Hitchcock-Muse Kim Novak wird 85

13.2.2018 - 12:34, Barbara Munker, dpa

Eine Hollywoodikone, die bald keine mehr sein wollte: Kim Novak zog sich früh aus dem Filmgeschäft zurück.
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Berühmt wurde Kim Novak als geheimnisvolle Blondine in «Vertigo - Aus dem Reich der Toten» (1958). Kritikern gilt der Film bis heute als eines von Hitchcocks besten Werken.
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Kim Novak hiess eigentlich Marilyn Pauline Novak und war die Tochter der tschechischen Einwanderin Blanche Novak und ihres Mannes Joseph.
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Kim Novak drehte mit Grössen wie Frank Sinatra und Lauren Bacall.
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1965 heiratete Kim Novak ihren Schauspielkollegen Richard Johnson. Die Ehe hielt nur ein Jahr.
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Kim Novak hatte ihren ersten Ehemann am Set von «Die amourösen Abenteuer der Moll Flanders» kennengelernt.
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Das Leben in Hollywood hatte Kim Novak schnell satt. Sie zog auf eine Ranch in Oregon.
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Dort lebt sie mit ihrem zweiten Ehemann, dem Tierarzt Robert Malloy. Das Paar ist seit 1976 verheiratet. 
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Als Schauspielerin trat Kim Novak immer seltener in Erscheinung, 1992 zog sie sich komplett aus der Branche zurück. Drei Jahre zuvor hatte sie eine Privataudienz bei Papst Johannes Paul II., gemeinsam mit Kirk Douglas und dessen Frau Anne.
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1997 erhielt Kim Novak auf der Berlinale einen Ehrenbären für ihr Lebenswerk
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Vor dem  Grauman's Chinese Theatre verewigte sich Kim Novak 2012 im Zement.
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Als Kim Novak bei der Oscarverleihung 2014 einen Preis überreichte, erntete sie für ihr verändertes Äusseres Spott - unter anderem von Donald Trump.
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Liess sie sich einst von Mobbern in Hollywood einschüchtern, hat Kim Novak inzwischen keine Scheu mehr, ihnen Paroli zu bieten. 
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Vor 60 Jahren wurde Kim Novak als «Vertigo»-Star weltberühmt. Hollywoods coole Blonde hat die Filmbranche lange verlassen. Mit 85 Jahren bezieht sie in der #MeToo-Debatte Stellung.

Sexy, blond und kühl - das war das Erfolgsrezept von Kim Novak, der «Sharon Stone der 50er Jahre». Mächtige Hollywoodbosse hatten das junge Fotomodell zur Sexgöttin hochstilisiert, Alfred Hitchcock machte sie durch «Vertigo - Aus dem Reich der Toten» (1958) unvergesslich. Doch die Glamour-Karriere hatte Schattenseiten. Kurz vor ihrem 85. Geburtstag reiht sich Novak als «MeToo»-Opfer zu der wachsenden Zahl von Frauen, die Sexismus und Missbrauch erlebt haben.

Die weltweite Debatte mit Vorwürfen von sexueller Belästigung habe auch sie aufgerüttelt, schrieb Novak Ende Dezember auf ihrer Facebook-Seite. Sie habe «all die dunklen Gefühle» in ihren Erfolgsjahren nie richtig zugelassen. Diesen Schmerz male sie sich nun mit einem Bild «von der Seele». «Zeit der Abrechnung» nennt sie das Werk, ein Frauenporträt neben dem Profil eines bedrohlich wirkenden Mannes.

Novak, die am Dienstag (13. Februar) 85 Jahre alt wird, grenzte sich schon früh von der Traumfabrik ab. «Sie wollten mich komplett verändern», sagte die Schauspielerin über ihre Hollywood-Jahre. Sie wollte nicht wie andere Stars in eine Krise geraten und ein tragisches Ende erleben, schreibt sie auf ihrer Webseite.

Aus Protest gegen die Vereinnahmung durch die Studios flüchtete sie in die abgelegene kalifornische Aussteiger-Gegend um Big Sur, dann weiter nördlich in den Nachbarstaat Oregon. Mit ihrem zweiten Ehemann, einem Tierarzt, lebt sie seit den 1980er Jahren auf einer Ranch. Malen, Tiere und Natur sind ihre Hobbies, auf Facebook postet sie ihre Gemälde, neben Fotos von Ausritten mit ihrem Mann hoch zu Pferd.

Vom Fotomodell zum Filmstar

Als Marilyn Pauline Novak war die Tochter tschechischer Eltern 1933 in Chicago zur Welt gekommen. In Hollywood jobbte sie kurz als Fotomodell, erhielt mit 20 Jahren ihre erste Rolle in dem Streifen «Die lockende Venus» an der Seite von Jane Russell.

Harry Cohn, der mächtige Boss des Columbia Studios, entdeckte die Blondine und baute sie mit Erfolg zum neuen Star auf. Er wollte ihr den Künstlernamen Kit Marlowe verpassen, sie liess sich auf Kim ein, bestand aber auf ihren Nachnamen. Durch Hits wie «Der Mann mit dem goldenen Arm» und «Picknick» wurde sie schnell zum Star.

Bei den Filmfestspielen in Cannes liess sich Novak 1956 als «Neuentdeckung» feiern. Sie war gerade 24 Jahre alt, als sie in Hitchcocks düsterem Thriller «Vertigo - Aus dem Reich der Toten» eine mysteriöse Doppelgängerin spielte. Neben James Stewart jagte sie einem Millionenpublikum Gänsehaut ein.

Für Billy Wilder trat sie in der Komödie «Küss mich Dummkopf» vor die Kamera. 1978 kam sie für Dreharbeiten zu dem Streifen «Schöner Gigolo, armer Gigolo» nach Berlin. 1997 reiste sie zur Berlinale an, um den Goldenen Bären für ihr Lebenswerk im Empfang zu nehmen.

Nur selten liess sie sich noch in Hollywood sehen, wie 2012, als sie auf dem Vorplatz des historischen Chinese Theatre ihre Handabdrücke - neben Kollegen wie Charlie Chaplin, Frank Sinatra, Clark Gable und Marilyn Monroe - im feuchten Zement hinterliess.

Von Donald Trump beleidigt

Die Einladung zur Oscar-Gala zwei Jahre später wollte sie erst nicht annehmen, doch am Ende willigte die damals 81-Jährige ein, auf der Bühne eine Trophäe auszuhändigen. Ihr Auftritt - mit einem maskenhaft wirkenden Gesicht - löste eine Spott-Lawine im Netz aus. «Kim sollte ihren Schönheitschirurgen verklagen», schrieb der zukünftige US-Präsident Donald Trump in einem Tweet in der Oscar-Nacht 2014.

Wenige Wochen danach meldete sich Novak zu Wort. «Ich weiss, was Donald Trump und andere gesagt haben», schrieb sie in einem Facebook-Eeintrag mit dem Titel «Oscar Bullying». Sie habe ihr Gesicht aufspritzen lassen, um besser auszusehen, räumte sie ein. Die bösen Kommentare hätten sie tief getroffen. Jahrzehnte zuvor habe sie sich dem Druck in Hollywood gebeugt und das Filmgeschäft verlassen, statt gegen Mobber anzukämpfen. Jetzt wollte sie nicht mehr schweigen.

Erst ein gutes Jahr später, nachdem Trump 2015 seine Kandidatur für das Weisse Haus erklärt hatte, ruderte er zurück. Er hätte den Tweet besser nicht gesendet, sagte Trump im Interview der «New York Times». Der Kommentar sei zwar als Spass gemeint gewesen, aber solche Dinge könnten sich als verletzend erweisen. Sie nehme diese Entschuldigung an, sagte Novak in der Sendung «Inside Edition». Doch sie teilte auch gleich aus. «Schade, dass Mobber nicht erst denken, bevor sie den Mund aufreissen.» Würde sie Trump wählen?, fragte der Moderator. «Willst du mich auf den Arm nehmen? Ach du lieber Gott, Nein!», versicherte Novak.

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