Doku von und mit Amerikas First Lady «Melania» oder Ein 75-Millionen-Dollar-Einblick ins Nichts

Helene Laube

4.2.2026

Die First Lady der USA, Melania Trump, bei der Premiere ihres Films «Melania» im Kennedy Center in Washington. (29. Januar 2026)
Die First Lady der USA, Melania Trump, bei der Premiere ihres Films «Melania» im Kennedy Center in Washington. (29. Januar 2026)
Bild: Keystone/AP Photo/Jose Luis Magana

Amazon hat Melania Trumps Dokumentarfilm über sich selbst herausgebracht. In der Schweiz ist er noch nicht zu sehen, unsere Korrespondentin hat sich in San Francisco ins Kino gesetzt – und ist so ratlos wie zuvor.

Helene Laube

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • «Melania», der Dokumentarfilm von und mit US-Präsidentengattin Melania Trump, spielt seit ein paar Tagen in Kinos auf ganzen Welt.
  • Der Film begleitet Melania Trump, wie sie in den 20 Tagen vor der zweiten Amtseinführung von Donald Trump im Januar vergangenen Jahres die «Komplexität ihres Lebens bewältigt» und nebenbei ihre «Familie umsorgt».
  • Amazon soll 40 Millionen Dollar für die Filmrechte bezahlt haben – Melanie Trump erhielt davon 28 Millionen Dollar.
  • In der Schweiz kommt der Film aus nicht bekannten Gründen nicht ins Kino, wird aber bald auf Amazon Prime gestreamt.
  • blue News hat sich «Melania» in San Francisco angeschaut.

«Everyone wants to know, so here it is», ertönt zu Beginn von «Melania», dem neuen Dokumentarfilm von und mit Melania Trump, ihre Stimme aus dem Off. Die Kamera gleitet über türkisfarbenes Wasser zu einem Strand, direkt dahinter: Mar-a-Lago im goldenen Sonnenlicht. Melania Trumps Stöckelschuhe werden gross ins Bild gerückt, während sie vor einem Tor in ein SUV steigt. Unzählige Nahaufnahmen ihrer «heels», wie Melania Trump sie nennt, werden folgen, bald fragt sich der Zuschauer, ob Melania Trumps Schuhwerk interessanter ist als ihre Persönlichkeit. Oder ob Regisseur Brett Ratner einen Schuh-Fetisch hat.

Diese Eröffnungsszene kriegt die Hälfte der zu Beginn anwesenden Zuschauer (acht) im Kino in San Francisco aber schon gar nicht mehr mit. Nach einem Gruppen-Selfie-Gewitter vor dem Filmstart haben vier Zuschauerinnen den kleinsten Kinosaal (50 Plätze) des Multiplex bereits wieder verlassen. Ob sie nur hier waren, um die Anzahl verkaufter Eintrittskarten hochzutreiben, da es nicht ausreichen dürfte, Busse voller Senioren in republikanischen Landesteilen in die Kinos zu karren?

Die Strategie scheint jedenfalls zu funktionieren: In den ersten drei Tagen spielte die Pseudodokumentation mit gut 7 Millionen Dollar deutlich mehr ein als erwartet und als für Dokumentarfilme üblich. Die kosten in aller Regel aber auch keine 40 Millionen Dollar, die Amazon Melania Trumps Produktionsfirma Muse Films für die Rechte bezahlt haben soll – 28 Millionen davon für die First Lady. Sie werden auch nicht mit weiteren 35 Millionen Dollar auf der ganzen Welt vermarktet und auf tausenden Leinwänden gezeigt.

Im Eingang des AMC Metreon in San Francisco hängen Poster der Filme, die gezeigt werden. «Melania» fehlt.
Im Eingang des AMC Metreon in San Francisco hängen Poster der Filme, die gezeigt werden. «Melania» fehlt.
Bild: Helene Laube

Wohlwollen der Trump-Regierung erkauft

Die Rekordsumme führt mitunter zum Vorwurf, Amazon-Gründer Jeff Bezos habe sich und seinem weit verzweigten Konzern das Wohlwollen von Donald Trump und seiner Regierung – allen voran der Regulierungsbehörden – erkauft. Selten hat das im Vorspann gezeigte Logo von Amazon MGM Studios mit dem brüllenden Löwen und dem Slogan «Ars Gratia Artis» (Kunst um der Kunst willen) ironischer gewirkt.

Der materielle Gewinn für die Trumps, die sich die Milliarden in der zweiten Amtszeit noch ungenierter in die Taschen stopfen, scheint deutlich wichtiger zu sein als jeder Nutzen, den «Melania» der Trump-Regierung als Propaganda-Vehikel zu liefern vermag. Wie anders lässt sich erklären, dass das Subjekt eines Dokumentarfilm fast gar nichts von sich preisgibt und sich gegen jegliche Selbstreflexion stemmt.

Der Film biete «einen beispiellosen Einblick» in die 20 Tage vor der zweiten Amtseinführung Donald Trumps im Januar vergangenen Jahres, heisst es zwar. Sie wolle in dieser «intimen Chronik» zeigen, wie sie die «Komplexität ihres Lebens bewältigt» und ihre «Familie umsorgt», umschreibt Melania Trump ihren Film, der überwiegend vernichtende Kritiken bekommt und in vielen fast leeren Kinosälen spielt. Aber der vermeintliche Blick hinter die glitzernde Luxus-Kulissen bleibt oberflächlich. Man weiss nach 104 Minuten «Melania» nicht viel mehr über Melania Trump wie zu Beginn des Films.

Keine Emotionen, keine Reaktionen

Es gibt auch keinen Moment, in dem die Titelfigur so etwas wie eine emotionale Katharsis erlebt, kaum Szenen, in der sie Gefühle zeigt. Melania Trump spielt mehrmals auf ihre Trauer über den Tod ihrer Mutter im Januar 2024 an, bleibt dabei aber immer stoisch.

In einer Szene, in der Aviva Siegel, eine ehemalige Geisel der Hamas, den Trump Tower besucht, um sich für die Freilassung ihres Ehemanns Keith Siegel einzusetzen, verkommt die Israelin zu einer Requisite in Melania Trumps Filmprojekt. Die Begegnung verlangt nach Einfühlsamkeit, doch die First Lady verwandelt sie in einen Modemoment, indem sie Siegel ein Kompliment für ihr T-Shirt macht, auf dem das Bild ihres gefangenen (und inzwischen frei gelassenen) US-israelischen Ehemanns zu sehen ist. Er sei «wunderschön». Zu mehr lässt sich Melania Trump nicht hinreissen.

In einer anderen Szene verfolgt sie mit glasigen Augen auf Fox News die Nachrichten über die Brandkatastrophe in Los Angeles im Januar 2025. Auch hier: Was solche Bilder in ihr auslösen, erfährt man nicht.

«Melania» handelt in erster Linie von einer stets perfekt gekleideten, geföhnten und geschminkten Frau, die in sehr hohen Heels gekonnt in Räume und Lifte gleitet und sie wieder verlässt. Oder in Privatjets und gepanzerte SUVs ein- und wieder aussteigt, um an allerlei wichtige Orte transportiert zu werden.

Donald Trump und seine First Lady Melania Trump bei der Premiere des Dokumentarfilms «Melania». 
Donald Trump und seine First Lady Melania Trump bei der Premiere des Dokumentarfilms «Melania». 
Bild: Keystone/AP Photo/Jose Luis Magana

Befremdliche Entscheidungen

Melania Trump bestimmte als Executive Producerin des Erstlingswerks ihrer Produktionsfirma nicht nur den Inhalt des Films und des Trailers, sondern auch den Regisseur. Ihre Wahl fiel auf Ratner («Rush Hour», «The Revenant»), der im Zuge der «Me Too»-Bewegung im Jahr 2017 aus Hollywood verbannt wurde, nachdem ihn die Schauspielerin Olivia Munn und fünf weitere Frauen sexueller Übergriffe und Nötigung beschuldigten. Ratner bestritt jegliches Fehlverhalten, es kam nicht zu Anklagen.

Auch Melania Trumps vermutlich sehr teure Musikauswahl befremdet. Sie steigt kurz nach Filmbeginn zu den Klängen von «Gimme Shelter» von den Rolling Stones in einen Trump-Jet. Themen des Lieds sind Mord, Vergewaltigung und Krieg. Merkwürdig auch die Wahl von Michael Jacksons «Billie Jean» (falsche sexuelle Anschuldigungen), «Everybody Wants to Rule the World» (klar) von Tears for Fears, James Browns «It’s a Man’s Man’s Man’s World» (auch klar) und Ravels «Bolero», ein Werk, das den Verlauf einer orgastischen Ekstase nachzeichnet.

Mag Melania Trump diese Musik einfach oder will sie damit etwas signalisieren, wie damals mit der «I really don't care, do you?»-Militärjacke, mit der sie im Jahr 2018 durch Trumps Einwanderungspolitik von ihren Eltern getrennte Kinder in Texas besuchte?

Unermüdlicher Einsatz für Familie und Amerika

Es folgen weitere Szenen aus Melania Trumps letzten Wochen als Privatperson. Sie plant die Feierlichkeiten für die Amtseinführung ihres Gatten, regelt den Umzug ins Weisse Haus und führt Vorstellungsgespräche mit Kandidatinnen für ihr Office of the First Lady im Ostflügel des Weissen Hauses, den ihr Mann bekanntlich wenig später abreissen liess.

In ihrem Film ist Melania Trump bemüht, ihren unermüdlichen Einsatz für die Familie, für das Weisse Haus, für ihr Land, für Soldaten, für Waisen- und gemobbte Kinder ins Rampenlicht zu rücken. In einem Videocall mit der Gattin des französischen Präsidenten Emmanuel Macron über die «Be Best»-Initiative erklärt Melania Trump: «Psychische Gesundheit, Angstzustände nehmen weltweit aufgrund von Cybermobbing zu.» Was «Be Best» tatsächlich geleistet hat oder leisten wird, wird nicht erklärt. Immerhin, als Brigitte Macron Melania Trump erklärt, sie würde sich für eine Kindheit ohne zu viel digitale Ablenkung einsetzen, notiert diese auf einem mit grossen «Be Best»-Lettern bedruckten Notizblock die Worte: «Smartphone erst ab 11 Jahren». Ihr Mann, der Cyber-Mobber in Chief, verbreitet derweil regelmässig Lügen, spricht direkte Drohungen aus und betreibt in den sozialen Medien Rufmord.

Aber «Melania» ignoriert jede Dissonanz. «Ich lebe jeden Tag mit Zielstrebigkeit und Hingabe», erklärt die Protagonistin, einer von Dutzenden inspirierenden Sinnsprüchen, die klingen, als hätte man sie aus Selbsthilfebüchern abgeschrieben. «Schönheit erwächst aus Hingabe» oder «Meine Ausbildung in Architektur hat mir eine ernsthafte Herangehensweise an Design vermittelt» sind weitere Banalitäten in ihrem hölzern vorgetragenen Voiceover, dem jeder Tiefgang fehlt und das keine authentischen Gefühle erkennen lässt, genau so wie ihre Dialoge im Film. Melania Trump redet viel ohne etwas zu sagen.

«Zeitlose Eleganz» – und goldene Eier

Am detailsreichsten dokumentiert «Melania» ihren Einsatz für Stil, für Design und für «zeitlose Eleganz». Sie führt lange Besprechungen mit ihren Innenarchitekten und Eventplanern, es müssen Entscheidungen getroffen werden über die Farbe der Einladungen für die Amtseinführung, über die Blumen, die Tischdecken, die Kerzen und das Geschirr. Gold und beige dominieren. Sie scheint sich wahnsinnig über die Ansage zu freuen, dass beim Inauguration-Dinner am 19. Januar 2025 als erster Gang ein «goldenes, mit Kaviar gefülltes Ei» serviert wird. Später sind die Eier auf den überladenen Tischen im National Building Museum in Washington zu sehen, dahinter die Gäste, unter ihnen Trump-Geldgeber wie Elon Musk und – selbstverständlich – Jeff Bezos.

In qualvoller Länge werden Anproben im Trump Tower gezeigt, bei denen ein Heer von Modedesignern und Schneidern die ehemalige und künftige First Lady umschwärmen – durch die Panoramafenster ist ganz Manhattan zu sehen. «Meine kreative Vision ist immer klar», informiert sie die Kinogänger, nachdem sie Designer und Schnittdirectricen angewiesen hat, das dunkelblaue mantelähnliche Kleid für die Vereidigung ihres Mannes «enger zu machen». Ein Kleid so konservativ wie die Politik ihres Mannes.

Und der unvergessliche flache Matelot-Hut mit der breiten Krempe, unter der die obere Gesichtshälfte während der Zeremonien verdeckt blieb: Das weisse Garniturband müsse halb so breit sein, befiehlt das ehemalige Model, die Krone noch flacher.

Diese Szenen sind ungewollt komisch mit spannungsvoller Musik unterlegt, genau so wie die Momente, in denen der zu lange Saum am vom französisch-amerikanischen Modedesigner Hervé Pierre entworfenen, schwarz-weissen Ballkleid («Meine Lieblingsfarben!») für den Starlight Ball abgeschnitten wird.

Melania Trump und der unvergesslicher Hut (r.), mit Sohn Barron (M.) und Donald Trump bei dessen Vereidigung am 20. Januar 2025 im US-Kapitol in Washington. 
Melania Trump und der unvergesslicher Hut (r.), mit Sohn Barron (M.) und Donald Trump bei dessen Vereidigung am 20. Januar 2025 im US-Kapitol in Washington. 
Bild: Keystone/Kevin Lamarque/Pool Photo via AP)

Parallelwelten

Vieles im Film steht in direktem Widerspruch zu dem, was in der Welt passiert. Stolz teilt Melania Trump den Zuschauern mit, dass sie in der ersten Amtszeit ihres Mannes «den Rosengarten umgestaltet» habe; dieser liess ihn vergangenes Jahr planieren.

Später, als sie laut über die «überwältigende Unterstützung» des Volkes nachdenkt, die sie am Tag der Amtseinführung erfahren hat, sagt sie: «Letztendlich sind wir alle, egal woher wir kommen, durch dieselbe Menschlichkeit verbunden.» Ein anderer Regisseur hätte vielleicht die Spannung thematisiert zwischen dem von Melania Trump präsentierten alternativen Universum voller Frieden, Liebe und Einheit und der von Diskriminierung, Rassismus und Hetze geprägten Realität der Trump-Regierung, die den meisten Einwanderern und jenen US-Bürgern, die sich für sie einsetzen, ihre Menschlichkeit aberkennt. Stattdessen hängen Melania Trumps Worte wie so viele andere unkommentiert in der Luft.

Das schwarz-weisse Ballkleid, das Melania Trump zu den drei Bällen am Abend der Vereidigung ihres Gatten trug, hat eine relativ grosse Rolle in «Melania». (20. Januar 2025)
Das schwarz-weisse Ballkleid, das Melania Trump zu den drei Bällen am Abend der Vereidigung ihres Gatten trug, hat eine relativ grosse Rolle in «Melania». (20. Januar 2025)
Bidl: Keystone/AP Photo/Alex Brandon

Die Ehe der Trumps, die nach aussen hin nie besonders liebevoll wirkt, erscheint in den seltenen Momenten, in denen sie in «Melania» miteinander zu tun haben, sehr nüchtern. «Das ist gut, gratuliere», sagt Melania Trump am Wahlabend etwas unbeteiligt ins Handy, als Trump ihr seinen Sieg bei den Präsidentschaftswahlen im November 2024 verkündet und selbstredend mit Zahlen protzt. «Ich werde es in den Nachrichten sehen.»

In einer anderen Szene verabschiedet sich Donald Trump nach ein paar Höflichkeitsfloskeln von seiner Gattin in Richtung Schlafgemach. Offenbar schlafen die beiden in getrennten Schlafzimmern, aber wen interessiert das schon. Ratner fängt zahlreiche Momente des Händchen haltenden Paars ein und dennoch: Null Chemie. Die Trumps konnten – oder wollten – diese nicht einmal für diese Eitelkeitsdoku vortäuschen.

Melania Trump bleibt rätselhaft

Wer ist Melania Trump? Sie wurde am 26. April 1970 in Novo mesto im heutigen Slowenien geboren. Sie gab ihr Architekturstudium in Ljubljana nach einem Jahr auf um als Model zu arbeiten. Ihr Mann ist der mächtigste Mann der Welt. Sie ist stolz, «Amerika zu repräsentieren». Sie ist ein hart arbeitender und kreativer Mensch. Sie war schon immer sehr ehrgeizig. «Melania» macht sie zu einer der bestbezahlten Schauspielerinnen überhaupt. Eines Tages erfahren wir vielleicht, was es für den Weg aus dem ehemaligen Jugoslawien ins Weisse Haus brauchte – und wie sie darüber denkt.

Immerhin stellt «Melania» ein für allemal klar: Die rätselhaft gebliebene Frau hinter der Sonnenbrille ist letztendlich die perfekte Partnerin für Donald Trump.

Trump auf Epstein-Fotos zu sehen

Trump auf Epstein-Fotos zu sehen

US-Präsident Donald Trump ist auf Bildern aus dem Nachlass des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein zu sehen, die aus der Phase vor seiner Amtszeit stammen. Die Bilder wurden am 12. Dezember 2025 von den Demokraten publiziert.

13.12.2025