Mit 94 Jahren Deutsche Filmikone Ingrid van Bergen ist tot

Sven Ziegler

28.11.2025

Die in der Lüneburger Heide lebende Schauspielerin kann nichts mehr sehen. (Archivbild)
Die in der Lüneburger Heide lebende Schauspielerin kann nichts mehr sehen. (Archivbild)
Philipp Schulze/dpa

Die deutsche Schauspielerin Ingrid van Bergen ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Bekannt wurde sie durch Kino- und Fernsehrollen über mehrere Jahrzehnte hinweg – und durch ein bewegtes Leben, das die Öffentlichkeit immer wieder beschäftigte.

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DPA, Sven Ziegler

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  • Die Schauspielerin Ingrid van Bergen ist im Alter von 94 Jahren gestorben, wie deutsche Medien berichten.
  • Van Bergen prägte über Jahrzehnte Film, Fernsehen und Theater und blieb auch im hohen Alter präsent.

Die deutsche Schauspielerin Ingrid van Bergen ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Hinter ihr liegt ein Leben, das so dramatisch verlief wie manche ihrer Filmrollen – geprägt von Kriegserfahrungen, grossen Erfolgen, tiefen Abstürzen und einem späten zweiten Frühling auf Bühne und Bildschirm.

Geboren 1931 in Danzig-Langfuhr, wuchs Ingrid van Bergen in Ostpreussen auf, bis der Krieg ihre Familie auseinander­riss. Ihr Vater fiel 1941 an der Ostfront, die Mutter floh später mit den vier Kindern quer durch das zerbombte Danzig – ein lebensgefährlicher Weg über die Weichsel und die Ostsee. Eines der Schiffe wurde versenkt, die Familie überlebte nur knapp.

1945 endeten die Flucht und die Angst erst in einem Auffanglager im dänischen Skagen, wo van Bergen zur Schule ging. 1948 kehrte die Familie nach Deutschland zurück, wo sie in Reutlingen die Matura ablegte.

Nach der Schule zog es sie nach Hamburg – zur Schauspielschule und auf die Bühne. Früh engagierte sie sich im Kabarett, bis sie Regisseur Helmut Käutner entdeckte und 1954 vor die Kamera holte. In den 1950er- und 60er-Jahren stieg sie zu einer der bekanntesten Schauspielerinnen im deutschsprachigen Film auf: markante Stimme, starke Präsenz, häufig besetzt als Femme fatale, Bardame oder Gegenentwurf zur biederen Nachkriegsidylle.

Dramatische Wende im Jahr 1977

Sie spielte an grossen Theatern, wirkte in über 200 Film- und TV-Produktionen mit – auch international, an der Seite von Christopher Lee, Kirk Douglas, Klaus Kinski oder Robert Mitchum. Gleichzeitig machte sie als Sängerin Karriere.

Ihr Leben nahm 1977 eine dramatische Wende. In einer Nacht am Starnberger See erschoss sie ihren Geliebten Klaus Knaths. Der Fall wurde zur bundesweiten Schlagzeile, der Prozess zum Medienspektakel. Van Bergen wurde zu sieben Jahren wegen Totschlags verurteilt, nach vier Jahren vorzeitig entlassen.

Der Neustart fiel schwer. Engagements blieben aus, der Ruf war beschädigt. Erst Anfang der 1980er gelang der langsame Weg zurück – dank Regisseur Rosa von Praunheim, Theaterrollen und später TV-Serien.

2025 ist Ingrid van Bergen erblindet

Ab den 1990er-Jahren arbeitete sie wieder regelmässig vor der Kamera, unter anderem in «Unser Lehrer Doktor Specht» und «Doctor’s Diary». 2009 kam ein unerwarteter Popularitätsschub: Sie gewann als 77-Jährige «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» und wurde zur «Dschungelkönigin Ingrid I.». Ein später Triumph – halb augenzwinkernde Kultfigur, halb Schauspielveteranin mit beeindruckender Lebensgeschichte.

Van Bergen war viermal verheiratet, verlor ihre Tochter Carolin früh und engagierte sich später stark für den Tierschutz. Sie lebte viele Jahre auf Mallorca, dann auf einem Hof in der Lüneburger Heide – gemeinsam mit einer Freundin aus der Haftzeit und über hundert geretteten Tieren.

Sie bezeichnete sich als Buddhistin, schrieb Tiergeschichten und blieb bis ins hohe Alter präsent, auch in Hörspielproduktionen. 2025 erblindete sie vollständig, blieb aber – wie sie selbst einmal sagte – «tapfer».