Beleidigungen, Mobbing, AngriffeSkandal-TV-Show feiert Comeback – und sofort fliegen wieder die Fetzen
Lukas Rüttimann
24.3.2025
Krawallbraut in Skandalshow: Influencerin Lisha Savage sorgt auch in «Promis unter Palmen» für jede Menge Zoff.
Bild:Sat 1 / Screenshot
Wegen Mobbing und Grenzüberschreitungen wanderte die Reality-Show «Promis unter Palmen» in den Giftschrank. Jetzt ist die Skandalshow zurück – mit alten Problemen und spürbar nervösen Produzenten.
Lukas Rüttimann
24.03.2025, 16:27
Lukas Rüttimann
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
In der TV-Show «Promis unter Palmen» kämpfen Influencer*innen an einem thailändischen Strand um Geld.
Wegen Mobbing und anderen Grenzüberschreitungen gerieten die Macher in die Kritik.
Staffel eins löste einen Shitstorm aus, Staffel zwei wurde abgesetzt.
Jetzt ist die Reality-Show zurück. Mobbing-Ansätze werden spürbar unterdrückt. Alte Muster tauchen aber immer wieder auf.
Hinter dem idyllischen Titel verstecken sich Abgründe, die selbst in der skandalgewohnten deutschen Reality-Landschaft für Aufsehen sorgten.
In der ersten Staffel (2020) mobbte eine Gruppe Influencer*innen um den selbsternannten Fitness-Guru Bastian Yotta (bürgerlich: Bastian Josef Gillmeier) die trinkfreudige Society-Dame Claudia Obert so massiv, dass die Grenzen zur Unterhaltung mehr als nur überschritten wurden.
Entsetzen über Promi-Verhalten
Die Bilder der damals 60-Jährigen, die weinend im Bett lag und eine ihre bis dato unbekannte Boshaftigkeit beklagte, lösten weit über Deutschland hinaus Entsetzen aus.
Sie sorgten dafür, dass sich «Promis unter Palmen» den Ruf als eine der schlimmsten Reality-TV-Shows überhaupt einhandelte. Zumal sich die Teilnehmenden im thailändischen Ferienressort auch sonst vor allem gegenseitig verhöhnten, beleidigten und anschrieen.
Skandal in Staffel eins: Mobbing-Opfer Claudia Obert liegt weinend im Bett und wird von Influencer Tobias Wegener (l.) getröstet..
Bild:Sat 1
Die zweite Staffel war nicht viel besser. Im Gegenteil: Schon in der ersten Folge schockierte der Pseudo-Adelige Marcus Prinz von Anhalt mit einer homophoben Attacke auf einen anderen Teilnehmer, worauf Sat 1 die Episode offline nehmen musste.
Nach Ausstrahlung der zweite Folge wurde die Show sogar ganz abgesetzt – offiziell «aus Pietätsgründen», weil Teilnehmer Willi Herren zuvor unerwartet verstorben war.
Gut möglich aber ist, dass die Show auch sonst im Giftschrank gelandet wäre. Denn Gerüchte, dass diese zweite Staffel – unter anderem mit der Schweizer Influencerin Elena Miras – noch schlimmer gewesen sei als die erste, halten sich bis heute hartnäckig.
Claudia Obert ist zurück
Jetzt ist «Promis unter Palmen» wieder da, nach vier Jahren auf der Strafbank. Spürbar ist, wie sehr die Produzenten um Wiedergutmachung bemüht sind.
So ist Mobbing-Opfer Claudia Obert diesmal als Stargast erneut mit dabei – und wird von den anderen Teilnehmenden trotz ihres durchwegs hohen Alkoholspiegel auffällig wohlwollend behandelt.
Das Influencer-Duo bringt das Model zum Weinen und tritt bei der Rauswahl – frei nach dem Mobber-Motto «draufhauen, wenn jemand am Boden liegt» – nochmals übel nach.
Wurde fertiggemacht – Dieter Bohlens «Teppichluder», Janina Youssefian bei ihrem Auszug aus der thailändischen Villa.
Bild:Sat 1 / Screenhsot
Beim Auszug sagt Youssefian unter Tränen, sie sei «einfach nur froh», raus zu sein und «solche ekelhaften Menschen» nicht mehr sehen zu müssen.
Bei den Produzenten müssen bei diesen Aussagen die Alarmglocken geklingelt haben. Denn ab Folge zwei wird die Zoff-Show spürbar herunter gekühlt. Krawallbraut Savage findet kaum noch statt, und selbst bei harmlosen Konflikten schreitet umgehend die Produktion ein.
Auch bei den Abwahlen, sonst der Höhepunkt der explosiven Emotionen, kommt es nun plötzlich zu versöhnlichen Szenen. Iris Klein entschuldigt sich sogar bei ihrer Erzfeindin Yvonne Woelke dafür, dass sie leider ihre Stimme erhalte – obwohl letztere ihr den Mann ausspannte und Klein sie zuvor als «Furunkel» bezeichnet hatte. Schöne neue Promi-Welt.
Krawallshow ohne Zoff – ein heikler Balance-Act
Das Problem ist bloss: Eine Krawallshow ohne Krawall will niemand sehen. Tatsächlich muss sich das Publikum nun mit gekünstelt wirkende Liebeleien zwischen C-Promis abgeben – oder zuhören, wie angesäuselte Influencer*innen über den thailändischen Sonnenuntergang sinnieren.
Auf die Dauer zumuten kann man das niemandem. Und auch die Quoten dürften dabei Depressionen gekriegt haben. Deshalb trieb man das Zoff-Barometer zuletzt wieder spürbar nach oben.
In der jüngsten Folge flogen zwischen Savage und dem zum Lottomillionär aufgestiegenen Bauarbeiter Chico prompt die Fetzen – mit persönlichen Beleidigungen und echten Aggressionen in bester «Promis unter Palmen»-Manier.
Neue Töne bei «Promis unter Palmen» – die inszeniert wirkende Aussprache zwischen Lottomillionär Chico (Mitte) und Influencerin Lisha Savage (rechts).
Sat 1 / Screenshot
Allein – die Sünden der Vergangenheit wiegen schwer auf dieser Show. Und statt weiteren Eskalationen folgt aus heiterem Himmel eine ziemlich aufgesetzt wirkende Aussprache.
Ob das Publikum diesen merkwürdigen Balance-Akt auf Dauer goutiert?
Klar ist: Schon bald dürfte sich zeigen, ob «Promis unter Palmen» in dieser Form mehr als nur ein einmaliges Comeback gelingt.
Zunächst aber gibt es heute Montag eine neue Folge (20.15 Uhr, Sat 1). Mit der einen oder anderen tickenden Zeitbombe unter den Kandidat*innen – und den derzeit wohl nervösesten Produzenten der Reality-TV-Welt.
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