Kolumne am Mittag

Dr. Fauci ist Gift für Trump und Amerikas bestes Pokerface

Von Carlotta Henggeler

23.12.2020

Infektiologe Dr. Anthony Fauci traut sich, was sonst fast niemand auf der Welt wagt: Donald Trump öffentlich zu widersprechen. Dafür wird er nicht nur in den USA gefeiert – er ist quasi der Daniel Koch Amerikas. Morgen wird der Trump-Schreck 80 Jahre alt. Eine Hommage.

Die Geste, wie sich Dr. Anthony Fauci nach Donald Trumps Corona-Speech kurz an den Kopf fasst, ist legendär und ging um die Welt. 

Der Direktor des nationalen Instituts für Allergie- und Infektionskrankheiten der USA verliert sonst wirklich nie die Fassung – never ever. Und seine Experten-Ohren mussten schon viel Corona-Mist aus Donald Trumps Mund hören («blue News» berichtete). Von der Wirksamkeit von UV-Strahlen bis hin zu Desinfektionsmittel.

Und immer hört Dr. Fauci scheinbar tiefenentspannt zu. Das Gesicht eine steinerne Maske, die Hände gebetsartig gefaltet. Meditiert der Pandemie-Experte, der einst als Klassenbester seinen Abschluss an der renommierten Medizin-Fakultät der Cornell-Universität absolvierte? Wir wissen es leider nicht, Körperlesen gehört nicht zu meinen Fähigkeiten. Ich würde aber seine Entspannungstechnik gern kennen und anwenden.

Nicht nur ich, auch jeder Pokerspieler könnte von der Fauci-Relax-Methode profitieren. So ein Pokerface ist beim Spielen Gold wert.

Sein profundes Wissen, seine Zen-Mönch-Ruhe und sein Auftreten haben ihn zum Star gemacht. Von den Murales in New York bis zu den Yankee-Spielen. Sogar Brad Pitt ist ein Fauci-Fan. Er imitierte ihn in der legendären «Saturday Night Live»-TV-Show – das Video wurde bisher 14 Millionen Mal angeklickt.

Auch Neu-Präsident Joe Biden ist in seiner Fan-Base: «Wenn Dr. Fauci sagt, dass wir einen Impfstoff haben, der sicher ist», werde er sich impfen lassen, sagte er kürzlich. Fauci soll auch Bidens Chefberater der Corona-Taskforce werden, wenn Trump am 20. Januar sein Pult im Oval Office des Weissen Hauses räumen wird.

Dr. Fauci ist so etwas wie ein Veteran, ein Dinosaurier im öffentlichen Gesundheitsdienst: Der 79-jährige Fauci hat unter allen US-Präsidenten seit Ronald Reagan gearbeitet. Donald Trump hätte den vielfach prämierten Wissenschaftler fast rausgeekelt. Diesen Sommer machten Gerüchte die Runde, wonach es Versuche des Weissen Hauses gegeben habe, Fauci zu diskreditieren. Trump sagte: «Er ist ein netter Mann, aber er hat viele Fehler gemacht.»

Doch ein Dr. Zen-Mönch-Fauci mit dem Pokerface wird man nicht so schnell los. Auch ein Donald Trump schafft dies nicht. Auf die präsidiale Attacke konterte der Doktor gelassen: «Ich will einfach nur meine Arbeit machen. Ich bin wirklich gut darin. Und ich werde sie weitermachen.»

Bäm. Bittere Medizin für Donald Trump, die er schlucken musste. Denn der Chef-Infektiologe ist in Amerika ein Pandemie-Held. 

Und Helden geben nicht auf. Um seinen Alltag stemmen zu können, hält er sich mit Power-Walking fit. Jeden Tag nimmt der Vater dreier Töchter 5,6 Kilometer mit seiner Frau Grady unter die Füsse. 

Dr. Fauci hat auch nach seinem morgigen 80. Geburtstag viel vor, er will weiterhin das fiese Virus bekämpfen – und er ist optimistisch: «Wir werden das durchstehen, das wird enden», sagte er dem «People»-Magazin. 

Schöne Aussichten aus dem Mund eines Pandemie-Helden.

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «blue News» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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