beiden Hauptdarstellerinnen Neah Hefti und Alva Maurer ihres neuem Kinofilmes «Plitsch Platsch forever».
«Ich nehme Kinder ernst und mag es überhaupt nicht, wenn sie unterschätzt werden»: Natascha Beller mit den beiden Hauptdarstellerinnen Neah Hefti und Alva Maurer ihres neuem Kinofilmes «Plitsch Platsch forever».
Bild: Aliocha Merker

Die Freibäder, eigentlich Orte des Vergnügens, kamen im Sommer 2025 wegen aggressiven und unangemessenes Verhalten von Badgästen immer wieder in die Schlagzeilen.

Ich habe das bisher nicht wirklich mitbekommen. Ich finde es vielmehr schön, dass Badis Orte sind, an denen sich Menschen aus allen Schichten und allen Altersgruppen treffen können. Solche Knotenpunkte gibt es in unserer Gesellschaft nicht sehr viele.

Gibt es das Böse?

Ja – ich denke, auch du kennst Männer wie Donald Trump, Wladimir Putin oder Recep Tayyip Erdoğan.

Was kann man gegen das Böse tun?

Leider oft nicht genug.

Was fällt dir als erstes zu Donald Trump ein?

Das Verhalten des US-amerikanischen Präsidenten macht mich nur traurig – und ich fühle mich oft ohnmächtig. Umso schöner finde ich es, dass wir in der Schweiz dank der direkten Demokratie auch als Einzelpersonen Einfluss auf die Politik nehmen können.

Was fällt dir als erstes zur ehemaligen Bundesrätin Simonetta Sommaruga ein?

Ich glaube, einer der Vorteile des politischen Systems in der Schweiz ist, dass nicht eine einzelne Person an der Spitze steht, sondern wir sieben Bundesrätinnen und Bundesräte haben. Weil hierzulande Rechts, Mitte und Links gemeinsam regieren, ergibt sich eine Mischung, die ziemlich gut funktioniert – auch wenn ich natürlich nicht alle Entscheide gut finde, die im Bundeshaus gefällt werden. Aber das gehört zur Eigenart unserer direkten Demokratie.

Welches Gesetz würdest du gerne einführen?

Ein Grundeinkommen für alle Menschen ab zwölf Jahren fände ich cool.

Welche wissenschaftliche oder technische Entwicklung hat dich bisher am meisten beeindruckt?

Ich bin beeindruckt von der rasanten Entwicklung der AI.

Macht dir diese Entwicklung manchmal auch Angst?

Ich bin vor allem neugierig, was in Zukunft noch alles möglich sein wird. Gleichzeitig ist mir aber durchaus bewusst, dass AI leider auch viel Ungutes und Schlimmes ermöglichen wird. Ich war schockiert, als ich hörte, dass die deutsche Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes Opfer digitaler Gewalt geworden ist. Ich weiss natürlich, es gilt immer die Unschuldsvermutung, aber wenn es wahr ist, dass ihr Ex-Mann von ihr Fake-Profile mit pornografischen Inhalten erstellt hat, ist das einfach nur schrecklich, unmenschlich und sehr beängstigend. Es ist deshalb umso wichtiger, dass der Gesetzgeber Opfer von digitaler Gewalt endlich besser schützt. Ich hätte mir schon bei der Einführung des Internets gewünscht, dass die Politik klarer Regeln erstellt – und hoffe jetzt einfach, dass sie bei der AI nicht nochmals in Untätigkeit verharrt.

Welche unwissenschaftliche Entdeckung fasziniert dich?

Ist eine Reise auf den Mond eine unwissenschaftliche Entdeckung?

Ich denke eher nicht. Aber ich will nicht so sein und lasse deine Antwort gelten.

Ansonsten schlage ich dir den Blobfisch vor. Er wurde vor zehn Jahren entdeckt und galt lange als das hässlichste Tier der Welt. 2025 ernannte ihn Neuseeland zum «Fisch des Jahres», um die bedrohte Art besser zu schützen.

Erinnerst du dich an deinen allerersten Kinobesuch?

Mit grosser Wahrscheinlichkeit war «Ariel, die Meerjungfrau» der erste Film, den ich im Kino gesehen habe. Danach wollte ich so oft wie möglich ins Kino gehen.

Was ist das verrückteste Erlebnis, das du bisher in einem Kinosaal erlebt hast?

Ich war auf den Philippinen in den Ferien und ging an einem Nachmittag ins Kino, um mir die japanische Version vom Horrorfilm «The Ring» anzuschauen. Das Besondere an dem Kino war: Man konnte so lang darin sitzen bleiben, wie man wollte. Im Kino sassen denn auch unzählige Menschen, die den Film mehrfach gesehen hatten – aufgefallen ist mir das darum, weil viele statt auf die Leinwand ständig auf ihre Smartphones geguckt haben.

Die wollten den Film demnach gar nicht mehr anschauen?

Alle warteten auf eine besonders gruselige Szene – nämlich jene, wo eine Frau plötzlich aus einem Fernsehgerät herauskriecht. Bereits Minuten bevor die Szene auf der Leinwand zu sehen war, wurde es unruhig im Saal und alle Leute fingen an zu schreien.

«Ich weiss ehrlich gesagt nicht, ob es die Perimenopause ist oder ob Frauen auch eine Midlife-Crisis haben können. Oder ob ich an beidem gleichzeitig leide»: Natascha Beller wurde vor wenigen Wochen 44 Jahre alt.
«Ich weiss ehrlich gesagt nicht, ob es die Perimenopause ist oder ob Frauen auch eine Midlife-Crisis haben können. Oder ob ich an beidem gleichzeitig leide»: Natascha Beller wurde vor wenigen Wochen 44 Jahre alt.
Bild: zVg

Welche Filme beeinflussten dich bei deiner Arbeit als Filmemacherin?

Es gibt eine Reihe von Filmen, die mich nachhaltig beeinflusst haben. Unvergessen bleibt mir «The World’s End», die Action-Science-Fiction-Komödie von Edgar Wright aus dem Jahr 2013. Ich bin fasziniert davon, wie fantasievoll er darin die filmischen Mittel einsetzt. Ähnliches gilt auch für die Filme vom verstorbenen französischen Regisseur Jacques Tati.

Was fasziniert dich bei ihm?

Bei ihm passiert oft mehr im Hintergrund.

Das heisst, vorne sitzt ein Mann gelangweilt im Café, während hinten auf der Strasse ein Unfall passiert?

Genau. So etwas würde ich gerne öfters bei meinen Filmen umsetzen. In «Plitsch Platsch forever» hab ich eine Szene mit der Geburtstagsparty im Hintergrund, die davon inspiriert ist.

Du bist kürzlich 44 Jahre alt geworden. Die Hälfte deines Lebens ist möglicherweise bereits durch …

Ich bin in einer Midlife-Krise (lacht).

Wirklich wahr?

Ich weiss ehrlich gesagt nicht, ob es die Perimenopause ist oder ob Frauen auch eine Midlife-Crisis haben können. Oder ob ich an beidem gleichzeitig leide. So oder so: Ich machte mir in letzter Zeit oft Gedanken über mein Leben und fragte mich, was die zweite Hälfe noch alles bringen wird.

Wie zufrieden bist du mit dem ersten Teil deines Lebens?

Ich bin zufrieden – und frage mich gleichzeitig: Reicht diese Zufriedenheit aus – oder sollte ich nach noch mehr Glück streben?

Hast du eine Idee, wie du noch glücklicher leben könntest?

Mit dem Älterwerden wurde ich wählerischer. Ich sage heute seltener Ja – privat genauso wie im Beruf. Ich möchte mich künftig noch mehr auf das fokussieren, was ich wirklich machen will.

Wie alt willst du werden?

Kurz vor dem 100. Geburtstag möchte ich die Welt verlassen.

Dich stört es demnach nicht, mit dem Rollator spazieren zu gehen?

Das ist okay für mich – wichtig wäre mir einfach, bis ans Lebensende möglichst fit im Kopf bleiben zu können.

Wir nähern uns langsam dem Ende dieses Interviews und kommen damit zum grossen Talenttest: Schätze jetzt bitte, liebe Natascha, dein Talent von null Punkten, kein Talent, bis zehn Punkte, Supertalent, ein: Bergsteigerin?

Zwei Punkte. Ich war kürzlich Bouldern …

… und nicht besonders erfolgreich dabei gewesen?

Kann man so sagen.

Witzerzählerin?

Ich habe ein Talent dafür, während eines Essens die Menschen am Tisch schnell zum Lachen zu bringen. Witze kann ich mir aber leider nicht gut merken. Deshalb gebe ich mir nur neun von zehn Punkten.

Astronautin?

Acht Punkte. Ich würde gerne auf den Mond fliegen und dabei die Schwerelosigkeit testen.

Wie stimmt das mit der eingangs von dir erwähnten immer grösser werdenden Angst überein?

Guter Punkt. Okay, ich warte mit dem Mondflug, bis meine Tochter erwachsen ist (lacht).


«Plitsch Platsch forever» läuft ab Donnerstag, 16. April, in den Schweizer Kinos.


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