Tod am selben TagDas bewegte Leben der Kessler-Zwillinge
Jenny Keller
17.11.2025
Die Kessler Zwillinge sind gestorben
Die Kessler-Zwillinge Alice und Ellen bei der «Die Liebe Geld»- Theaterpremiere im März 2022 in München. Die Showlegenden wurden 89 Jahre alt.
Bild: IMAGO/APress
Alice und Ellen Kessler wurden am 20. August 1936 im sächsischen Nerchau geboren.
Bild: imago stock&people
1965: Die Kessler-Zwillinge am 2. August 1965 in London. Die Entertainerinnen waren in den 1950er und 1960er Jahren in Deutschland und Italien für ihren Gesang, Tanz und ihre Schauspielerei bekannt. Sie wurden als «Kessler-Zwillinge» bezeichnet.
Bild: IMAGO/United Archives Keystone
1957: «Der Graf von Luxemburg» mit den Kessler-Zwillingen und Gerhard Riedmann als Graf von Luxemburg. Die Zwillinge spielten die Tänzerinnen Fritzi und Franzi.
Bild: imago images / United Archives
Alice und Ellen Kessler in einem Showkostüm. Das Bild entstand 1959.
Bild: imago images / United Archives
«Lieben Sie Show» war ein TV-Format von der ARD aus dem Jahr 1962.
Bild: IMAGO/United Archives
Mit TV-Legende Rudi Carrell im Format «Die verflixte 7». Die Show mit Carrell lief von 1965 bis 1973.
Bild: imago images/United Archives
Alice (li.) und Ellen Kessler mit dem Moderator Frank Elstner beim Pressetermin für die TV-Show «Deutschland spielt auf – zum 50. Geburtstag der ARD-Fernsehlotterie» 2006.
Die Kessler Zwillinge sind gestorben
Die Kessler-Zwillinge Alice und Ellen bei der «Die Liebe Geld»- Theaterpremiere im März 2022 in München. Die Showlegenden wurden 89 Jahre alt.
Bild: IMAGO/APress
Alice und Ellen Kessler wurden am 20. August 1936 im sächsischen Nerchau geboren.
Bild: imago stock&people
1965: Die Kessler-Zwillinge am 2. August 1965 in London. Die Entertainerinnen waren in den 1950er und 1960er Jahren in Deutschland und Italien für ihren Gesang, Tanz und ihre Schauspielerei bekannt. Sie wurden als «Kessler-Zwillinge» bezeichnet.
Bild: IMAGO/United Archives Keystone
1957: «Der Graf von Luxemburg» mit den Kessler-Zwillingen und Gerhard Riedmann als Graf von Luxemburg. Die Zwillinge spielten die Tänzerinnen Fritzi und Franzi.
Bild: imago images / United Archives
Alice und Ellen Kessler in einem Showkostüm. Das Bild entstand 1959.
Bild: imago images / United Archives
«Lieben Sie Show» war ein TV-Format von der ARD aus dem Jahr 1962.
Bild: IMAGO/United Archives
Mit TV-Legende Rudi Carrell im Format «Die verflixte 7». Die Show mit Carrell lief von 1965 bis 1973.
Bild: imago images/United Archives
Alice (li.) und Ellen Kessler mit dem Moderator Frank Elstner beim Pressetermin für die TV-Show «Deutschland spielt auf – zum 50. Geburtstag der ARD-Fernsehlotterie» 2006.
Alice und Ellen Kessler, weltbekannt als Kessler-Zwillinge, prägten das Nachkriegs-Entertainment wie kaum jemand sonst. Nun sind sie am selben Tag im Alter von 89 Jahren gestorben.
Alice und Ellen Kessler wurden 1936 in Sachsen geboren und wuchsen in einem gewalttätigen Elternhaus auf. Eine Erfahrung, die sie eng zusammenschweisste.
Ihr Karriereweg führte sie vom Kinderballett der Oper Leipzig über Düsseldorf bis ins Pariser Lido, wo 1955 ihr internationaler Durchbruch gelang.
Die Zwillinge wurden zu europaweiten Showstars, traten mit Frank Sinatra, Harry Belafonte und Fred Astaire auf und vertraten Deutschland 1959 am Eurovision Song Contest.
Ihr gleichzeitiger Tod markiert das symbolische Finale einer einzigartigen Doppellaufbahn.
Alice und Ellen Kessler wurden 1936 ins sächsische Nerchau bei Leipzig geboren, mitten in ein Deutschland im Umbruch. Bekannt wurden sie später als Schauspielerinnen, Tänzerinnen und Entertainerinnen. Der Weg dahin begann früh und unter harten Bedingungen.
Der Vater drängte die Zwillinge schon als kleine Mädchen ins Rampenlicht. Er war ein Machtmensch, der seine Töchter geschickt vermarktete und sie bereits früh zum Ballett schickte. Als Sechsjährige wurden die Mädchen Teil des Kinderballetts der Oper Leipzig.
Schwieriges Elternhaus
Hinter der Bühnendisziplin stand jedoch ein düsteres Familienleben. Der Vater war gewalttätig: «Fast jede Nacht kam er betrunken nach Hause und hat sich mit unserer Mutter gestritten – auch handgreiflich», erzählten die Schwestern später. «Häusliche Gewalt war ein tägliches Thema. Unser Vater war ein Trinker.»
Als Kinder suchten sie Trost bei der Mutter, und schmiedeten Fluchtfantasien. «Wenn wir gross sind, schmeissen wir den Papa die Treppe runter, nehmen dich an der Hand und hauen ab.»
Die gemeinsamen Nächte, in denen der Vater sie weckte und sie sich im Bett gegenseitig Mut zusprachen, «haben uns Schwestern zusammengeschweisst», sagten sie rückblickend. Aus seinem Jähzorn hätten sie «eine grosse Härte und Stärke entwickelt».
Karrierestart in Paris
Nach ersten Engagements in der DDR floh die Familie in den Westen. In Düsseldorf fanden die Zwillinge rasch Anschluss an die Theaterwelt und erhielten als Teenager ihr erstes festes Engagement, als Tänzerinnen im Revuetheater «Palladium».
Dort zeigte sich, dass ihr synchroner Stil als markant, professionell und präzise auffiel.
Die Kessler-Schwestern tanzten auch in Paris – hier ein undatiertes Archivbild aus dem Tanzunterricht.
INP Halioua/dpa
Das blieb nicht unentdeckt. Der Direktor des legendären Pariser Lido wurde auf die jungen Deutschen aufmerksam und engagierte sie. 1955 standen die Kessler-Zwillinge auf den Champs-Élysées im Scheinwerferlicht.
Weltkarriere im Doppelpack
Paris war ihr Durchbruch. Die blondierten, grossen, disziplinierten und eleganten Zwillinge entsprachen damals genau der Fantasie des französischen Nachtlebens. Man sagte, sie hätten «deutschen Fleiss» in die Revue gebracht. Zugleich galten sie als «fleischgewordener Männertraum» der 50er- und 60er-Jahre.
Mit dieser Mischung wurden die Kesslers zu den «bekanntesten Showstars Europas». Deutsche Fernseh-Intendanten rissen sich um die beiden, die bald Dauergäste der grossen Samstagabendshows waren, bei Caterina Valente, Peter Alexander und vielen anderen.
1959 folgte der Auftritt, der sie im kollektiven Gedächtnis verankerte: Sie vertraten Deutschland beim Eurovision Song Contest mit «Heute Abend wollen wir tanzen geh’n». Das Publikum liebte sie.
Italien entdeckte die Zwillinge ebenso für sich. Sie traten in TV-Shows auf, drehten Filme, veröffentlichten Schallplatten und lebten jahrelang am Lido di Venezia. In den 60er-Jahren zogen sie ganz nach Rom. Ihr grösster Erfolg sei das Musical «Viola violino viola d’amore» gewesen, sagte Alice. «Das hatte uns keiner zugetraut. Und dann wurde es ein Riesenerfolg.»
Zweikörper-Mythos und moderne Popkultur
Was die Kessler-Zwillinge auszeichnete, war auch ihr Doppelwesen: zwei Menschen, die auf der Bühne manchmal wie ein einziger Körper wirkten. Ihre Einheit wurde zu ihrem Markenzeichen.
Die Schwestern gastierten in New York, Las Vegas, Sydney, Hongkong und Monte Carlo. Zu ihren Bühnenpartnern gehörten Grössen wie Frank Sinatra, Harry Belafonte und Fred Astaire. Sinatra sei «sehr höflich» gewesen, weil sie ihn «in Ruhe liessen», erzählte Alice später.
Auch Elvis Presley wollte die beiden für «Viva Las Vegas» gewinnen. Sie lehnten ab, aus Angst, in Hollywood auf Musikfilme festgelegt zu werden. Eine Entscheidung, über die sie später schmunzelten. Presley trafen sie dennoch. «Er war sehr verklemmt», erinnerten sie sich.
1975 fotografierte der «Playboy» die damals 40-jährigen Zwillinge. Sie erschienen in Filmen, standen für Magazine vor der Kamera und nahmen eine Reihe von Platten auf.
Unabhängigkeit als Lebensziel
Alice Kessler erklärte einmal in einem Interview: «Es gibt etwas, das uns viel wichtiger war als die Schönheit: Unabhängigkeit!» Daran hielten sie und ihre Schwester konsequent fest. «Wir haben uns nie von Männern abhängig gemacht.»
Die Zwillinge blieben unverheiratet, bekamen keine Kinder und wählten bewusst ein selbstbestimmtes Leben. Bereut hätten sie diese Entscheidungen nicht: «Wir haben uns ausgelebt», sagte Alice Kessler. Und auch die Kinderlosigkeit war kein Zufall. «Mütter wollten wir nie werden.»
Seit 1986 wohnten sie gemeinsam in einem Haus im Münchner Promi-Vorort Grünwald, jede mit eigenem Bereich, getrennt durch eine Schiebetür.
Ein Doppeltod als Schlusspunkt
Alice und Ellen Kessler überstanden das Showgeschäft nahezu ohne Skandale. Kurz vor ihrem 80. Geburtstag im August 2016 waren die Schwestern wieder im «Interview-Stress», wie sie berichteten. Sie traten in Berlin, München und Wien im Musical «Ich war noch niemals in New York» auf, wechselten sich in der Rolle ab. Der Trubel war schön, aber anstrengend. «Wir sind froh, wenn wieder Ruhe einkehrt», sagten sie.
In Interviews betonten sie immer wieder, dass sie nie ernsthaft darüber nachgedacht hätten, getrennt aufzutreten. Ihr Leben funktionierte im Gleichklang: Die eine ergänzte die andere, auf der Bühne wie im Alltag.
In einem Interview 2024 hatten die Zwillinge verraten, dass sie ihr Vermögen eines Tages an verschiedene wohltätige Organisationen vererben wollen. Nach ihrem Tod, sagten sie, möchten sie in einer Urne mit ihrer Mutter und ihrem Pudel beerdigt werden. Alice und Ellen Kessler standen 70 Jahre lang gemeinsam auf der Bühne, und verliessen sie gemeinsam.
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