«Daily Show»-Star Trevor Noah spricht über seine Schweizer Wurzeln

2.4.2019 - 13:40, Philipp Dahm

Trevor Noah mit seinem Schweizer Vater Robert.
Screenshot:  YouTube/CNN

Trevor Noah spricht nicht oft über seinen Schweizer Vater. In einer Drehpause bei der jüngsten Aufzeichnung seiner «Daily Show» plauderte der TV-Star nun für einmal über seine Vergangenheit.

Die Fussstapfen, in die Trevor Noah tritt, sind über Gebühr gross: 2015 übernimmt der Südafrikaner beim Sender «Comedy Center» die «Daily Show» von Altmeister Jon Stewart. In der Schweiz berichten alle grosse Medien, denn der Neue hat Lokalbezug: «Blick» vermeldet den neuen Job des «Halb-Schweizers», die «Aargauer Zeitung» wie auch «20 Minuten» schreiben über den «Südafrikaner mit Schweizer Wurzeln» und «watson» weiss ebenfalls vom «‹Schweizer› Nachfolger».

In den Artikeln erfährt der Leser aber nur, dass Trevor Noah einen Schweizer Vater hat. Details werden nicht genannt – nicht zuletzt auch, weil der damals 31-Jährige nicht viel mehr über seinen Verwandten erzählt. Vier Jahre später sieht das jedoch anders aus: Einerseits schreibt der Comedian in seiner Autobiographie «Born a Crime» (auf Deutsch. «Farbenblind») über seine Kindheit – und andererseits plaudert er mittlerweile auch in seiner Show über seine Vergangenheit. So wie bei der letzten Aufzeichnung der «Daily Show».

«Warum lernst du nicht Schweizerisch?»

Noah hat es sich zur Gewohnheit gemacht, in den Drehpausen Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Zuletzt wurde er offenbar gefragt, ob er Deutsch spreche. «Mein Vater ist Deutschschweizer, und ich wollte seine Sprache lernen, als ich gross geworden bin. Jemand fragte mich: ‹Warum lernst du nicht Schweizerisch?› Als ich dann das Schweizerische gehört habe, sagte ich [bloss]: Nein. Ich lerne besser Deutsch.»

Noah plaudert «Between The Scenes» aus dem Nähkästchen.
Screenshot: YouTube

Er habe gehofft, dass würde die beiden einander näherbringen, erklärt Noah in diesem «Between The Scenes»-Segment. «Weil ich etwa zehn Jahre keinen Kontakt zu meinem Vater hatte.» Als sich Vater und Sohn dann erneut trafen, wollte der Südafrikaner ihn mit seinen Sprachkenntnissen beeindrucken. «Ich fing also an, auf Deutsch mit ihm zu reden. und er sagte: ‹Was machst du? › Ich sagte: ‹Ich spreche Deutsch. › Und er: ‹Nein, rede lieber Englisch. Es ist besser, wenn du gar nicht Deutsch sprichst – alles okay.›»

«Bitteschön .... Mit dä Schinken!!!»

Doch Noah lässt sich nicht beirren, lernt weiter Deutsch und kann seine Kenntnisse irgendwann anwenden, als er Deutschland besucht. Doch er hätte sich vielleicht doch für das «Schweizerische» entscheiden sollen: «Ich hatte viel Spass, bis ich herausfand, dass die Art, wie ich Deutsch sprach, ein bisschen wie bei Hitler klingt. Auf dieser Seite der Welt hat mir das niemand gesagt, weil wir nicht wirklich wissen, wie er gesprochen hat.»

Noah wurde 1984 in Johannisburg geboren, als Beziehungen zwischen Schwarzen und Weissen in Südafrika noch unter Strafe standen.
Screenshot: YouTube

Nachdem der Moderator 2015 das Zepter der «Daily Show» übernahm, brach die Quote um 37 Prozent ein. Damit konnte man rechnen, nachdem Publikumsliebling Jon Stewart abgedankt hatte. Doch die Zahlen haben sich erholt und Noah wurde mit einem neuen Vertrag bis 2022 ausgestattet. Auch, weil er seinen eigenen Dreh gefunden hat, weil er vor allem ein jüngeres Publikum anspricht und nicht zuletzt, weil er so prägnant und lustig ist.

Kostprobe gefällig? Schauen Sie sich ab Minute 1:02 den Vergleich an, mit dem er dem Publikum sein Deutsch-Problem mit Hitler erklärt. Er vergleicht es mit jemandem, der Englisch redet wie Barack Obama: Wenn Noah ihn, hat sein Zuhörer den Ex-Präsidenten direkt vor Augen. «Bei mir war es so ähnlich. Ich gehe irgendwohin, bestelle was zu essen.» Und wie er das tut, zeigt er bei Minute 1:20: ein herrlich gebelltes «Ich will ein kleinen Brötchen haben ... Bitteschön .... Mit dä Schinken!!!»

Sonntags gab es Schweizer Küche

Als er dann die Blicke der Leute gespürt und gefragt habe, ob er etwas falsch machte, habe die Freundin geantwortet: «‹Nein, du hörst dich ein bisschen wie ... Wie Hitler an, und die Leute haben echt Angst davor. › Ich habe gefragt: ‹Habe ich ihnen den Tag versaut? › Und sie: ‹Ja, hast du.› Ich sagte: ‹Well, that brings me a lot of Schadenfreude. ›» Ein Satz, der wohl keiner Übersetzung bedarf.

Tervor Noahs Deutschstunde im Video.

Während Trevor Noah an dieser Stelle einen kleinen Einblick in die Beziehung zu seinem Vater gibt, wissen wir dank seines Buches «Born a Crime» heute mehr über seine Kindheit. Sein Vater Robert Noah kam nach Johannisburg, um im Detailhandel zu arbeiten. 1983 hat sich der damals 46-Jährige in die 20 Jahre jüngere Patricia Nombuyiselo verliebt.

Die Beziehung zu der Frau vom Volk der Xhosa war unter dem Apartheidsregime illegal: Noahs Mutter wurde geschlagen und ins Gefängnis gesteckt, der Vater kümmerte sich so gut es die Zustände zuliessen um seinen Sohn: Sie trafen sich sonntags, und es kam Schweizer Küche auf den Tisch. Doch der Rassismus in Südafrika verunmöglichte ein normales Familienleben: In der Öffentlichkeit musste Trevor immer einige Meter vor seinem weissen Vater laufen, damit niemand auf die Idee kommt, die beiden könnten verwandt sein.

Böse Stiefväter

Als Trevor 13 Jahre alt war, musste sein Vater schliesslich nach Kapstadt gehen: Trevor wuchs in den folgenden Jahren bei der Grossmutter auf, der Kontakt riss für einige Jahre ab. Als sie sich schliesslich wiedersahen, präsentierte Robert seinem Sohn ein Buch, in dem der Schweizer Berichte über Trevor sammelte: Die vorherigen Zweifel, dass sein Vater ihn wirklich geliebt hat, waren bei dem Jungen damit verflogen.

Heute hat Trevor Noah offenbar ein gutes Verhältnis zu Papa Robert. Seine Mutter hatte nach der Beziehung zu dem Schweizer jedoch Pech mit Männern: Mit ihrem ersten Ehemann bekam Mutter Patricia zwei Söhne, bevor der Gatte handgreiflich wurde. Danach war sie mit einem Mann namens Sfiso Khoza liiert, der gar dafür sorgte, dass die Frau im Spital landete.

Sie überlebte seinen Angriff – und hat heute jeden Grund, stolz auf ihr Kind zu sein, das sich im Late-Night-Theater in den USA brillant bewährt.

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