Was Kanye und Kim mit Kunst und «Grüne Tomaten» zu tun haben

Philipp Dahm

1.7.2020 - 11:52

Kim Kardashian und Kanye West am 9.Februar 2020 bei der Vanity Fair Oscar Party in Beverly Hills.
Bild: Keystone

Kanye West hat sich den Zorn der Twitter-Gemeinde zugezogen, als ihm das Kunststück gelang, Gott und Gattin anzupreisen und dabei dennoch banal und rücksichtslos zu sein. Das ist eine Kolumne am Mittag wert.

Woran denken Sie, wenn Sie «Grüne Tomaten» hören? Klar, den Älteren unter Ihnen kommt sofort der Film von 1991 in den Sinn, die Verfilmung des Romans «Fried Green Tomatoes at the Whistle Stop Cafe» von Fannie Flag. Niemand würde in diesem Zusammenhang einen Gedanken an Kanye West verschwenden.

Und doch gibt es da seit Montag einen Zusammenhang. Einen umstrittenen Zusammenhang, zugegeben, wobei gar nicht die Relation selbst zur Debatte steht, sondern vielmehr die Saat, die ausgebracht wird. Die Erklärung: Kanye West hat einen Tweet mit einem Bild abgesetzt, auf dem eine riesige, grüne Tomate zu sehen ist. Und das hat wiederum für einige rote Köpfe gesorgt.

Schuld daran ist nicht die grüne Tomate, sondern das Gesamtpaket des Tweets. Wests Bild zeigt den grünen Riesen neben einer kleinen Cherry-Tomate und Blumen. Platziert ist das sonderbare Bouquet auf einer Strasse oder einem Vorplatz. Das Arrangement kann man trivial, lustig oder speziell finden, aber ein Aufreger ist dieses Œuvre eigentlich nicht.

Nur der Ton, den Kanye dazu anschlägt, der macht die Musik. Donald-Trump-Fan West schreibt zu dem Foto Folgendes: «Ich bin so stolz, dass meine wunderschöne Frau Kanye West offiziell Milliardärin geworden ist. Du hast die verrücktesten Stürme überstanden und nun scheint Gott auf dich und deine Familie herab. So gesegnet, dass dies noch Leben ist. Also habe ich dir ein Stillleben gemacht. Wir lieben dich so sehr.»

Der schale Hintergrund dieser schnöden Zeilen: Die gute Kim hat gerade 20 Prozent ihrer Kosmetikfirma KKW Beauty an den Konzern Coty verkauft, der dafür 200 Millionen Dollar auf den Tisch legt. Der Gesamtwert von Kardashians Unternehmen wird somit also bei einer Milliarde Dollar taxiert. Das ist gut. Gut für Kim und Kanye.

Nicht so gut finden einige aber den Zeitpunkt des Tweets. Neider – die Milliardäre unter unseren «Bluewin»-Lersern wissen, was ich meine – hat man immer, wenn einem die Zinsen täglich mehr bringen, als andere im ganzen Jahr erarbeiten. Doch wenn draussen eine Pandemie wütet, die nicht nur Leben, sondern auch Arbeitsplätze vernichtet, dann darf der Jubel auch mal ein bisschen verhaltener ausfallen.

Aber die meisten offenen Münder ruft wohl die Kunst des kulturlosen Tweets hervor: Was soll uns dieses Pflanzen-Sammelsurium bloss sagen? Wenn Kim die grosse Grüne ist, ist Kanye dann die kleine Rote? Wie lange hat West, der ja selbst Milliardär ist, wohl für seine Installation gebraucht? Oder anders gefragt: Ist das Kunst, oder kann das weg?

Wie dem auch sei: Glückwunsch den Doppelverdienern, dass nun alle beide Milliardäre sind. Fehlt nur noch eine Prise Swissness, damit die Pfeffersäcke der krisengeplagten Welt nicht mehr so penetrant unter die Nase reiben, wie stinkend reich sie sind. Und mit «Grüne Tomaten» hat das alles schon mal gar nichts zu tun!

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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