Kiki Maeder im Interview Sie soll stark bleiben – auch wenn es weh tut

Carlotta Henggeler

10.4.2026

Kiki Maeder über die emotionalsten Momente bei «Happy Day»: «Die Menschen, die wir begleiten, zeigen mir immer wieder, was wir bewirken können, wie viel Hoffnung wir geben – das gibt unglaublich viel zurück.»
Kiki Maeder über die emotionalsten Momente bei «Happy Day»: «Die Menschen, die wir begleiten, zeigen mir immer wieder, was wir bewirken können, wie viel Hoffnung wir geben – das gibt unglaublich viel zurück.»
Oscar Alessio

Die bewegenden Geschichten bei «Happy Day» lassen auch Moderatorin Kiki Maeder nicht kalt. Im Interview erklärt sie, wie sie sich abgrenzt, warum sie manchmal weint – und was ihr Kraft gibt.

Carlotta Henggeler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Kiki Maeder spricht offen darüber, dass sie die emotionalen Schicksale bei «Happy Day» belasten und sie dabei manchmal ihre Tränen nicht zurückhalten kann.
  • Trotz der Herausforderungen hat sie gelernt, sich abzugrenzen und das Erlebte im Team zu verarbeiten, um nicht alles mit nach Hause zu nehmen.
  • Die positiven Veränderungen im Leben der Betroffenen und deren Hoffnung geben ihr die Motivation, seit 18 Jahren weiterzumachen.

Kiki Maeder legt Laptop und Ablaufpläne der nächsten «Happy Day»-Sendung zur Seite. blue News trifft die SRF-Moderatorin in der Lobby eines Luxushotels im Zürcher Seefeld. Ein fester Händedruck, ein offener Blick, sie ist sofort präsent. Maeder wirkt nahbar. Genau das ist ihr Markenzeichen – und ihr Job. In der Sendung vertrauen ihr Menschen ihre intimsten Geschichten und schwersten Schicksalsschläge an. Das, bevor sich die Umbaucrew von «Happy Day» daranmacht, ihr Zuhause zu renovieren. 

Es sind Geschichten, die bei ihr Spuren hinterlassen.

Ein Gespräch über Emotionen, schwierige Umbauten – und die wohl berührendste Samstagabendshow der Schweiz.

Sie und Ihr Team bauen Häuser für Menschen nach schweren Schicksalsschlägen – oft geht es um Krankheit oder Tod. Wie schaffen Sie es, dabei positiv zu bleiben?

Kiki Maeder: Das gelingt mir ehrlich gesagt nicht immer. Es gibt Momente, da wird es einfach zu viel – da muss ich wirklich schlucken oder kurz wegschauen. Aber ich versuche, für die Menschen stark zu bleiben, weil es in diesem Moment um sie geht und nicht um mich.

Zur Person

Christina «Kiki» Maeder (1981) ist Moderatorin, Schauspielerin, Keynote Speakerin und Trainerin für Auftritts- und Medienkompetenz. Nach ihrer Schauspielausbildung war sie in Film- und TV-Produktionen zu sehen und arbeitete mehrere Jahre im PR- und Kommunikationsbereich. Seit 2012 steht sie für SRF vor der Kamera. Einem breiten Publikum ist sie vor allem durch die Sendung «Happy Day» bekannt, wo sie Umbauten begleitet. Zudem moderiert sie Events und gründete 2013 eine eigene Kommunikationsagentur. Sie ist zweifache Mutter und lebt im Kanton Zürich.

Wann war es für Sie am schwierigsten, die Fassung zu bewahren – gibt es ein konkretes Beispiel?

Natürlich gibt es diese Momente – gerade bei den Umbauten. Manchmal kann ich die Tränen nicht zurückhalten. Ich finde aber, das darf auch sein. Am Ende ist es mein Job, den Menschen Halt zu geben – nicht mitzuleiden. Zum Beispiel als ein junges Mädchen ihre Mutter verloren hat und wir die Wohnung für sie und ihre Grossmutter umgebaut haben.

Sie haben während Corona in einem Interview mit «Gesichter und Geschichten» gesagt, Sie wüssten nicht, wie lange Sie das noch durchhalten. Wann war es zu viel?

Ganz so war es nicht … Nach meinen ersten Drehs vor rund 13 Jahren habe ich mich vielmehr gefragt, wie es mir gelingen kann, all diese Schicksalsschläge selbst gut zu verarbeiten.

Warum haben Sie sich am Ende trotzdem fürs Weitermachen entschieden?

Wie gesagt, ich habe nie in Frage gestellt, aufzuhören oder weiterzumachen. Die Menschen, die wir begleiten, zeigen mir immer wieder, was wir bewirken können, wie viel Hoffnung wir geben – das gibt unglaublich viel zurück.

Kiki Maeder mit Umbau-Teamkollege und Architekt Andrin Schweizer. 
Kiki Maeder mit Umbau-Teamkollege und Architekt Andrin Schweizer. 
SRF

Wie schaffen Sie es, die schweren Schicksale nicht mit nach Hause zu nehmen?

Ich habe gelernt, bewusst abzuschalten. Das war ein Prozess. Früher habe ich viel mehr mitgenommen, heute versuche ich, klarer Grenzen zu ziehen.

Was hilft Ihnen in solchen Momenten ganz konkret?

Wir tauschen uns im Team darüber aus – das hilft mir sehr, weil wir das Erlebte gemeinsam einordnen und verarbeiten können.

Oft erlebe ich, dass Menschen trotz schwerer Schicksale eine beeindruckende Stärke und Zuversicht zeigen und erstaunlich positiv mit ihrer Situation umgehen. Das ist etwas, von dem ich selbst viel lernen kann. Mit einigen bleibe ich auch in Kontakt und sehe, wie sich ihr Leben weiterentwickelt.

Welche Geschichte hat Sie bei «Happy Day» am meisten geprägt?

Es gibt nicht die eine – vielmehr sind es die vielen Begegnungen mit Menschen, die trotz schwerer Schicksale ihre Zuversicht bewahren. Diese Haltung beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue.

Haben Sie ein Beispiel?

Eine der ersten Geschichten war ein Mädchen namens Saphira, das selbst an Leukämie erkrankt war – und sich trotzdem ein Gartenhäuschen für ihre Eltern gewünscht hat. Das geht unter die Haut: Ein krankes Kind denkt nicht an sich, sondern an die Eltern – und du weisst nicht, wie es ausgeht. Mit ihr und ihren Schwestern habe ich bis heute ab und zu Kontakt, um zu schauen, wie es ihnen geht. Und das Schönste ist: Heute ist sie ein gesundes Mädchen.

Bleiben Menschen öfter auch nach der Sendung Teil Ihres Lebens?

Teilweise ja. Es ist sehr schön zu sehen, wie es ihnen weitergeht.

Sie sind ständig von Umbauten umgeben – haben Sie privat auch Lust, bei Ihnen etwas zu verändern?

(lacht) Nicht immer. Es gibt definitiv auch einen Teil in mir, der einfach Ruhe und Beständigkeit möchte.

Nehmen Sie trotzdem Ideen aus den Umbauten mit Happy-Day-Architekt Andrin Schweizer mit nach Hause?

Ja, gerade von Andrin Schweizer – er ist ein Genie in dem, was er macht. Es haut mich jedes Mal aus den Socken, wie er Räume neu denkt und völlig überraschende Lösungen findet. Zum Beispiel, wenn aus einer engen, verwinkelten Wohnung plötzlich ein offener, heller Lebensraum entsteht, der den Alltag der Menschen komplett verändert. Dieses räumliche Vorstellungsvermögen habe ich selbst überhaupt nicht – umso mehr bewundere ich es.

Was kann er, das andere nicht können?

Er hat ein feines Gespür für Menschen und ist mutig, vor allem bei den Farben. Man selbst ist oft eher vorsichtig, bleibt bei Weiss oder neutralen Tönen. Aber er zeigt, wie viel ein Raum gewinnt, wenn man sich etwas traut. Das habe ich definitiv von ihm gelernt. Ich habe auch angefangen, mehr auszuprobieren und Farben bewusster einzusetzen. Das verändert sofort die Stimmung eines Raums.

«Happy Day»-Sendung vom 17. Februar 2024: Beim Umbau der Männerpension Volta in Luzern stehen Moderatorin Kiki Maeder und Architekt Andrin Schweizer im Einsatz. Maeder sagt über ihren Kollegen: «Er ist ein Genie in dem, was er macht. Es haut mich jedes Mal aus den Socken, wie er Räume neu denkt und völlig überraschende Lösungen findet.»
«Happy Day»-Sendung vom 17. Februar 2024: Beim Umbau der Männerpension Volta in Luzern stehen Moderatorin Kiki Maeder und Architekt Andrin Schweizer im Einsatz. Maeder sagt über ihren Kollegen: «Er ist ein Genie in dem, was er macht. Es haut mich jedes Mal aus den Socken, wie er Räume neu denkt und völlig überraschende Lösungen findet.»
SRF

Was ist für dich nach 18 Jahren «Happy Day» das Schönste an diesem Job?

Zu sehen, wie sich für jemanden wirklich etwas verändert. Ein aktuelles Beispiel ist der Umbau bei der Familie Tschanz: Das alte Bauernhaus war für die siebenköpfige Familie – insbesondere für den kranken Vater – voller Hindernisse, und über die Jahre hatte sich vieles angesammelt. Wir konnten sie beim Ausmisten unterstützen und die Raumaufteilung so gestalten, dass sich der Vater wieder sicher darin bewegen kann. Das war eine enorme Erleichterung für die ganze Familie und hat ihnen den Impuls gegeben, auch andere Dinge anzugehen. Dieser Moment, wenn Hoffnung zurückkommt – das ist unbezahlbar.

Die nächste Folge «Happy Day» läuft am Samstag, 11. April, um 20:10 Uhr auf SRF 1, Zu Gast sind Sandra Studer, Veronica Fusaro, Stress und Zian, während sich Team Kiki Maeder und Andrin Schweizer einem besonderen Hausumbau für die Familie Tschanz aus Rorschacherberg (SG) widmen, die fünf Kinder hat und deren Vater an einer schweren neurologischen Krankheit leidet.


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