30.09.2017 - 10:31

Anatole Taubman: «In 3 Nächten hatte ich meine Miete zusammen»

von Bruno Bötschi, Redaktor
 

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Schauspieler Anatole Taubman spricht über seine Frauen, über seinen Job als Callboy und er verrät, warum er als 15-jähriger Teenager in einem Krematorium Leichen gewaschen hat.

12 Uhr mittags in einem Berliner Café. Mit einer Viertelstunde Verspätung stürmt Anatole Taubman ins Lokal, umarmt die beiden Servicemitarbeiter und sagt lachend: «Ich habe euch ein Geschenk mitgebracht ... Schweizer Schoggi!»

Taubman liebt den grossen Auftritt. Manche behaupten deshalb, er sei arrogant. Das Gegenteil trifft zu: Der Zürcher Schauspieler mit englischem Pass und Wohnort Berlin wirkt umgänglich, ist ein guter Smalltalker, er schäkert gerne, und sagt auch entfernten Bekannten begeistert «Hallo».

Zwei Minuten später setzt sich der gross gewachsene Schauspieler mit dem stechenden Blick zum Journalisten an den Tisch, bestellt eine Rhabarberschorle und schwärmt von seinen Ferien in der Schweiz. Er sei gerade einige Tage im Kurhotel Oberwaid bei St. Gallen gewesen. Der Schauspieler sieht erholt aus. Und glücklich. Na dann, starten wir mit ein paar laschen Fragen - zum Aufwärmen.

Bluewin: Herr Taubman, wir machen heute ein Frage-Antwort-Spiel: Ich stelle Ihnen in der nächsten halben Stunde möglichst viele Fragen und Sie antworten möglichst schnell und spontan. Passt Ihnen eine Frage nicht, sagen Sie einfach «weiter».

Anatole Taubman: Okay, ich versuche, mich kurz halten.

Es ist Mittagszeit: Soll man «Guten Morgen» oder «Guten Tag» sagen?

Guten Tag. Das hat sich bei mir schon vor längerer Zeit geändert (lacht laut).

Ihre normale Aufstehzeit?

Das hängt davon ab, ob ich mit Dreharbeiten beschäftigt bin. Drehe ich, stehe ich zwischen 6 und 8 Uhr auf, manchmal auch früher, und sonst zwischen 8 und 9 Uhr.

Im Bett: Pyjama oder nackt?

Wenn Sara (Freundin von Anatole Taubman, Anmerkung der Redaktion) neben mir im Bett liegt, bin ich nackt. Sonst bin ich eher der Pyjama-Typ, kurzärmlig und Shorts, aber nie die Unterhose vom gleichen Tag. Und Sie?

Unterhose.

Anatole Taubman hält sich die Hand vor den Mund, dreht den Kopf ab und prustet los. Der Mann hat wirklich gute Laune heute, momoll, super gute sogar.

Hat Morgenstund Gold im Mund?

Nicht bei mir.

Eine Person, die Sie definitiv nicht am Frühstückstisch aushalten?

Alle meine ehemaligen Mathe- und Physik-Lehrer.

Wer darf mitfrühstücken?

Alle meine Frauen – also meine beiden Töchter, deren Mütter und Sara. Sie haben sich alle dieses Jahr kennengelernt und verstehen sich prächtig.

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Sind seit über vier Jahren ein Paar: Schauspieler Anatole Taubman und die ehemalige TV-Moderatorin Sara Hildebrand. Er sagt über sie: «Eine Wunderelfe.»
Bild: Screenshot SRF

Hotel oder Camping?

Hotel.

Wann zuletzt unter freiem Himmel geschlafen?

Kurz nach der Matura reiste ich Anfang der 1990er-Jahre in die USA. Dort schliefen wir in Vermont im Wald und hörten «The Cure». Ein unvergessliches Erlebnis.

Je Liebe gemacht im Wald?

Ja.

Der Thriller «3 Lives», den Sie diesen Sommer gedreht haben, spielt vornehmlich im Wald. Wie viele Holzböcke fingen Sie während den Dreharbeiten ein?

Keinen, aber ich habe mich bei einem Stunt verletzt. Ich musste aus einem Wohnwagen herausspringen, der danach explodiert ist. Während ich mich auf dem Boden abrollte, rutsche ich aus und flog in einen Maschendrahtzaun. Dabei riss ich mir den Unterschenkel auf.

Sie spielen wieder einen Bösewicht. Macht die Auseinandersetzung mit unsympathischen Menschen Spass?

Ich finde es spannender, einen unsympathischen Menschen zu spielen. Sie sind kantiger, haben mehr Ecken.

Waffen abschaffen – ja oder nein?

Ja.

Sind Sie ein mutiger Mensch?

Solange ich Boden unter den Füssen habe, bin ich komplett angstfrei. Alles was mit Wasser oder Luft zu tun hat, ob das Tauchen ist oder ein Tandem-Fallschirmsprung, würde ich nie machen. Da bin ich ein «Schisshas».

Was ist Ihr Dämon?

Da gibt es viele. Mein Ziel ist es, sie alle zu umarmen und sie gerne zu haben und immer, wenn sie wiederkehren, anzunehmen und sie freundlich wieder zu verabschieden.

In einem Interview sagten Sie einmal: «Der Raubbau an meiner Seele kommt erst später zum Vorschein.» Wann später?

Wow, das habe ich gesagt? Mein Gott, was ist das für ein Scheisssatz. Den revidiere ich jetzt komplett. Der Raubbau ist in meiner Kindheit und Jugend passiert, heute versuche ich meine Seele friedlich zu stimmen.

Welcher Illusion geben Sie sich gerne hin?

Allen.

Worauf sind Sie stolz?

Dass ich die Matura geschafft habe.

Woher kommt Ihr Hang zum Pathos?

Ich würde sagen: Das hat mit dem Darwinismus zu tun. Sonst hätte ich den Heimen, in denen ich aufgewachsen bin, nicht überlebt.

Taubman spielt bis heute gerne den Clown. Auch im Interview macht er Scherze, spricht gestenreich, verstellt oft seine Stimme.

Ein typischer Spruch, mit denen Sie Ihre zwei Töchter nerven?

Da gibt es einige. Meistens hat es mit meinem katastrophalen Zeitmanagement zu tun. Sprüche wie «Ich komme gleich» oder «Warte schnell» nerven meine Töchter besonders.

Was wollten Sie als Kind werden?

Als Kind wollte ich, Teufel komm raus, Fussballer werden. Ich war jedoch nur semi-talentiert.

Ihr revolutionärster Gedanke als Teenager?

Ich wollte König von einem eigenen Staat sein.

Ihr erste Arbeit für Geld?

Im Coop habe ich Regale aufgefüllt. Als Teenager hatte ich über die Jahre viele verschiedene Sommer-Jobs. Der abgefahrenste war: Mit 15 war ich Leichenwäscher im Krematorium Nordheim in Zürich. Ich musste die Toten abspülen und saubermachen. Wissen Sie, warum ich diesen Job gemacht habe? Ich verdiente 50 Stutz in der Stunde. Weil ich unbedingt ein Töffli kaufen wollte und meine Mutter kein Geld hatte, machte ich es.

Wie haben Sie sich mit 12 Sex vorgestellt?

Ich bin zwar früh entjungfert worden, aber mit 12 hatte ich noch keine Vorstellung von Sex.

Zu welcher Tageszeit sind Sie am leichtesten erregbar?

Sexuell oder sonst? Sexuell am Abend. Und sonst? Über mich selbst kann ich mich sehr schnell nerven. Meine Geduld mit mir ist klein, leider. Ich hoffe, dass wird irgendwann besser. Meine Geduld anderen gegenüber ist umso grösser.

Der Schauspieler fängt immer wieder unvermittelt an zu lachen. Und sagt: «Super Fragen.» Na dann, gehen wir weiter nach vorne: unstellbare Fragen stellen, mit einem Lächeln im Gesicht.

Wirklich wahr, dass Sie während Ihrer Schauspielausbildung in New York in den 1990er-Jahren als Callboy gearbeitet haben?

Die Medien schreiben gerne Callboy. Aber ehrlich gesagt, ich war ein Walker. Ich habe also Frauen in den Ausgang begleitet. Anfangs der 1990er-Jahre war es für gutbetuchte Frauen ein No-Go, alleine Essen oder ins Theater zu gehen. Ich habe gutes Geld mit dem Job verdient.

Wie teuer waren Sie?

Drei Abende haben meine Wohnungsmiete bezahlt.

Wie viel Mal vollzogen Sie damals den Beischlaf mit Frauen gegen Geld?

Zu 80 Prozent blieb der Job vertikal. Aber ich gebe zu, wenn ich gefragt wurde, ob mehr drin liege, sagte ich häufiger zu als ab. Es waren alles tolle Frauen, und ich konnte so noch mehr Geld verdienen (lacht laut).

In einem Interview sagten Sie: «Der Walker-Job war eine wunderbare Schule.» Was lernten Sie konkret?

Wenn du den ganzen Tag in der Schauspielschule hockst und am Abend das Gelernte praktisch anwenden kannst, ist das doch der Wahnsinn. Meine Agentur hatte klare Regeln: Ich durfte zum Beispiel nicht meinen richtigen Namen sagen, musste also meine Identität verschweigen. Meistens spielte ich einen Franzosen, weil ich deren Namen sexy fand. Ich sprach Englisch mit einem französischen Akzent. Hin und wieder vergass ich das, gerade in heissen Situationen … Ach, ich könnte da noch viele Geschichten erzählen.

Was lernten Sie damals über die Frauen?

Es war eine wirklich inspirierende Zeit. Ich kam aus der Schweiz, war anfangs 20 und lernte sozusagen Crashkurs-mässig in zwei, drei Jahren alles über die Frauen. Oft waren diese viel älter als ich, aber es waren moderne, dynamische, unabhängige, hochintelligente Damen. Ich führte viele tolle Gespräche. Einmal wurde ich für eine Woche auf die Cayman Islands geflogen. Dort verbrachte ich die Tage mit einer über 60-jährigen Frau. Sie wollte keinen Sex, sie wollte nur gestreichelt werden und abends sollte ich ihr Gedichte auf Französisch vorlesen. Dabei war die Frau dieser Sprache gar nicht mächtig, aber sie liebte den Klang des Französischen.

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Anatole Taubman: «Ach Gott, Frauen können so viele Dinge besser als Männer. Sie sind, in meinem Leben auf jeden Fall, das starke Geschlecht.»
Bild: Getty Images

Waren Sie je als Freier in einem Puff?

Ja, einmal habe ich bezahlt für Sex. Das war im Niederdorf in Zürich. Ich war 18 und wollte es einmal probieren. Sandra hat meine Perle geheissen. Das werde ich nie mehr vergessen: Nach 15 Minuten war ich wieder draussen und hatte 350 Franken bezahlt. Kurz danach habe ich mich wahnsinnig geärgert über meine Dummheit. Heute weiss ich, das Sexgewerbe ist eine grausame Industrie, man sollte sie unter keinen Umständen unterstützen.

Als Beweis streckt Taubman dem Journalisten die rechte Hand hin. An deren Unterseite blitzt ein Tattoo hervor: «Done». «Es hat schon einen Grund, warum das hier steht», sagt der Schauspieler ernst.

Wie kann man eine Frau beeindrucken ohne den Mund aufzumachen?

(Lacht laut) Hat bei mir noch nie funktioniert, aber ich denke, gute Manieren können auf alle Fälle hilfreich sein.

Mögen Sie Langeweile?

Sehr sogar. Langeweile hat mit Entspannung zu tun und die muss man sich unbedingt ab und an gönnen.

Eine Frage, die Sie gerade umtreibt?

(Überlegt lange) Wenn ich so lange überlegen muss, keine.

Was inspiriert Sie?

Menschen.

Was wirft man Ihnen vor?

Unpünktlichkeit.

Lesen Sie Kritiken über Ihre Filme?

Nein, nein.

Ein Journalist schrieb kürzlich über Sie: «Der Charakterkopf aus der zweiten Reihe.» Empfinden Sie das als Lob?

Als Schlagzeile tönt es im ersten Moment vielleicht negativ. Ich sehe diese Aussage aber positiv. Im englischsprachigen Schauspielgeschäft ist es eine Utopie, dass man als Kontinental-Europäer für Hauptrollen engagiert wird. Es gibt einige Glückspilze, Mads Mikkelsen oder Christoph Waltz zum Beispiel, die es geschafft haben. Aber ich lernte früh, dass ich mir eher schade, wenn ich auf Hauptrollen in englischsprachigen Produktionen aspiriere. Der mittlerweile verstorbene deutsche Schauspieler Vadim Glowna riet mir einmal: «Schau einfach, dass du immer in der zweiten Reihe bist. Die erste ist sowieso wahnsinnig anstrengend und ein Monster.»

Im Rückblick auf Ihre 100 Filmproduktionen: Wie oft spielten Sie die Nebenrolle?

Viele … 80-mal wahrscheinlich.

Waren es eher fünf oder 20 schlechte Filme?

Eher 20.

Die Namen Ihrer drei besten Filme?

Ich kann nicht beurteilen, welche meine besten Filme sind. Für mich am wichtigsten, also als Mensch und für meine Karriere als Schauspieler, sind es folgende drei: «Marmorera», der Bond-Film «Quantum of Solace» und «Die Säulen der Erde», die Verfilmung des Bestsellers von Ken Follett.

Sind Sie besser, wenn Sie gequält werden? Oder wenn Sie quälen dürfen?

Wenn man mich quält.

Sind Sie gut im Entschuldigen?

Ja, sehr. Fast zu gut.

Bei welchem Regisseur müssen Sie sich noch entschuldigen?

Bei keinem.

Woran erkennt man, dass Sie jeden Moment explodieren können?

Am Blick, der kann dann alles durchbrechen. Es hat schon einen Grund, warum ich regelmässig den Bösewicht spiele.

Ist Ihr vieles Reden Ihre Schutzwand?

Auf jeden Fall.

Grundsätzlich: Ist es eine Scheisswelt?

Am Wochenende war ich auf einer Hochzeit eingeladen. Als das Brautpaar sich gegenseitig das Liebesversprechen gab, hatte ich Tränen in den Augen.

Wo ist die Schweiz am allerschönsten?

In der Natur und in den Bergen.

Die schönste Schweizerin?

Sara, meine Elfe.

Der schönste Schweizer?

Sie. Ich bin nicht schwul, aber Sie wären sicher weit vorne in der Rangliste … 

Ach, dieser Taubman ist wirklich ein guter Smalltalker. Der Journalist wird rot über beide Wangen und lächelt verlegen.

Aber das wissen Sie selber, Sie haben ein super Gesicht. Wir reden von Äusserlichkeiten, oder?

Ja.

Ich finde kantige Moviestar-Gesichter toll, wie zum Beispiel jenes von Burt Lancaster, Paul Newman oder Stephan Gubser.

Was können Frauen besser als Männer?

Ach Gott, Frauen können so viele Dinge besser als Männer. Sie sind, in meinem Leben auf jeden Fall, das starke Geschlecht. Es fängt damit an, dass Frauen unterscheiden können, was wichtig und was nicht wichtig ist im Leben.

Wann zuletzt betrunken durch Berlins Strassen geirrt?

Oh, das ist lange her, vor vielen, vielen Jahren.

Ihre Lieblingsdroge?

Fussball, meine Frauen und meine Freunde.

Schauspieler Mads Mikkelsen sagte über Sie: «Er benimmt sich, wie wenn er auf Drogen wäre, obwohl er das nicht ist.» - Woher nehmen Sie die viele Energie?

Vieles ist Natur, so bin ich einfach. Aber es hat sicher auch damit zu tun, dass ich keine einfache Kindheit hatte. Ach, was sage ich: Wenn ich mich mit einem Kind im Kongo vergleiche, war sie vielleicht kompliziert, mehr nicht.

Wann sind Sie ganz still?

(Lacht laut) Beim Fussball schauen und wenn ich schlafe.

Ist es zwingend für Sie, in einer Grossstadt zu leben?

Immer weniger, momentan aber ist es noch zwingend notwendig.

Was haben Berlin und Zürich gemeinsam?

Sehr wenig.

Wo gibt’s die beste Bratwurst?

Nicht im Sternen-Grill am Bellevue in Zürich, wie alle behaupten, sondern in St. Gallen.

Wo gibt’s die beste Currywurst?

In Berlin bei Bier's Kudamm 195. Da gehe ich immer hin.

Anatole Taubman kocht: Was gibt es?

Ich kann nicht kochen und deshalb interessiert es mich auch nicht. Wenn es etwas geben würde, dann Chilli con Carne. Es ist die einzige Mahlzeit, die ich kochen kann. Die Inspiration dafür fand ich in den Romanen von Philippe Djian. In all seinen Büchern kochen die Hauptdarsteller für ihre Frauen Chilli con Carne. Das finde ich romantisch.

Mit wem unterhalten Sie sich am liebsten?

Mit meinen Frauen und mit meinen Freunden.

Die bisher beste Idee Ihres Lebens?

Keine Drogen mehr zu nehmen.

In der «Neuen Zürcher Zeitung» war zu lesen, dass Sie demnächst in die Schweiz ziehen wollen. Wirklich wahr?

Es ist noch ein Prozess, aber ja, es ist wahr.

Was sagen Ihre zwei Töchter zu Ihren Umzugsplänen?

Die finden das gut, so lange der Umzug nicht stattfindet, bevor die jüngste Tochter, sie ist 14, nicht aus der Schule ist. Das dauert noch drei Jahre.

Heisst es Papi, Vater oder Vati?

Trolli oder Tata. Trolli von meiner 20-jährigen Tochter, und Tata von meiner jüngeren Tochter, sie hatte ein polnisches Kindermädchen.

Zum Schluss reissen wir das Interview noch mal auf: ganz andere, die ernsten Fragen an Anatole Taubman.

Wann haben Sie sich zuletzt darüber geärgert, dass Sie eine Fernbeziehung führen?

Noch nie.

Ist die Liebe eine Katastrophe?

Das Gegenteil, die Liebe ist magisch.

Warum verstehen Frauen nicht, dass es nichts zu sagen gibt?

(Lacht laut) Das kann ich nicht beantworten, weil sonst wäre ich auch eine Frau.

Wie würden Sie Ihre Freundin Sara Hildebrand in einem Satz beschreiben?

Eine Wunderelfe.

Sie sind zweimal geschieden. Was müsste geschehen, damit Sie den Schritt in die Ehe noch einmal wagen würden?

Ich habe mir immer gesagt, ein drittes Mal ist noch okay. Aber das wäre es dann auch gewesen. Ich möchte, wenn ich das nächste Mal diese Entscheidung fälle, mit all meinem Bewusstsein fest davon überzeugt sein, dass die Ehe auch wirklich bis zum Ende meines Lebens dauern wird.

Was halten Sie von offenen Beziehungen?

Nichts für mich, aber mutig und freigeistig.

Rückblickend, nach über 20 Jahren als Schauspieler: Hat sich der ganze Ärger gelohnt?

Auf jeden Fall.

Wonach suchen Sie als Schauspieler?

Wahrheit.

Spielen Sie immer? Oder nur wenn die Kamera läuft?

Ich spiele immer weniger, wenn die Kamera nicht läuft.

Finden Sie es lustig, dass Sie immer wieder für schwul gehalten werden?

Das ist mir so egal.

Das Älterwerden hat eine Menge Nachteile. Hat das Alter aus Ihrer Sicht auch Vorteile?

Für mich persönlich hat es nur Vorteile. Ich bin mehr bei mir selbst angekommen, bin weniger rastlos, gleichzeitig bin ich nach wie vor begeisterungsfähig und neugierig. Für meine Persönlichkeitsstruktur wirkt das Alter wie Balsam. Je älter ich werde, desto bewusster lebe ich.

Wovor haben Sie Angst?

Vor Schlangen habe ich panisch Angst und vor Wasser, in dem ich nicht stehen kann. Deshalb schwimme ich nie in einem See.

Was tun Sie, um mit dem Gedanken an den Tod fertig zu werden?

Ich kann gut damit leben, weil ich an ein Weiterleben nach dem Tod glaube. Ich bin davon überzeugt, dass wir die Menschen, die wir gerne haben, wiedersehen werden. Der Tod meiner Mutter vor einem Jahr hat mich Vieles gelehrt. Die drei Tage, die ich bei ihr am Todesbett verbracht habe, waren ein Sterbe-Erwachsenen-Crashkurs.

Was wäre für Sie ein schöner Tod?

Am Abend ins Bett gehen und morgens nicht mehr aufwachen.

Und zum Schluss noch der grosse Talenttest: Sie schätzen bitte Ihr Talent von 0 Punkten, kein Talent, bis zu 10 Punkten, grossartiges Talent: Als Politiker?

Wow, da wäre ich sicher über 5 … sagen wir eine 7.

Als Berliner?

Ich sehe mich als World Citizen und Berlin ist eine Weltstadt. Deshalb gebe ich mir eine 8.

Als Schweizer des Jahres?

Zwischen 1 und 2.

Als Liebhaber?

Da bin ich ein Löwe. Ich würde deshalb sagen eine solide 8.

Zur Person: Anatole Taubman

Schauspieler Anatole Taubman, Jahrgang 1970, hat einen englischen Pass und ist in der Schweiz aufgewachsen. Er gehört zu den wenigen Schauspielern hierzulande, die international Erfolg haben. Der Vater von zwei Töchtern (14 und 20) lebt seit langer Zeit in Berlin. Seit bald vier Jahren sind er und die ehemalige TV-Moderatorin Sara Hildebrand («Glanz & Gloria») ein Paar.

 

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«Bluewin»-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten. Bötschi hat viel Erfahrung mit Interviews. Für die Zeitschrift «Schweizer Familie» betreute er viele Jahre die Serie «Traumfänger». Über 200 Persönlichkeiten stellte er dafür die Frage: Als Kind hat man viele Träume – erinnern Sie sich? Das Buch zur Serie «Traumfänger» ist im Applaus Verlag, Zürich, erschienen. Es ist im Buchhandel erhältlich.
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